Also: Carrie trägt jetzt Hütchen. Die Broschen sind noch da und natürlich auch die halsbrecherischen High Heels. Aber jetzt eben auch noch Hütchen. Beim Treffen mit den Freundinnen im oberschicken Anstell-Lokal, das die "Sex and the City"-Fortsetzung "And just like that" (auf Sky) eröffnet, trägt sie ein Bast-Schiffchen auf den Locken. Und jagt mit dem Handy einem anderen Hutträger mit ausladendem Kopfschmuck nach - für ihr Instagram. Ja, die 90er-Jahre-Clique Carrie (Sarah Jessica Parker), Miranda (Cythia Nixon) und Charlotte (Kristin Davis) sind in der Gegenwart angekommen. Und Carrie, früher die bestbezahlte Kolumnenschreiberin der Welt, hat nun einen Podcast. Das sagt eigentlich eh schon alles.

Im Stakkato geht es beim Brunch durch den neuen Stand der Dinge: Mirandas Sohn Brady ist schon 17 und sie steigt in der Früh auf seine gebrauchten Kondome. Charlotte ist nach wie vor im Wettbewerb der ambitionierten reichen New Yorker Mütter. Und sie findet, Miranda muss ja nicht absichtlich so alt aussehen, wie sie ist - Stichwort graue Haare. Das kommt aus dem verzerrten Mund eines Botox-Opfers; ob das bei Charlotte-Darstellerin Davis nur aus Gründen des Method Actings passiert ist, ist unklar, aber unwahrscheinlich. Das frühere Vierergespann ist nur mehr zu dritt: Samantha (Kim Catrall) fehlt. Ihre Abwesenheit ist aber Thema, in der ersten Folge wird sie als Freundin, der es nur an Carries Geld gelegen hat, abqualifiziert - eine gar nicht so subtile Rache an Catrall, die ja aus Gagengründen kein besonders gutes Verhältnis mehr zu der Crew hat.

Immer wieder wird auf die gute alte Pandemie zurückgeblickt, kuriose dramaturgische Entscheidung. Aber sie macht es möglich, dass sich Carrie im Lift Goldlamé-Handschuhe anziehen kann, das hat sie sich nämlich nicht abgewöhnt. Miranda hat ihren Anwaltsjob gekündigt, weil, naja irgendwas mit Menschenrechte, irgendwas mit Aktivismus. Deswegen geht sie wieder an die Uni, wo sie gleich beim ersten Seminar in jedes erdenkliche Woke-Fettnäpfchen tritt. Die Professorin (Karen Pittman) - eine von zwei neuen schwarzen Charakteren -, an der die Drehbuchautoren wohl zeigen wollen, wie schwer der respektvolle Umgang mit People of Color ist, ist seltsam übertrieben bitchig gezeichnet. Ach, es gibt natürlich auch einen non-binären Charakter (Sara Ramirez), an ihr/ihm darf Carrie scheitern. In ihrem Podcast wirft sie Zweifel über ihre Befähigung als Sexkolumnistin auf, weil ihr das Thema Masturbation nachgerade lächerlich peinlich ist.

Achtung, Spoiler

Aber das ist schon bald nur mehr eine Fußnote, denn für Carrie ändert sich alles: Ihr Mann Mr. Big überlebt eine Peloton-Sitzung mit der heißen virtuellen Trainerin nicht. Der Schicksalsschlag könnte ja nun zeigen, dass es im Leben Wichtigeres gibt als schöne Oberfläche und Manolo-Blahnik-Schuhe (ihr Hochzeitspaar ruiniert sie sich, als sie den Gatten in den Tod wiegt, statt die Rettung zu rufen). Die Verabschiedung in der White-Box-Galerie mit Vernissagen-Anmutung und gegeltem Cateringpersonal lässt vermuten, dass Carrie diese Message erstmal nicht kapiert hat.