Es ist eine Frage, die ihm sichtlich zusetzt. Bushido fährt sich nachdenklich durch den Bart, streicht über sein Haar, reibt sich die Augen. Und blickt an die Decke. "Bist Du stolz auf das, was war?", fragt der Filmemacher aus dem Off. Bushido, mit bürgerlichem Namen Anis Mohamed Ferchichi, und einer der bekanntesten und wohl auch umstrittensten Musiker Deutschlands, ringt um die Worte. Ein einfaches "Ja" oder "Nein" entkommt ihm nicht. Ist er stolz auf seine Musik, sein Talent, sein Gespür für das, was die Fans wollen? Seine Kunst, wenn man so will? "Ja natürlich." Darauf ist er stolz. Aber auf den Preis, den seine Familie bezahlt hat, auf die Geschichte mit dem Umgang mit seinen Geschäftspartnern, die Gewalt, die Vergangenheit mit den Drogen? Da kann der nachdenkliche Alpha-Mann keinen Stolz erkennen.

Bushido ist beides: für manche eine Legende des deutschen Hip-Hop. Und für mache ein No-Go, nicht zuletzt wegen seiner expliziten Texte. Der deutsche Rapper hat nicht nur mit Charterfolgen und ausverkauften Konzerten von sich reden gemacht, sondern auch mit seiner Nähe zu Berliner Clans, die nicht einmal er selbst bestreitet. Seit er in einem Prozess gegen einen Berliner Clanchef, mit dem er zuvor befreundet war, aussagte, leben er und seine Familie unter Polizeischutz. In der Dokuserie "Unzensiert" gibt er erstmals Einblicke in sein Leben als Musiker, aber ins Private: Anis "Bushido" Ferchichi, der mit seiner Frau und seinen Kindern in einem Berliner Nobelviertel residiert. Dinge, die man üblicherweise in Raptexten für massiv überzogen hält, bekommen hier einen realen Anstrich.

Es sind durchaus intime Einblicke, die Bushido in der Amazon-Doku zeigt. Man sieht ihn als liebevollen Vater seiner Kinder, als Ehemann und Künstler. Nur selten kommen ihm die Tränen, etwa wenn er einen Brief liest, den er als 15-Jähriger seinem Vater, einem tunesischen Diplomaten, geschrieben hat, der die Familie verließ, als Anis nur vier Jahre alt war.

Alles für die Familie

Seine Familie, sagt er, ist das Einzige, das für ihn zählt, während ihm etwa seine Auszeichnungen egal sind: "Meine musikalischen Erfolge haben mich nie glücklich gemacht." 30 Goldene Schallplatten waren es, die er sich bisher erspielt hat. Er hat nicht eine davon aufgehängt in seinem Heim, das wie aus dem Katalog eines exklusiven Einrichtungshauses aussieht. "Das alles bedeutet mir nichts, weil mein Leben einfach beschissen gewesen ist", sagt er resignierend.

Was da bis zu welchem Grad wahr ist, ist wie immer in solchen Filmen schwer zu sagen, kommt doch alles aus seiner sehr persönlichen Sicht. Von den Anfängen beim Label Aggro Berlin, bei dem er sich etwa hinter Kollegen wie Sido zurückgesetzt gefühlt hat. Von der gewaltsamen Beendigung seines Vertrages dort und seinem Abgleiten ins Berliner Clan-Geschehen bis hin zum Kennenlernen seiner heutigen Frau erzählt er nüchtern und sachlich. Alles nachvollziehbar. Aber wahr? Ein Fall für die Gerichte jedenfalls, wie im Film gezeigt wird.

"Monate voller Angst"

Privat läuft es für den Rapper gut, hat er doch kürzlich ein Familienfoto mit Ehefrau Anna-Maria Ferchichi (40) und ihren neugeborenen Drillingen geteilt. "Vor 13 Tagen seid ihr drei kleinen Menschen auf die Welt gekommen", schrieb er. Auf dem Bild sitzt das Paar auf einem Sofa. "Hinter uns liegen Monate voller Angst und Sorgen um euch. Vor uns liegen hoffentlich viele Jahre voller Glück und Gesundheit mit euch."