Wenn man jemandem vor ein paar Jahren erzählt hätte, dass man in 2021 in einer globalen Pandemie mit dem Smartphone in Restaurants eincheckt, wäre man vermutlich für verrückt erklärt worden - oder für einen sehr schlechten Science-Fiction-Erzähler. Doch Corona hat viele technologische Entwicklungen beschleunigt - von mRNA-Impfstoffen bis hin zur digitalen Kontaktnachverfolgung. Die am 5. Januar 2022 beginnende Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas wird (trotz vieler Absagen) das erste Schaulaufen der Tech-Branche sein. Das sind die Trends, über die gerade diskutiert wird.

Metaverse: Fast zwei Jahre Homeoffice und Videokonferenzen haben die Grenzen des Internets vor Augen geführt, Zoom-Fatigue lässt grüßen. Konzerne wie Google, Tencent und das zu Meta umbenannte Facebook wollen daher das Metaverse als dreidimensionale Weiterentwicklung des Webs bauen. Mit einer Datenbrille klinkt man sich in ein digitales Paralleluniversum, wo man mit einem Avatar arbeitet oder einkauft. Arztbesuche, Vorlesungen, Konzerte - im Multimedia-Paradies Metaverse soll alles möglich sein. Kontaktbeschränkungen? Gibt es im Cyberspace nicht. Nike baut im Online-Spiel "Roblox" eine virtuelle Welt namens "Nikeland", wo parallel zu Großveranstaltungen wie der Fußball-WM eigene Events stattfinden. Auch Verwaltungen wollen im virtuellen Raum präsent sein: So will die südkoreanische Hauptstadt Seoul im kommenden Jahr ein Bürgerbüro eröffnen, wo digitale Behördengänge möglich sein sollen.

NFTs: Seitdem der Künstler Mike Winkelmann alias "Beeple" im März 2021 im Auktionshaus Christie’s eine digitale Collage für 69 Millionen Dollar verkauft hat, ist ein Hype um Krypto-Kunst ausgebrochen. Sneakers, Sofas, Sammelkarten - es gibt kaum ein Objekt, das noch nicht als NFT (Non Fungible Token) verkauft worden wäre. Der Käufer erwirbt nicht etwa eine Datei (die ließe sich ja duplizieren), sondern einen einzigartigen Codeschnipsel, der auf einer Blockchain hinterlegt wird, eine Art digitales Kassenregister. War das Internet vormals eine billige Kopiermaschine, gibt es nun ein Instrument, Eigentumsrechte zu verbriefen. Modelabels wie Balenciaga und H&M sind in den lukrativen NFT-Markt eingestiegen, Adidas hat mit dem Verkauf einer eigenen Kollektion 22 Millionen Dollar eingenommen. Allein, die digitalen Urkunden stehen auf einem wackligen Fundament. Im Netz häufen sich Berichte verschwundener Bilder. Auf dem NFT-Marktplatz OpenSea sollen wegen einer Softwarepanne 42 Tokens im Wert von mindestens 100.000 Dollar zerstört worden sein.

Smart Home: Vor ein paar Wochen lief in der ARD der Spielfilm "Das Haus". Nachdem in Deutschland im Jahr 2029 Rechtspopulisten an die Macht kommen, flüchtet sich der mit einem Berufsverbot belegte Journalist Johann Hellström mit seiner Frau in eine Luxusvilla auf einer einsamen Ostseeinsel. Doch der vollvernetzte Bunker, der dem exilierten Paar Sicherheit bieten soll, entwickelt bald ein Eigenleben. Erst öffnen die Türen nicht, dann bestellt das intelligente System unaufgefordert Waren, am Ende gibt es Tote.

Zwar ist die Zukunft nicht ganz so dystopisch, doch Smart Homes sind extrem verwundbar. Die britische Verbraucherorganisation Which?, die in einem Experiment ein Haus mit internetfähigen Geräten wie Smart TVs, Thermostat und Sicherheitskameras ausgestattet hat, zählte binnen einer Woche über 12.000 Attacken. Wo es eine Verbindung nach außen gibt, finden Cyberkriminelle immer wieder Sicherheitslücken, über die sie Zugriff auf Geräte erlangen. Vielleich hat sich der smarte Kühlschrank, von dem die Industrie seit Jahren redet, daher noch nicht durchsetzen konnte. Im kommenden Jahr wollen Apple, Google und Amazon ihren Smart-Home-Funkstandard "Matter" vorstellen: Damit sollen Geräte und Dienste herstellerübergreifend anwendbar sein. Ein Google-Gerät ließe sich damit auch mit Alexa steuern. Aber ob das sicher ist?

Datenbrillen: Schon seit einigen Jahren gibt es Gerüchte, wonach Apple eine eigene Datenbrille herausbringen wird. Im Winter 2022 könnte es so weit sein. Die Augmented-Reality-Brille soll dank leistungsstarker Prozessoren so schnell wie ein Mac sein, behauptet ein Analyst. Der Smartphone-Markt schrumpft, und Apple ist seit dem Launch des iPhones 2007 keine bahnbrechende Erfindung mehr gelungen. Analysten haben schon vor einiger Zeit den "Tod des Smartphones" ausgerufen. Den mobilen Computer trägt man in Zukunft nicht mehr in der Tasche, sondern auf der Nase. Facebook hat mit Ray-Ban bereits eine eigene Datenbrille auf den Markt gebracht. Datenschützer befürchten jedoch, dass die Brillen irgendwann auch mit Gesichtserkennungstechnologie ausgerüstet werden könnten, mit denen man wildfremde Personen in der Öffentlichkeit identifizieren kann. Google hat seine Augmented-Reality-Gläser eingestellt, nachdem die Träger als "Glassholes" beschimpft wurden. Die Google Glass wird nur noch für den Industriebereich angeboten.

Roboter-Restaurants: Die Pandemie ist für Gastronomie und Hotellerie eine existenzielle Bedrohung. Das Geschäft ist kaum planbar, es fehlt an Personal. Eine Antwort auf den Fachkräftemangel: Roboter. In China bereiten Roboter bereits das Mittagessen für Schüler zu, in Bars mixen Roboter Cocktails, und auch hierzulande servieren die ersten Roboter Essen und Getränke. Roboter werden nicht müde, haben keine Launen und fordern keine Lohnerhöhung. Die Entwicklung ist jedoch keine Einbahnstraße: Das 2015 in San Francisco eröffnete Automaten-Restaurant Eatsa, in dem Gäste Gerichte aus mikrowellenartigen Boxen herausnehmen konnten, hat wieder geschlossen. Vielleicht, weil man doch lieber von einem Menschen bedient wird?

Green Tech: Informations- und Kommunikationstechnologien sollen Schätzungen zufolge bis 2025 ein Fünftel des globalen Strombedarfs ausmachen. Allein Bitcoin soll zeitweise mehr Strom als Argentinien verbraucht haben. Krypto-Spezialisten wollen die zugrunde liegende Technologie der Blockchain daher grüner machen. Dafür soll stärker auf den Konsensmechanismus Proof of Stake gesetzt werden.