Die Szenen haben sich tief ins kollektive Gedächtnis Österreichs eingebrannt. Da sitzt der Vizekanzler der Republik auf einer billigen Couch in einer Airbnb-Mietvilla auf Ibiza, Rauch- und Alkoholschwaden umwehen seinen Kopf, und bietet mehr oder weniger an, halb Österreich an eine russische Oligarchen-Nichte zu verscherbeln - alles ganz legal natürlich, das "ist ihm wichtig". Sechs Stunden lang redete sich H. C. Strache im losen Shirt um Kopf und Kragen, das alles vor den Augen und Kameras eines zwielichtigen Privatdetektivs, der mit den Aufnahmen Geld machen will. Und ein bisschen Politik, was ihm wichtiger ist, wird nicht ganz klar.

Es ist keine leichte Aufgabe, so ein Ereignis für eine Serie in Szene zu setzen. Und doch ist es Sky und "Tatort"-Regisseur Christopher Schier gelungen. Das Produkt sind vier Folgen Fernsehen auf Weltklasse-Niveau, die ab Donnerstag (21. Oktober) bei Sky zu sehen sind.

Was natürlich auch an der Besetzung liegt. Burg-Star Nicholas Ofczarek gibt den Ostfrauen-affinen Privatdetektiv Julian H., der die Falle eingefädelt hat, in die die blauen Spezialisten mehr oder weniger arglos getappt sind. Ofczarek legt den kettenrauchenden Sicherheitsmann irgendwo zwischen Glücksrittertum und politischem Heldenmut an - mit im Laufe der Geschichte unübersehbarem Hang zu Paranoia und Rotlicht-Milieu. Amateurhafte Patzer mit dem chinesischen Equipment frisch aus dem Spy-Shop, Spezialbrillen, die das Video vor Kopien schützen sollen und allerlei Gadgets, die wohl eher die Verlustängste des Detektivs untermauern als das Sicherheitslevel steigern.

Kongenial geben Andreas Lust den Parteichef der Freiheitlichen und Anna Gorshkova die vermeintliche Oligarchen-Nichte. Lust stößt erst später zur Geschichte dazu, im Duo mit Ofczarek sorgt er aber für Höhepunkte der Schauspielkunst, als es auf Ibiza zur Sache geht und sich das Netz um Strache zuzieht.

Ausgangspunkt ist Anwalt Ramin Mirfakhrai (David A. Hamade), ein Immobilienjurist offenbar persischer Herkunft, der zufällig in den Besitz von belastenden Fotos gelangt. Als Migrant leidet er unter dem Aufstieg der FPÖ, sieht seine Familie in Gefahr. Und doch: Fotos von Taschen voll mit Bargeld, die Strache herumträgt, sind zwar ein Alarmsignal aber noch kein Beweis für eine Straftat, soviel weiß der Jurist, obwohl er sich sonst mit Immobilienverträgen beschäftigt. Daher beschließen Anwalt und Detektiv, Strache eine Falle zu stellen.

Kommentierende Montage

Eine Serie zu machen, in der die Handlung dem Publikum bekannt ist und das Ende feststeht, verspricht zunächst einmal keinen allzu großen Spannungsbogen. Die in doppelter Hinsicht prominent besetzte Ibiza-Affäre wird aber auch ohne klassisches Who-Dunnit zum Krimi. Sie leistet nämlich in gewisser Weise Aufklärung zu den Details der Abläufe. Wenngleich am Ende unklar ist, was hier tatsächlich stattgefunden hat und was der Dramatisierung des Plots geschuldet ist. Privatdetektiv Julian H. bleibt wohl auch nach der Serie eine zwielichtige Gestalt. Sein Drogenprozess läuft derzeit.

Eine sarkastisch-kommentierende Montage setzt dem Werk ein handwerkliches Krönchen auf. Da wird die Ressortverteilung unter Türkis-Blau als Geschenkeauspacken von Kindern unterm Weihnachtsbaum inszeniert oder eine Forelle an der Angel quergeschnitten, wenn die Köder für Gudenus ausgelegt werden. Am Ende ist es eine Geschichte, bei der viele verlieren. Die aber trotzdem sein musste. Eine klassische Tragödie quasi.