Volksmusiksendungen im ORF haben aus Sicht des Bildungsbürgertums einen schalen Beigeschmack. Nach jahrzehntelanger Zwangsverdümmlichung, oft garniert mit zotigen Witzen, hatte es dank "Musikantenstadl" und Co. schon fast etwas Peinliches, sich zur traditionellen Volksmusik zu bekennen.
Doch da gab es noch Sepp Forcher, der mit seiner Sendung "Klingendes Österreich" den exakten Gegenpol zur Schunkelkultur brachte. Ruhig, bedächtig, eine Sendung fast wie eine Meditation, stets respektvoll im Umgang mit Land und Leuten. Der Sepp musste nicht mit dem Schunkel-Tross nach Dubai, eine kleine Hütte im Tennengau tat es genauso. Davor stand er dann und brachte seine stets wohlkomponierten Moderationen vor, oft mit Wiesen und Bergen oder einem tiefblauen See im Hintergrund. Man merkte, dass er sich hier wohlfühlt, dass es mit jeden Satz auch einen Blick in seine Seele preisgab. Ehrlich, aufrichtig und doch professionell.
Jahrzehntelang war "Klingendes Österreich" verlässlicher Begleiter: Nun ist Forcher am Sonntag, nur zwei Tage nach seinem 91. Geburtstag, gestorben. Erst im Frühjahr 2020 hatte er, kurz vor dem Einschlag von Corona, seine TV-Karriere beendet und die Staffel an seinen Nachfolger Hans Knauß übergeben.
Erst Ende November war Forchers Ehefrau Helene verstorben, mit der er 65 Jahre lang verheiratet war. Mit ihrem Tod schloss auch Forcher mit dem Leben ab. "Meine letzte Sehnsucht ist, dass Helli und ich nicht zu lange getrennt sein müssen. Und dass ich die Tage, die ich noch habe, genießen kann." Seine Frau überlebte Forcher nur um wenige Wochen.
Die Authentizität seiner Sendungen liegt auch in der Vita des gebürtigen Römers begründet. Forcher, der am 17. Dezember 1930 als Giuseppe Forcher in der italienischen Hauptstadt zur Welt kam und in Sexten (Südtirol) aufgewachsen ist, hat schon in seiner Kindheit die Eltern bei der Arbeit in den Bergen unterstützt. Seit 1940 lebte die Familie in Salzburg, wo man im Tennengebirge eine Hütte bewirtschaftete. Der familiären Leidenschaft folgend, übernahm Forcher schließlich mit Mitte 20 die Pacht einer Schutzhütte in Großarl. Zu dieser Zeit heiratete er auch seine Frau Helene, die ihn stets tatkräftig unterstützte und auch in der späteren Karriere ihres Mannes eine wichtige Begleiterin wurde. Zuvor folgten aber weitere Hütten am Untersberg und am Dachstein, denen sich Forcher widmete, bevor er Anfang der 70er den Platzlkeller in Salzburg übernahm.
Den Bergen blieb er auch in der Folge verbunden, als er als Bergsteiger und Mineraliensucher tätig war. Seine Arbeit für den ORF begann er mit Radiosendungen wie "Ins Land einischaun" oder "Mit’m Sepp ins Wochenende". Der große Durchbruch folgte schließlich mit dem Format "Klingendes Österreich", das 1986 erstmals auf Sendung ging. 200 Folgen lang hat Forcher den Zuschauern die Natur und Volkskultur des Landes nähergebracht, die Sendung lebte von der Abwechslung von musikalischen Darbietungen lokaler Gruppen und den prächtigen Naturaufnahmen des Landes.

Er ging, wann er wollte


Dass er von sich selber aufhöre, sei "ganz unösterreichisch", wurde Forcher aus Anlass seiner späten Pensionierung mit fast 90 Jahren vom ORF zitiert. "Ich brauche mir von niemanden sagen lassen: ‚Sepp lass bleiben, es ist genug.‘ Der Sepp sagt sich das selber. Und zwar nicht im Sinne eines Bedauerns, sondern voller Freude, dass es mir eben gelungen ist, 200 Mal das zusammenzubringen."
Insgesamt waren bei "Klingendes Österreich" rund 2.000 Volkslied- und Volksmusikgruppen zu erleben, die Forcher bei seinen Wanderungen durch Österreich, Bayern und Südtirol vor entsprechender Kulisse zum musikalischen Austausch traf. Für seine langjährige Tätigkeit wurde er auch ausgezeichnet: 1999 erhielt er den Rene-Marcic-Preis, der vom Land Salzburg für publizistische Leistungen vergeben wird. Er schrieb Bücher, zuletzt "Das Salz in der Suppe – Vom großen Wert der kleinen Dinge" (2018).
Naturgemäß war auch das Österreich, das Forcher zeigte, eine Inszenierung, eine Fassade, hinter der sich dieses Land gerne versteckt. Aber Forcher passte stets auf, dass sich diese Maske nicht zur Karikatur verzerrte. Dafür kann man ihm durchaus dankbar sein.