"Mysteriöse Sache, die Zeit" - Albus Dumbledores Zitat zu Beginn bezog sich einst auf einen Zeitumkehrer, der es erlaubt, in die Vergangenheit zu reisen. Eine besondere Zeitreise ist auch "Harry Potter 20th Anniversary: Return to Hogwarts". 20 Jahre waren es im November 2021, seit "Harry Potter und der Stein der Weisen" in die Kinos kam. Zehn Jahre, seit die Reihe endete. Bereits Zeit für einen Rückblick?

"Es fühlt sich an, als wenn keine Zeit und gleichzeitig aber sehr viel Zeit vergangen wäre," erkennt auch Ron-Darsteller Rupert Grint. Die Kinderstars von einst sind inzwischen erwachsen geworden. Die britische Schauspielelite, die hier mitwirkte, deutlich älter. Andere, wie die bereits verstorbenen Alan Rickman, Richard Griffiths oder Helen McCrory, hinterlassen eine spürbare Lücke. Und doch, diese Mischung aus vertrauten Gesichtern und neuen Eindrücken verzaubert wortwörtlich aufs Neue. Regisseurin Casey Patterson versucht erst gar nicht, den Nostalgiefaktor klein zu halten. Schon in den ersten Minuten laden die berühmten Briefe aus Hogwarts zum Wiedersehen, werden Gleis 9 ¾ und die Tore zum Festsaal durchschritten. Und wenn die Kamera dann quer über das Schloss schwebt und die ersten Takte aus John Williams Soundtrack erklingen, fühlt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt.

Die jüngeren Kontroversen um Joanne K. Rowlings Ansichten zu Transgender-Personen tun diesem geballten Popkultur-Spektakel keinen Abbruch. Rowling selber wird zwar immer wieder von allen Seiten höflich gelobt - ihre wenigen Interviewpassagen stammen jedoch aus einem Gespräch von 2019.

Aufgebaut auf Gesprächen und Hinter-den-Kulissen Material, pendelt das Special zwischen Dokumentarfilm und Werbefilmchen. Eingenistet zwischen alten Sets wie der Gringotts Bank oder dem Gryffindor-Gemeinschaftsraum plaudern die Darsteller, Produzenten und Regisseure über die filmischen und persönlichen Höhepunkte von acht Harry-Potter-Filmen. Dominiert wird das Ganze von neuen und alten Anekdoten vom Dreh.

Doch gerade in diesen Momenten, in denen Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint über das Aufwachsen vor der Kamera philosophieren, bekommt diese Zeitreise Gravitas. Vom spielerischen Entdecken der Schauspielkunst bis hin zur inneren Leere am Schluss. "Ich verlor den Überblick darüber, wer ich war und wer der Charakter war", so Grint.

Jüngere kritische Auseinandersetzungen, wie etwa ob Rowling bei Figuren kulturelle und antisemitische Stereotypen angewendet hat, sucht man vergeblich. Dafür ist der Grundtenor des Specials zu oberflächlich positiv. Für einen Seitenhieb auf die moderne Filmkunst bleibt trotzdem Zeit. "So viel davon wäre inzwischen Spezialeffekte", gibt sich Radcliffe überzeugt, wenn er an die schwebenden Kerzen zurückdenkt.

Das Erbe der Filme, sind sich alle sicher, ist, dass sie auch zu künftigen Generationen sprechen werden. "Ich werde nicht mehr da sein", so Robbie Coltrane, "aber Hagrid schon." Und so wünscht man sich letztendlich damals wie heute, der eigene Brief aus Hogwarts möge doch noch ankommen.