Wir befinden uns in New York. Vier Frauen über 30: Erfolgreich im Job, geachtet und geschätzt im Freundeskreis und vor allem eines: Single. Sehr single. Denn die Revolution im Dating durch Tinder & Co. hat den Markt geöffnet. Viele wollen jetzt ihren ganz persönlichen Mr. Big, ganz egal ob sie eine realistische Chance auf ihn haben, oder nicht. Weil verdienen tun sie ihn doch alle, oder? Und das bedeutet für unsere vier Protagonistinnen vor allem eines: eine erschreckende Knappheit an vernünftigem, datebarem Material.

Klingt wie "Sex and the City?" Ist es auch, also zumindest fast. Denn wie der Name schon sagt, logieren unsere Mädels nicht im elitären Manhattan (vulgo "the City") sondern im trendigen "Harlem". Und da stellen sich mache verkehrstechnische Fragen, etwa: "Pendeln wir auswärts für Sex?" Eher nein, wie sich in der ersten Folge zeigen wird, als eine der Ladys in Long Island von einem vermeintlichen Anwalt ("diesmal in einer echten Firma - ich habe es gecheckt") abgezockt wird.

Und das ist das Kleeblatt of color, das in Harlem ein bisschen queeres SatC-Feeling verbreiten soll: Da wäre einmal Camille (Meagan Good), eine angehende Anthropologie-Professorin an der Columbia University. Ihre Vorlesung über Datingnormen verschiedener Kulturen gibt den Rahmen für den Einstieg in die Serie vor. Ihr eigenes Liebesleben sieht hingegen ein bisschen so aus wie die Ödnis im tibetischen Hochplateau. Sie hängt noch an ihrem Ex, den sie in den Wind geschossen hat (warum wird nicht ganz klar, aber man muss ja auch nicht alles wissen). Gut dass der Mann plötzlich zufällig wieder in ihrem Viertel auftaucht. Was wäre eine Protagonistin ohne zünftigen Love-Interest, bei dem man immer wieder in Tagträume von Sex mit dem Ex abschweifen kann - wegen der Erotik wär’s. Und gut, dass ihr einer ihrer Studenten den Hof macht, wie realistisch auch immer sein mag (ist dass dann "HeToo?")

Tye (bockig: Jerrie Johnson) hingegen ist eine erfolgreiche, queere Datingapp-Entwicklerin. Sie hat alle Fäden in der Hand und redet mit Männern grundsätzlich wie mit debilen Teenagern. Sie datet gerne blutjunge Influencerinnen, die ihr nicht gefährlich werden können. Klar, dass die Mädels das so nicht durchgehen lassen wollen. Und so beginnt für sie eine Reise jenseits ihrer Komfortzone.

Swipe rechts für Postromantik

Quinn (enervierend: Grace Byers) ist Modedesignerin, die versucht, ihr Label zu etablieren. Sie hasst Datingapps und wird dafür gleich einmal bei einem realen Date im Club bestohlen. Wie gut, dass es da noch ihre faule Mitbewohnerin Angie (divaesk: Shoniqua Shandai) gibt. Die hat es sich mietfrei auf Quinns Couch gemütlich gemacht und ignoriert deren Versuche, ihr Engagements zu organisieren. Dafür spendiert sie der Runde gerne Dating-Weisheiten wie "Wenn man einer weißen Frau einen schwarzen Mann ausspannt, dann ist das nicht Verrat, sondern Gerechtigkeit." Ihr Männergeschmack lässt sich kurz zusammenfassen: nur her damit.

Die Themen der Serie der Autorinnen Britt Matt und Tracy Oliver ("Girls Trip", "First Wives Club") sind Zeitgeist, Dating in der Tinder-Postromantik und das Leben an sich. Wobei Letzteres nur den Rahmen bietet für die dramaturgisch frappant an das Neunziger-Original erinnernden Plots. Mit dabei ist in einer Nebenrolle übrigens keine Geringere als Hollywood-Urgestein Whoopi Goldberg.

Keine Frage, der Mix hat Potenzial. Sofern man sich erzählerisch doch noch ein wenig vom Vorbild emanzipiert. Warum? Because it’s 2021.