In den vergangenen Tagen fanden gleich zwei Jubiläen in der Computerspielbranche statt. Zum einen wurde Sonys Playstation 5 ein Jahr alt, zum anderen feierte Microsoft 20 Jahre seiner Spielekonsole Xbox. Die Zeit verfliegt, kann man hier nur sagen. Und dennoch oder gerade aufgrund der Feierstimmung muss man auch festhalten: So schlecht, wie sich die Spieleindustrie gerade präsentiert, so schlimm war es schon lange Zeit nicht mehr. Und das trotz lockdownbedingter riesiger Nachfrage nach neuen Konsolen und Spielen.

Erziehungsberechtigte und Schenkende, die ein ruhiges Weihnachtsfest erleben wollen, sollten Wünschen nach einer Playstation 5 oder einer Xbox Series X sofort eine klare Absage erteilen. Und auch wenn der Handel gerade am "Black Friday"-Wochenende mit Rabattschlachten ködert - Achtung, immer einen Preisvergleich machen, aktuelle Spielkonsolen werden sich wohl kaum finden. In diesem Jahr scheinen Einhörner oder auch Ponys unter dem Weihnachtsbaum weitaus realistischer und weniger nervenaufreibend als die Spielkonsolen anzuschaffen zu sein. Abseits von völlig überteuerten Angeboten auf diversen Plattformen heißt es nämlich auch im (Online-)
Handel, Nerven zu bewahren und zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Nur dann gelingt es vielleicht, eine Konsole zum Normalpreis zu ergattern. Irgendwann taucht irgendwo, vielleicht irgendwie, ein Kontingent an Konsolen auf, die umgehend ausverkauft sind oder ohnehin dann nicht ausgeliefert werden können. Und somit heißt es wohl, die Nachlieferungsengpässe und die Chip-Krise durchzustehen und abzuwarten. Das Konsolengeschäft für diese Weihnachten ist wohl so gut wie gestorben und selbst für das kommende Jahr sehen die Prognosen nicht rosig aus. Da hilft es auch nichts, dass die Hersteller ihre Konsolen nun nach Europa einfliegen lassen, anstatt auf dem Seeweg zu versenden.

Aber keine Sorge, keine Panik und keine grauen Haare wachsen lassen, es braucht die aktuellen Spielkonsolen ohnehin nicht. Die Spieleauswahl, die sich rein auf diese Plattformen beschränkt, ist nicht erwähnenswert. Microsoft schafft ohnehin mit seinem Spiele-Abo Abhilfe und Sony hat ja immer noch seine Playstation 4 im Rennen. Und die Handvoll Titel, die exklusiv sind, werden jeden Tag billiger.

Von Sexismus und Wegschauen

Womit wir schon beim Thema Software und Entwicklerstudios wären. Auch hier stolpert die Branche von einer Krise in die nächste und springt mit Anlauf in jedes verfügbare Fettnäpfchen. Die Palette reicht dabei von widerlichen Themen wie Sexismus und Rassismus bei Publishern, über wahnsinnigen Arbeitsdruck und Zeitlimits, die nicht zu halten sind und ihrerseits wiederum für unfertige Beta-Versionen zu horrenden Preisen im Handel sorgen, bis hin zu den Gelddruckmaschinen im virtuellen Raum, die den Zockern das Geld aus der Tasche ziehen.

Natürlich ist das Thema Sexismus in der Spielewelt wahrlich kein neues, aber dafür immer noch ein ungelöstes. Während immer mehr Spielerinnen die Welt der Games für sich entdecken, ist die Zahl von Entwicklerinnen oder weiblichen Führungskräften in der Branche immer noch jämmerlich gering und die Bezahlung dafür umso schlechter im Vergleich zu männlichen Kollegen. Somit ist es auch wenig verwunderlich, dass sowohl in den Spielen selbst als auch bei den Entwicklerstudios Sexismus immer wieder Thema ist und immer noch nicht ernst genommen wird. Im Zentrum der aktuellsten Diskussion, und dies nun schon geraume Zeit, ist Activision Blizzard mit seinem Chef Bobb Kotick. Dieser klammert sich mit aller Kraft an seinen Sessel und das trotz Vorwürfen von Missbrauch, Sexismus, Diskriminierung auf Basis von Geschlecht und Hautfarbe und Mobbing am Arbeitsplatz.

Mittlerweile soll Kotick über einen Rücktritt nachdenken - kein Wunder, nimmt der Druck auf seine Person täglich weiter zu, Nintendo, Microsoft und Sony haben sich in Statements zu Wort gemeldet und fordern Koticks Rücktritt. Doch wie so oft im Leben, auch hier gilt, man kehre auf vor seiner eigenen Türe. Denn kaum hatte PlayStation-Chef Jim Ryan in einer E-Mail an Mitarbeiter erklärt, dass man die Vorgänge bei Activision Blizzard verurteile, kam es nun zu einer Klage gegen PlayStation, in der es um geschlechtsspezifische Diskriminierung und unrechtmäßige Kündigung geht. In der Klage heißt es, dass "Sony ein Arbeitsumfeld toleriert und kultiviert, das weibliche Angestellte diskriminiert", und behauptet, dass Frauen Beförderungen verweigert und männlichen Arbeitnehmern, die ähnliche Positionen innehaben, nicht gleich bezahlt wurden.

Wer vor all diesen Themen am liebsten seinen Kopf in einem Spiel hinter dem Bildschirm verstecken will, der erlebt gleich den nächsten Schlag in die Magengrube. Unfertige, schlechte Spiele, die in den Handel kommen und einfach nicht erscheinen hätten dürfen. Druck hin oder her. Das Spiel, das exemplarisch erwähnt werden muss, ist "Cyberpunk 2077". Unspielbar, als es in den Handel kam, dann mit Updates zum Laufen gebracht und nun wird es um wenig Geld verschleudert. Doch auch dieser Titel findet sich zur Wahl der Spiele des Jahres. Es scheint also egal, welche Probleme es gibt, die Branche macht munter weiter. Aber auch das neue "Battlefield 2042" darf sich über schlechte Kritiken "freuen". Auch hier finden sich zahlreiche Fehler im Spiel. Bis Mitte Dezember sollen Updates die gröbsten Schnitzer beheben, so der Hersteller. Aufgrund der Krise in der Hardwarebranche, zumindest ist dies der offiziell angegebene Grund, verschieben Publisher langersehnte Titel gleich um mehrere Monate oder sogar Jahre. Blizzard kündigte an, dass "Overwatch 2" und "Diablo 4" frühestens 2023 in den Handel kommen würden. Und dabei kann man noch froh sein, denn es geht noch weitaus schlimmer.

400 Millionen Dollar für nichts

Vor fast zehn Jahren startete eine Crowdfunding-Kampagne zum Weltraum-Spiel "Star Citizen" - bis November 2021 sind 400 Millionen US-Dollar zusammengekommen, doch das Spiel ist immer noch nicht veröffentlicht. Laut der Entwicklungs-Website haben bis zum November 2021 mehr als 3,3 Millionen Menschen die Kampagne unterstützt und sie warten und warten und warten. Wer nicht warten will, der ist im Übrigen dazu angehalten, in kostenlosen Spielen sogenannte In-Game-Käufe zu tätigen - womit wir beim nächsten Sündenfall der Spielebranche sind. Anschaffungen gegen Geld, meist aber nett verpackt in eigener digitalen Spielewährung, damit auch dem verantwortungsvollsten Kind nicht auffällt, wie viel Geld man digital verschleudern kann, um sich Vorteile, Extras und allerlei Krimskrams in Spielen erkaufen. Nicht selten verschlingen solche Spiele, meist am Handy, hunderte Euro. Immerhin zerstreiten sich mittlerweile die Anbieter schon untereinander, wer, was und wann kaufen darf. Man darf also durchaus gespannt sein und hoffen, dass 2022 ein besseres Jahr wird. Noch scheint es aber nicht so.