Alle, die ein bisschen von der allgegenwärtigen US-Weihnachtskultur beeinflusst sind, haben eine gewisse Vorstellung von Weihnachtselfen. Putzig, friedvoll meist mit grünem Outfit und spitzen Öhrchen leisten die kleinen Helferleins dem Weihnachtsmann auf dem Nordpol unverzichtbare Dienste, wenn es um das Vorbereiten des Weihnachtseinsatzes geht. So haben es uns schließlich gefühlte 18 "Santa Clause"-Filme gelehrt.

Damit räumt Netflix diese Weihnachten gründlich auf. Denn sie mögen zwar klein sein und den einen oder anderen Grünton haben. Aber sie haben nichts Gutes im Sinne, wie eine typische dänische Familie am eignen Leib feststellen muss. Vor allem nicht, wenn man eines der Wesen mit dem Auto anfährt.

Aber schön der Reihe nach: In der Hoffnung, sich über die Feiertage wieder aneinander anzunähern, reist in dieser dänischen Netflix-Produktion ("Elfen", ab Sonntag) eine vierköpfige Familie auf ein entlegenes Eiland im dänischen Inselmeer. Dort müssen sie jedoch feststellen, dass sich diese in der Hand von Mitgliedern einer streng religiösen Gemeinschaft befindet, die angeblich in Einklang mit böswilligen Kreaturen im Wald leben. Nur wieso haben sie dann eine Art Hochsicherheitsgefängnis mitten in den Wald gebaut?

Die Kreatur, die der Vater irrtümlich angefahren hat, entpuppt sich als eine Elfe, bekannt aus der dänischen volkstümlichen Sagenwelt. Als Sonja ein kleines, verletztes Elfenbaby findet und mitnimmt, sorgt sie versehentlich für Aufruhr auf der Insel. Als sie dann auch noch dafür sorgt, dass die Elfen aus ihrem Gefängnis entkommen können, explodiert ein erbitterter Kampf um Glaube, Familie - und um Leben und Tod.

"Elfen" bedient sich im Look and Feel bei Genre-Klassikern wie "Blair Witch Project" oder den "Gremlins", auch einem echten Weihnachtsklassiker. Nachdem die Netflix-Serie "Carnival Row" die Feen für das Fantasy-Serien-Genre aufbereitet hat, sind die Elfen nun der nächste, logische Schritt. Bei der von Elise H. Lund für Miso Film produzierten sechsteiligen Serie nach der Idee und dem Drehbuch von Stefan Jaworski führte Roni Ezra Regie. Zur Besetzung gehören unter anderem eine grandios gutherzig-naive Sonja Steen als Josefine.

Wo die Zündkerzen schimmern

So viel zum dänischen Weihnachtshorror. Wer das Fest der Liebe besser als Fest der Hiebe dargestellt wissen will, wird bei der neuen Disney-Marvel-Miniserie "Hawkeye" (seit Mittwoch auf Disney+) genretypisch-explosiv bedient. Es geht um Clint Barton, der Marvel-Superheld, besser bekannt als Hawkeye. Er will Weihnachten mit der Familie verbringen. Doch dann kommt etwas dazwischen. Schießereien. Verfolgungsjagden, gutes, solides Special-Ops-Getue. Denn der Superheld bekommt es in New York mit einer ganzen Reihe von Gangstern zu tun, die auf sein Alter Ego nicht gut zu sprechen sind.

Verbotenes Weihnachtsfeeling

Eine wesentliche Rolle spielt dabei die junge Bogenschützin Kate Bishop, ein großer Fan von Hawkeye, mit der dieser schließlich wohl oder übel zusammenarbeiten muss. Jeremy Renner übernimmt für diese Miniserie erneut die Rolle des Meisterschützen und darf sein komödiantisches Talent beweisen.

Die durchsetzungsstarke Marvel-Heldin Kate Bishop wird von Hailee Steinfeld gespielt, aufmerksamen Streaming-Fans wohl bestens bekannt aus der Apple-Dramedy-Serie "Dickinson", wo sie die aufsässige junge Dichterin gibt.

Wer Weihnachten gar statt mit Liebe mit Streit assoziiert, wird bei der neuen Apple-Doku-Serie "Twas - The Fight Before Christmas" gut bedient. Denn nicht jeder steht auf Weihnachten. Manche dafür etwas zu sehr. "Twas" erzählt vom weihnachtsliebenden Anwalt Jeremy Morris, der angeblich nur seine Mitmenschen in Feststimmung versetzen wollte. Allerdings war das der Wohnungseigentümergemeinschaft ein Dorn im Auge. Sie verbot ihm kurzerhand den Kitsch. Was folgt, ist ein reichlich absurder, aber mit vollem, amerikanischem Einsatz geführter Rechtsstreit, den Becky Read eingefangen hat. Wo endet die Dekorationsfreiheit und wo beginnt das gute Recht, ein echter Grinch zu sein?