Der ORF-Stiftungsrat hat sich am Donnerstag zu einer letzten Online-Sitzung unter ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz eingefunden. Dabei zog der ORF-Chef Bilanz und legte den Räten ein Personalpaket vor, das einstimmig angenommen wurde. Die 35 Mitglieder des obersten ORF-Gremiums dankten Wrabetz für seine Tätigkeit und beschlossen Kulturwandel, Frauenförderung und Diversität künftig strategisch begleiten zu wollen. Ein Bericht zur "Licht ins Dunkel"-Gala wurde angefordert.

Im Vordergrund stand die Verabschiedung von Wrabetz und dessen Übergabe mit Jahresende an Roland Weißmann. Dabei dankten ihm die Stiftungsräte über sämtliche "Freundeskreise" hinweg für seine fünfzehnjährige Tätigkeit als Generaldirektor im Interesse des ORF. Heinz Lederer, Leiter des SPÖ-"Freundeskreises", lobte ihn etwa dafür, eine "massive Verbreiterung der wirtschaftlichen Sicherheit" hergestellt zu haben, wie er der APA sagte. Auch strich er das Humanitarian Broadcasting und die diversen "Licht ins Dunkel"-Aktionen hervor, mit der er von "einem Spendenrekord zum nächsten geeilt" sei.

Personalpaket einstimmig angenommen

Lothar Lockl, der für die den Grünen nahestehenden Stiftungsräte spricht, betonte Wrabetz' "Herzblut für Medien und Journalismus", dessen "Stressresistenz und Gelassenheit" trotz des Umstands, dass der ORF eines der meistbeobachteten Unternehmen Österreichs sei. Georg Watschinger, aus dem FPÖ-"Freundeskreis", meinte, Wrabetz habe harte Arbeit geleistet. "Bei aller inhaltlicher Kritik ist ihm zu danken." Wrabetz wurde einstimmig die Entlastung für das Geschäftsjahr 2020 erteilt.

Einstimmig wurde auch ein Personalpaket vom Stiftungsrat abgesegnet. Kathrin Zierhut-Kunz wurde zur neuen kaufmännischen Geschäftsführerin von ORF III bestellt und folgt damit auf Eva Schindlauer, die ORF-Finanzdirektorin wird. Zierhut war einst FPÖ-Bezirksrätin und ist seit 13 Jahren im ORF-Konzern tätig. Zuletzt agierte sie als Leiterin der Hauptabteilung "Strategische Planung und Administration" für den Personalbereich und Human Resources des ORF. "Seit der Gründung vor zehn Jahren hat sich ORF III zu einem unverzichtbaren Teil und einem großartigen Aushängeschild des ORF entwickelt. Mit großer Freude werde ich meinen Beitrag zum weiteren Erfolg und zur Weiterentwicklung des Senders leisten und ihn gemeinsam mit dem Programmgeschäftsführer auf weiterhin wirtschaftlich stabilen Beinen ins zweite Jahrzehnt seines Bestehens führen", so Zierhut.

Wie erwartet wurde Alexander Hirschbeck als GIS-Co-Geschäftsführer mit Anfang nächsten Jahres bestellt. Er löst damit Harald Kräuter ab, der künftig als ORF-Technikdirektor arbeitet. Hirschbeck arbeitet seit 21 Jahren für die GIS und absolvierte in dieser Zeit zwei betriebswirtschaftliche Studiengänge. Zuletzt leitete er als Teil des Managementteams den externen Kundendienst der GIS. Zweiter GIS-Geschäftsführer bleibt Christian Kerschbaumsteiner, der sich um die kaufmännischen Belange der ORF-Gebührentochter kümmert.

Aufsichtsratsmitglieder bestellt

Weiters wurden in der Plenarsitzung neue Aufsichtsratsmitglieder in Tochtergesellschaften des ORF sowie Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder in der APA - Austria Presse Agentur bestellt. So wird Weißmann etwa neuer Vorsitzender der ORF-Enterprise GmbH und Aufsichtsratsvorsitzender der APA. Die designierte ORF-Radiodirektorin Ingrid Thurnher und ORF-Kommunikationschef Martin Biedermann werden Mitglieder des APA-Vorstands. Der designierte ORF-Technikdirektor Harald Kräuter wird neuer Aufsichtsratsvorsitzender der ORF Online und Teletext GmbH.

Mit den erfolgten Bestellungen erhöht sich der Anteil an Frauen unter den Aufsichtsratsvorsitzenden auf 29 Prozent (bisher gab es keine), der Anteil an Frauen unter den Aufsichtsratsmitgliedern insgesamt erhöht sich auf 81 Prozent (bisher 69 Prozent).

Mehr Attraktivität für junge Menschen

Auf Stiftungsratsebene wurde festgehalten, dass die Themen Kulturwandel, Frauenförderung und Diversität künftig auf strategischer Ebene begleitet werden sollen. Wie genau soll im März beschlossen werden, sagte Thomas Zach, Leiter des bürgerlichen "Freundeskreises" der APA. Lockl meinte dazu, dass alles dafür getan werden muss, den ORF für junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiver zu machen. Sei es mittels überarbeiteter Jobbilder oder Ausbildungssystemen. Lederer kündigte an, im Jänner oder Februar die Überlegungen seines "Freundeskreises" zur strategischen Ausrichtung des ORF und dessen Arbeitsbedingungen kundzutun.

Auch die angesichts der Lockdown-Bestimmungen kritisierte "Licht ins Dunkel"-Gala wurde in der Sitzung thematisiert. Vor allem FPÖ-nahen Stiftungsräten war die Aufarbeitung der Geschehnisse ein Anliegen. Watschinger stieß sich primär am "Austausch oder Umtrunk" von hochrangigen Politikern und Prominenten im Anschluss an den offiziellen Teil der Spendengala. "Es ist ein Bild entstanden, das der Sache nicht würdig ist", so der Stiftungsrat. Ein Bericht zu den Geschehnissen wurde angefordert.

Spendengala verteidigt

Wrabetz verteidigte die Spendengala und wies auf deren Relevanz für bedürftige Menschen hin. Vereinbart wurde, sich die Vorbereitung auf die Gala und den Ablauf nochmals anzuschauen und zu klären, ob künftig Verbesserungsbedarf besteht.

Die ORF-Jahressendeschemata für Fernsehen, Hörfunk, die Spartenkanäle ORF III Kultur und Information sowie ORF Sport + und das Jahresangebotsschema Online 2020 und die Anteile in den Volksgruppensprachen wurden einstimmig von den Stiftungsräten genehmigt. Der bereits im Publikumsrat präsentierte und dort kritisch aufgefasste "ORF barrierefrei - Aktionsplan 2021 - 2024" wurde im Stiftungsrat wohlwollend gesehen und ebenfalls einstimmig beschlossen. "Das Thema Barrierefreiheit ist für ein öffentlich-rechtliches Unternehmen natürlich wichtig", hielt Zach dazu fest.

Abschluss mit Augenmaß

Der Stiftungsrat genehmigte auch den Gehaltsverhandlungsabschluss der Geschäftsführung mit dem Zentralbetriebsrat. Einen "Abschluss mit Augenmaß" sah Lockl als auch Lederer gegeben.

Nur am Rande beschäftigte den Stiftungsrat diesmal die lang herbeigesehnte ORF-Digitalnovelle. Die Verhandlungen dazu dürften zäh sein, wie die APA vernahm. Ein im September im Ministerrat beschlossener Zeitplan für die ORF-Digitalnovelle sah vor, bis Jahresende eine Punktation vorzulegen und im Lauf des nächsten Jahres die Novelle zu beschließen. Aus dem Bundeskanzleramt hieß es nun gegenüber der APA in Bezug auf die Punktation: "Derzeit fordert das Management der Corona-Pandemie die gesamten Ressourcen der österreichischen Bundesregierung. Der gemeinsame Zeitplan bleibt aufrecht, aber in so unsicheren Zeiten wie diesen kann es natürlich auch sein, dass es erst im ersten Quartal des nächsten Jahres so weit sein wird." (apa)