Ausgerechnet Saarbrücken! Es ist nicht unbedingt die schönste aller deutschen Landeshauptstädte. Und, seien wir uns ehrlich, man sieht sich die Stadt am besten von der französischen Seite der Grenze aus an. Und dennoch: Saarbrücken führt in der Statistik jener Städte, die am öftesten Austragungsort der legendärsten Sendung im deutschen Fernsehen war: Zwölfmal gastierte der ZDF-Show-Dinosaurier "Wetten, dass ..?" in der Moselmetropole. Da verblasst selbst Berlin, das nur zehnmal die Ehre hatte.

Am 6. November hat nun Nürnberg die Ehre, diese ganz besondere Ausgabe zu hosten. Denn auf dem Programm steht die lange erwartete Sonderausgabe des Showklassikers "Wetten, dass ..?" im ZDF und ORF1. Showlegende Thomas Gottschalk, der zuletzt nach 22 Jahren Ende 2011 die Show moderierte, wird diese - vorerst einmalige - Ausgabe als Gastgeber begleiten. Es ist also ein bisschen wie früher, wo man im Pyjama mit Popcorn noch etwas länger aufbleiben durfte, weil der blonde Mann mit dem seltsamen Sakko wieder einmal viel zu lange redet.

Und genau das ist der Plan. Das ZDF will der beliebten Ratesendung, die 1981 unter Frank Elstner startete und 2014 von Markus Lanz zu Grabe getragen wurde, wohl ein Denkmal setzen. Indem es eine "ganz normale" Ausgabe macht, wie allerorts betont wird. Aber was ist schon normal bei der Show, die zu Recht als größte TV-Show Europas galt? Schon die Gästeliste ist alles andere als normal, bemühen sich doch immerhin neben Helene Fischer die beiden Bs aus ABBA - Björn Ulvaeus und Benny Andersson - auf die Wettcouch. Wenn da keine Nostalgie aufkommt, wann dann? Da bemüht sogar das ZDF Superlative, schließlich feiert die legendäre Popgruppe nach 40 Jahren ihr Comeback (was wohl auch der Grund für den Promotion-Auftritt sein dürfte): "Björn Ulvaeus und Benny Andersson berichten exklusiv über die bewegten letzten Monate dieser besonderen Reunion und der Arbeit an ihrem neuen Album", so das ZDF in seiner Aussendung.

Der Meister kommt selbst

Altrocker Udo Lindenberg und sein Panikorchester spielen ihren neuen Song "Kompass". Und auch Stars des Disney-Musicals "Die Eiskönigin" sind in der Show zu Gast, womit wir wieder beim Länger-aufbleiben-dürfen wären. Lindenberg, der nach der Corona-induzierten einsamen Zeit alleine im Hotel in Hamburg wohl froh ist, dass er wieder einmal rauskommt, war gar nicht so oft zu Gast, wie man glauben sollte. Die Hitliste führt nämlich ein anderes Deutschpop-Urgeistein an: Peter Maffay ist mit 17 Auftritten ungeschlagener Sangeskönig, knapp gefolgt von Udo Jürgens (15) und Herbert Grönemeyer (14).

Traditionalisten dürfen sich nun streiten, ob beim Auftritt von Michelle Hunziker Nostalgie aufkommen soll. Immerhin ist die Co-Moderatorin bei Genre-Puristen nicht unumstritten, erinnert sie doch an die glücklose Lanz-Ära. Beim Jubiläum ist sie jedenfalls mit dabei.

Und selbstverständlich gibt es auch eine Baggerwette, die immer gerne angenommen wurden. "Baggerprofi Andi Stolz und Dachdeckermeisterin Niél Braun wissen, dass man für eine Baggerwette im richtigen Moment zuschnappen muss und beeindrucken dabei mit Geschick und exaktem Timing", gibt man sich beim ZDF ein wenig sphinxisch. Auch das eine gute Tradition, man will vor der Sendung nicht zu viel verraten. Durchgesickert ist, dass die TGW Zehnkampf-Union aus Linz mit dabei ist. Der oberösterreichische Leichtathletikverein steht bei der Außenwette in Nürnberg im Rampenlicht. "Wir treten mit einer Staffel an, unsere Herausforderer sind Feuerwehrmänner aus Hamburg. Sie haben sich die Wette einfallen lassen", so Läuferin Susi Walli. Die 25-jährige Olympiateilnehmerin gehört ebenso zum Linzer "Wetten, dass ..?"-Team wie Staatsmeisterin Julia Schwarzinger, Matthias Lasch, die Nummer 1 der U18-Weltrangliste im Zehnkampf, sowie Staatsmeister Moritz Hummer.

Als Wettpaten und -patinnen sind unter anderen die TV-Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf sowie Schauspieler Heino Ferch und dessen Kollegin Svenja Jung mit von der Partie.

Corona erzwang Verschiebung

Gottschalk hätte eigentlich schon im vergangenen November ein einmaliges Revival des einstigen TV-Quotenhits moderieren sollen. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Show auf diesen Herbst verschoben. Damit kommt sie gut 40 Jahre nach der ersten Ausgabe ins Fernsehen.

Nachdem die Corona-Zeit eingewisses Revival des Cocooning, sozusagen dem Einbunkern zu Hause vor dem Fernseher, mit sich gebracht hat, darf "Wetten, dass ..?" wohl mit einer exquisiten Quote rechnen. Nachdem das ZDF auch nicht so viele Hits hat, scheint es nicht ausgeschlossen, dass die Show nach dem Probeballon doch wieder die eine oder andere Spezialausgabe bekommt. Eine Ausrede für ein Jubiläum findet sich da schon. Zumal der frisch verheiratete 71-jährige Kult-Moderator Gottschalk auch nicht jeden Tag ein lohnendes Engagement hat und sein Radio-Vertrag beim SWR soeben ausgelaufen ist.

Die Sendung mit modernen Veränderungen aufzumotzen oder "in die Gegenwart zu holen", wie man im Fernsehen Verschlimmbesserungen gerne rechtfertigt, erteilt Gottschalk jedenfalls eine Absage: "Neue Elemente will bei ,Wetten, dass ..?‘ kein Mensch. Genauso wenig wie der Stephansdom einen modernen Anbau braucht", betonte Gottschalk in einem Interview.

Das wäre ja wie wenn ABBA gar nicht selbst auftreten, sondern holografische Avatare vorschicken. Obwohl, Moment ..!