Er war schon ein Fernsehstar, da wussten die meisten Leute noch überhaupt nicht mit dem damals neuen Medium umzugehen. Wie kein Zweiter steht Heinz Conrads (1916-1986) für die TV-Unterhaltung dieser frühen Epoche des österreichischen Fernsehens. Angelehnt an seinen berühmten Gruß "Griaß eich die Madln, servas die Buam!" hat nun die Wienbibliothek im Rathaus eine Ausstellung rund um den als Heinrich Hansal geborenen ledigen Sohn einer Wiener Näherin gebastelt. Die Schau ist platzmäßig überschaubar, was auch den beengten Räumlichkeiten der Wienbibliothek geschuldet ist, dafür aber kostenfrei zu besuchen. Sofern man bereit ist, sich aufgrund der Corona-Regel vorher anzumelden.

Als der Medienstar 1986 starb, wurde sein Begräbnis zu einem Staatsakt. Tausende Wienerinnen und Wiener ließen es sich nicht nehmen, Conrads zu seiner letzten Ruhestätte zu begleiten. Mit dabei beim spanischen Zeremoniell: das Fernsehen, das seiner verstorbenen Legende einen letzten Gruß entbot. Mit vielen Fotos, Plakaten, persönlichen Dokumenten und Fanbriefen arbeitet sich die Ausstellung durch das Leben des Moderators. Wert legen die Konzeptverantwortlichen Thomas Mießgang und Suzie Wong darauf, dass man keine "hagiografische", sondern eine "psychoarchäologische" Schau habe machen wollen.

Denn Conrads, seinerzeit omnipräsent in Radio und TV, hatte auch eine andere Seite: Aufbrausend, ungeduldig und ungnädig mit seinen Mitspielern erlebt man ihn etwa auf YouTube-Clips, als er einen jungen Pianisten mit falschen Namen anspricht und ihn wütend wieder hinter den Vorhang schickt, nachdem ihn dieser auf seinen Fehler aufmerksam machte. Für eine immer wieder in den Raum gestellte Nähe Conrads’ zu den Nationalsozialisten habe man bei der Recherche übrigens keinerlei Hinweise oder gar Belege gefunden, betonen die Kuratoren. Die Liebe zu Fernsehen und Radio war freilich nicht seine erste Liebe gewesen, das wird schnell klar. Denn eigentlich wollte Conrads immer auf die Theaterbühne. Schon ab 1942 war er an diversen Wiener Häusern zu erleben, spielte im Volkstheater, in der Josefstadt oder sogar in einer Nebenrolle im "Jedermann" des Jahres 1952 in Salzburg. Ein gnadenloser Verriss des gefürchteten Theater-Kritikers Hans Weigel machte Ende der 50er seinen Ambitionen einen Strich durch die Rechnung. Die Ausstellungsmacher sprechen von einem "psychologischen und Karriere-Knick" im Theatermetier.

Da traf es sich gut, dass Conrads (immer stets auch Unternehmer) weitreichende Erfahrungen in der Moderation gesammelt hatte. Schon in den frühen 1940er-Jahren tingelte er von Modeschau zu Jazzkonzert, von Kinovorstellung zu Ballabend, um als Moderator gute Laune zu verbreiten. Nach dem Krieg spielte Conrads wiederholt im Simpl an der Seite von Fritz Muliar, Karl Farkas, Max Böhm oder Cissy Kraner. Er drehte Filme mit Franz Antel oder Ernst Marischka, oft in Nebenrollen.

Fixpunkt im Programm

Doch seinen Produktionen in Radio und TV für den ORF lockten Hunderttausende vor die Geräte. "Was gibt es Neues?" ab 1948 und "Was sieht man Neues" ab 1957 im Fernsehen, das 1967 als "Guten Abend am Samstag" wöchentlich zum Fixtermin wurde. Vor allem Letzteres wurde zum Selbstläufer mit einem alterslosen Conrads, stets im dunklen Anzug und mit korrekt gegeltem Scheitel, genauso glatt und widerstandsfrei wie seine Moderationen. Auch für die Kranken hatte er stets tröstende Worte parat sowie einen kleinen Schmäh für die jungen Zuschauer. Drei Dekaden überstand die Show bis zu seinem frühen Tod. Absetzungsversuche durch die ORF-Obrigkeit wurden stets durch Leserbrief-Aktionen erstickt. Die Macher der Ausstellung subsumieren seine Shows als "harmlos-humorige Wienerlied- und Habsburger-Seligkeit". Wer würde da widersprechen wollen?