Wien. Astronomen ist es gelungen, die detailliertesten und schärfsten Bilder der Region um das Schwarze Loch "Sagittarius A*" im Zentrum der Milchstraße aufzunehmen. Die Forscher, darunter der österreichische Astrophysiker Gernot Heißel, entdeckten dabei einen bisher unbekannten Stern im Zentrum unserer Galaxie und konnten durch Analyse der Sternbahnen in der Region die bisher genaueste Messung der Masse des Schwarzen Lochs vornehmen, berichten sie im Fachjournal "Astronomy & Astrophysics".

Reinhard Genzel, Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik hat 2020 für seine Forschung zu "Sagittarius A*" den Physik-Nobelpreis erhalten. Er teilte sich damals für den Nachweis der Existenz Schwarzer Löcher die Auszeichnung mit Roger Penrose und Andrea Ghez.

Um mehr über das dunkle Zentrum der Milchstraße zu erfahren, etwa wie massiv das Schwarze Loch dort genau ist, ob es sich dreht und ob sich die Sterne in seiner Umgebung genauso verhalten, wie man es aufgrund von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie erwartet, sei es am besten, "Sterne auf ihren Bahnen in der Nähe des supermassereichen Schwarzen Lochs zu verfolgen", so Genzel in einer Aussendung der Europäischen Südsternwarte (ESO).

Das Interferometer GRAVITY ist seit 2015 am VLTI installiert und seit 2016 in Betrieb. - © ESO / MPE
Das Interferometer GRAVITY ist seit 2015 am VLTI installiert und seit 2016 in Betrieb. - © ESO / MPE

Das Forscherteam um Genzel konnte nun mithilfe des "Very Large Telescope" (VLT) der ESO und dem Instrument "Gravity", das das Licht aller vier 8,2-Meter-Teleskope des VLT mittels Interferometrie kombiniert, diese Beobachtungen mit bisher unerreichter Genauigkeit durchführen und laut ESO 20-mal näher an die Region heranzoomen als bisher. "Wir sind verblüfft von der Detailfülle, der Bewegung und der Anzahl der Sterne, die sich um das Schwarze Loch herum zeigen", erklärte Julia Stadler vom Max-Planck-Institut für Astrophysik.