Auf den ersten Blick mag es sich seltsam anhören, doch es ist tatsächlich eine wesentliche Änderung in der Welt der Musikstreamingplattformen: Spotify änderte, nachdem sich die britische Musikerin Adele darüber beschwerte, seine Einstellungen.

Ab sofort wird die Zufallswiedergabe, das sogenannte "Shufflen", als Standardoption für Musikalben entfernt. Somit bekommen Hörer wieder das Album von Anfang an präsentiert und hören es so, wie es die Künstler oder Produzenten ursprünglich im Sinn hatten. "Wir machen unsere Alben nicht ohne Grund mit so viel Sorgfalt und Gedanken über die Reihenfolge der Songs", schrieb die britische Künstlerin auf Twitter und bedankte sich bei dem Unternehmen mit Hauptsitz in Schweden.

Streaming legt deutlich zu

Streamingplattformen, also Anbieter, die Musik und Videos über das Internet verfügbar machen, haben im letzten Jahr einen massiven Zuwachs erlebt und bestimmen seit geraumer Zeit das Hörverhalten der Kunden, aber auch den Umgang mit Künstlern. Das Hören von Songs in zufälliger Reihenfolge mag zwar manchen Hörer erfreuen, sorgt aber bei Musikern regelmäßig für Unmut. "Unsere Kunst erzählt eine Geschichte und unsere Geschichten sollten so gehört werden, wie wir es beabsichtigt haben. Danke Spotify fürs Zuhören", schrieb Adele. "Wie Adele bereits erwähnte, freuen wir uns, dass wir mit der Einführung einer neuen Premium-Funktion begonnen haben, die sowohl von Nutzern als auch von Künstlern seit langem gefordert wurde", erklärte ein Sprecher von Spotify. Von nun an sei die "Play"-Funktion die Standardoption für alle Alben. Fans der "Shuffle"-Funktion können aber aufatmen: Die Wiedergabeoption verschwindet nicht, sondern ist nur nicht mehr als Standard bei Spotify hinterlegt.

Doch es gibt noch weitere Neuerungen und Pläne. So lassen sich bereits jetzt Liedtexte in Spotify anzeigen und in Zukunft sollen auch kurze Videoclips zu den jeweiligen Liedern integriert werden. Ganz im Stil der bekannten Plattform TikTok sollen Hörer auch zu Sehern gemacht werden und Lust auf aktuelle Musikvideos bekommen. Auch die Anzeige der Texte war seit geraumer Zeit ein Wunsch der Anwender.

Im heiß umkämpften Markt begeben sich einige Anbieter nun auch wieder auf Einkaufstour. Spotifiy kaufte den in den USA ansässigen Hörbuch-Anbieter Findaway. Details der Transaktion, die im vierten Quartal abgeschlossen werden soll, wurden zunächst nicht bekannt. Der globale Markt für Audiobücher wird einer Studie zufolge im Jahr 2026 etwa 9,3 Milliarden Dollar (8,05 Milliarden Euro) schwer sein nach vier Milliarden Dollar im vergangenen Jahr.

Weitere Neuerungen

Auch bei den Musikdiensten Tidal und Deezer gibt es Neuigkeiten. Deezer will Amazon Music und Apple Music folgen und Musik bald auch in besserer Qualität verfügbar machen. Audiophile Hörer beschweren sich stets, dass Musik durch den Einsatz von MP3 komprimiert und damit beschnitten wird, was den Hörgenuss schmälert. Auch die oftmals verkürzten Pausen zwischen den Liedern werden kritisiert, auch diese Entwicklung könnte beim Abspielen kompletter Alben in höherer Qualität in Zukunft wegfallen.

Man darf nicht vergessen, dass immer mehr Künstler speziell für die Streaminganbieter produzieren: Dies bedeutet unter anderem kürzere Lieder und schnellere Abfolgen des Refrains. Die Plattformen zeigen Künstlern schonungslos auf, wann die Hörer aus ihren Alben oder sogar Liedern aussteigen. Aber das ist eine andere Geschichte. Zurück zu Deezer. Der Dienst wird in Zukunft auch auf Smart-TVs von Samsung vorinstalliert sein.

Tidal wiederum kündigte an, ab dem kommenden Jahr ein neues Abrechnungsmodell einführen zu wollen, bei dem die Künstler im Mittelpunkt stünden. So sollen die Interpreten nicht mehr aus den Gesamteinnahmen einen prozentuellen Anteil bekommen, sondern die Tantiemen werden direkt weitergegeben. Es wäre damit möglich, dass Hörer Künstler direkt unterstützen können. Aus Musikkreisen heißt es schon länger, dass man sich ein solches Abrechnungsmodell wünsche. Erstmals wird es auch eine kostenlose Version von Tidal geben, so das Unternehmen.

Durch den boomenden Markt bei den Hörbüchern dürfte sich auch hier ein neues Abrechnungsmodell etablieren. Erst seit einiger Zeit ist etwa der Zugriff auf die "Die drei ???" über Spotify wieder möglich, nachdem er einige Zeit ausgesetzt war. Der Grund hierfür lag dran, dass man die Anrechnungsmodelle von Liedern nicht adäquat für Hörspiele umgesetzt sah. Es wird also weitere Innovationen geben und 2022 zu einigen Veränderungen am Markt kommen.