Temuera Morrison ist neben Ewan McGregor einer der großen Gewinner der "Star Wars"-Prequels (1999 bis 2005). Sein kurzer Auftritt in "Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger" als Jango Fett, Kopfgeldjäger und "Vater" seines genetischen Klons Boba Fett, wäre eigentlich nur das geblieben: eine Nebenrolle in einem der großen Kinoknaller 2002. Doch wie so oft bei allem, was Boba Fett betrifft, bleibt es nicht bei einem kleinen Auftritt.

Erst kam die Synchronisation zahlreicher Videospiele, dann sein erster Live-Action-Auftritt als Boba Fett in der Serie "The Mandalorian". Nun der eigene Ableger: "The Book of Boba Fett" startet am 29. Dezember 2021 auf Disney+. Und abermals geht es um nichts anderes, als endlich seinem "bad ass"-Status gerecht zu werden. Denn Boba Fett ist die zufällige Kulturfigur der "Star Wars"-Filme.

Herausgestochen ist der bunte Verschnitt eines Stormtroopers, in der Original-Trilogie noch dargestellt von Jeremy Bulloch, ja schon immer. Die grüne zerkratzte Brustplatte, der rot gestreifte Helm, das riesige Jetpack, die furchteinflößende Pistole, der unpraktische Umhang, die klingenden Sporen. Irgendwo zwischen Mittelalter-Fantasy, Science-Fiction und Western.

Der ursprüngliche Plan, Boba Fetts Design für eine Armee von "Super Troopers" zu verwenden, scheiterte am Geld. Es wurde nur ein einzelner Kopfgeldjäger daraus. Doch die positive Reaktion der Fans zeigte, dass hier ein Nerv getroffen worden war. "Ich denke, was Boba Fett wirklich populär machte, war, dass er ein Mysterium ist", erklärte der damalige "Star Wars"-Art-Director Joe Johnston. Ähnlich wie bei Darth Vader war der Helm eine undurchdringbare Barriere, er hatte kein Gesicht und keine Backstory. Das perfekte Vehikel, der eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen.

Diese Fantasie brauchte Boba Fett dringend. Denn rühmlich war sein Auftritt in der Original-Trilogie nicht. Die meisten seiner sechseinhalb Minuten Bildschirmpräsenz und der gerade einmal vier Sätze Dialog war er nur die stumme Figur neben Darth Vader oder der handlungsarme Sidekick des Verbrecherbosses Jabba the Hut. Und dann war da noch der - scheinbare - unrühmliche Tod in "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" (1983), als er in ein Sandloch, die Sarlacc-Grube, fiel. Wie ein irrelevantes Extra, aber kein zentraler Bösewicht.

Actionfigur als Basis

Doch die Popularität Boba Fetts basiert nicht auf einer schlecht geschriebenen Charakterentwicklung. Sie entspringt einer Erwartungshaltung, die schon vor seiner Inkludierung in "Das Imperium schlägt zurück" (1980) einsetzte. Sein cooles Design faszinierte die "Star Wars"-Fans bereits 1978, als Boba Fett das erste Mal auf einer Parade im San Anselmo County neben Darth Vader entlangschritt. Doch da wusste noch niemand, wer er war.

Zur gleichen Zeit begann die Spielzeugfirma Kenner, eine Actionfigur von Boba Fett zu bewerben. Und in dem legendären, von George Lucas verhassten "Holiday Special" (1978) hatte er dann seinen ersten physischen Auftritt. Für die Produzenten nicht nur ein Weg, um Actionfiguren zu bewerben, sondern auch den nächsten Film zu teasern.

Die Idee, wer Boba Fett alles sein würde, konnte so langsam ihr Eigenleben entwickeln. Manches schienen die Filme auch zu bestätigen. "Ich will die Besatzung lebend haben. Das Schiff darf nicht vernichtet werden", warnt Darth Vader Boba Fett vor einem Auftrag. "Wie Sie wünschen," knurrt dieser ungehalten. Was für eine faszinierende Figur muss das sein, dass sogar Oberbösewicht Darth Vader um Mäßigung bittet?

Als ideologischer Zwilling zu Han Solo ist er auch ein weiterer Beweis, dass nicht alles im "Star Wars"-Universum schwarz-weiß sein muss. Boba Fett, wie Han zunächst auch, kümmert sich nur um sich selbst. Seine Arbeit fürs Imperium ist reines Geschäft. Diese Grauzonen sind etwas, das man in Star Wars nicht oft sieht. Umso faszinierender wirken sie auf das Publikum.

Dass Boba Fett zurückkehrt, war nur eine Frage der Zeit. Die Prequels haben ihm eine Vorgeschichte gegeben. "The Book of Boba Fett" lässt ihn nun den knallharten Typen ausleben, von dem alle immer annahmen, dass er in ihm steckt. Ob nun Held, Antiheld oder was dazwischen: Boba Fett findet auch weiterhin seinen Weg.