Die Vorzeichen standen auch in diesem Jahr schlecht: Corona, Chip-Mangel, weltweite Inflation und stillgelegte Produktionen sind nicht gerade jene Aspekte, die auf ein Feuerwerk an Innovation und Endgeräten auf der weltgrößten Elektronikmesse, der CES 2022, in Las Vegas, hoffen ließen. Aber wo Schatten, da auch Licht und so wurden dennoch eine Vielzahl von zukunftsweisenden Ideen und spannenden Produkten, und ja, auch so manches fragwürdige technische Spielzeug präsentiert.

Der Erfinder Eric Fouchard hatte genug von der schlechten Luft unter seiner Maske - und entwickelte deshalb ein kleines Belüftungssystem, das unter der Corona-Schutzmaske getragen werden kann. Der Mini-Ventilator wird unter der Maske mit Hilfe einer Magnetvorrichtung an der richtigen Stelle gehalten und mit einem Akku betrieben, den der Nutzer hinter seinem Nacken trägt. Ein weiteres neues Maskenmodell kommt aus dem Hause Airxom und soll neben Corona auch vor Bakterien und Luftverschmutzung schützen. Die große, weiße Plastikmaske sieht futuristisch aus, bedeckt den unteren Teil des Gesichts komplett und ist mit einem Gerät verbunden, das der Nutzer am Gürtel trägt, darin ein Aktivfilter, der auch kleine Partikel, Krankheitserreger und Schadstoffe neutralisieren kann. Die Maske soll komplett luftdicht sein, in einigen Monaten auf den Markt kommen und dann rund 300 Euro kosten.

Folter? Oder eine neuartige Maske? Mitnichten, die Metaverse-Zukunft soll derartige Endgeräte mit sich bringen: VR-Brille über den Augen und Mikrofon vor dem Mund, freilich mit Schalldämpfer, sodass Nachbarn von etwaigem lauten Schreien nicht gestört werden. - © afp / Patrick T. Fallon
Folter? Oder eine neuartige Maske? Mitnichten, die Metaverse-Zukunft soll derartige Endgeräte mit sich bringen: VR-Brille über den Augen und Mikrofon vor dem Mund, freilich mit Schalldämpfer, sodass Nachbarn von etwaigem lauten Schreien nicht gestört werden. - © afp / Patrick T. Fallon

Nicht nur über Mund und Nase, nein auch über den Augen soll die Menschheit in Zukunft stets noch etwas tragen. Virtuelle Realität und das neue Modewort "Metaverse", das gerade von Unternehmen und Beraterfirmen zum nächsten großen Hype erklärt wird, setzen Datenbrillen voraus. Denn nur so kann man in die unendlichen Weiten der neuen Realität eintauchen. Entsprechende intelligente Brillen sollen von Apple, Sony, Facebook und Co. in absehbarer Zeit den Markt überschwemmen. Eine etwas seltsam anmutende Version der kommenden Metaverse-Gadgets zeigt das Unternehmen Shiftall. Während sich die Megane X-Brille schlank und leicht mit dem Aussehen einer Staubschutzbrille präsentiert, ist das sogenannte "Mutalk"-Mikrophone ein riesiger Plastikzylinder, der, auf dem Mund geschnallt, eine ungestörte und für die Außenwelt nicht hörbare Kommunikation ermöglichen soll.

Die Zukunft des Ackerbaus: der Deer & Co. John Deere 8R, ein vollautomatischer Traktor, steuerbar über das Smartphone. - © afp / Patrick T. Fallon
Die Zukunft des Ackerbaus: der Deer & Co. John Deere 8R, ein vollautomatischer Traktor, steuerbar über das Smartphone. - © afp / Patrick T. Fallon

Man liebt, was sich biegt

Zahlreiche Neuerungen und innovative Ansätze gibt es in diesem Jahr auch im Bereich der Laptops und Fernseher. Biegsame Displays, die nicht nur bei Smartphones und Tablets zum Einsatz kommen sollen, werden neue Modelle und verspielteres Design ermöglichen, so die Hersteller. Asus stellte mit dem ZenBook OLED 17 ein faltbares Notebook vor. Dell ein neues XPS 13-Modell, das einige feine Designelemente bietet.

Er ist nicht gefallen, er will nur spielen: Virtuelle Realität und seine Auswüchse. Der "Haritora X"-Ganzkörperanzug von Shiftall soll Ausflüge in virtuelle Welten, wie etwa das Metaverse, immersiv erlebbar machen. - © afp / Patrick T. Fallon
Er ist nicht gefallen, er will nur spielen: Virtuelle Realität und seine Auswüchse. Der "Haritora X"-Ganzkörperanzug von Shiftall soll Ausflüge in virtuelle Welten, wie etwa das Metaverse, immersiv erlebbar machen. - © afp / Patrick T. Fallon

Zudem hinterlassen hier auch die Themen Homeoffice und Nachhaltigkeit ihre Spuren. Mobile Rechner sollen verstärkt aus wiederverwertbaren Materialien hergestellt werden, zudem leichter zu reparieren und aufzurüsten und sich einfacher in unterschiedliche Arbeitsumgebungen integrieren lassen. Dies unter anderem dadurch, dass sich die Computer automatisch mit externen Bildschirmen verbinden lassen und somit den Arbeitsaufwand der IT-Verantwortlichen in Unternehmen mit geteilten Arbeitsplätze erleichtern sollen.

Mensch-Tier-Kommunikation: Das Inu-Pathy-Halsband von Langualess Co. soll dem Menschen anzeigen, wie sich sein vierbeiniger Gefährte gerade fühlt. - © getty images / Ethan Miller
Mensch-Tier-Kommunikation: Das Inu-Pathy-Halsband von Langualess Co. soll dem Menschen anzeigen, wie sich sein vierbeiniger Gefährte gerade fühlt. - © getty images / Ethan Miller

Bei den Fernsehern erreichte man heuer eine Auflösung von 8K und auch die Bildschirm-Diagonalen gingen in neue Höhen und ungewohnte Breiten. Auf der CES 2022 zeigte LG den OLED G2, den mit 97 Zoll (246 Zentimetern) bislang weltweit größten und mit dem OLED C2 mit einem 42 Zoll (107 Zentimeter) großen Display, den kleinsten OLED-Fernseher. Der Samsung Odyssey Neo G8-Monitor erkennt automatisch die Farben auf dem Bildschirm und projiziert sie in die Umgebung. Die Zukunft des Gamings liegt natürlich auch im Metaverse und soll über Ganzkörperanzüge, bewegliche Sessel, Datenbrillen und allerlei Lichteffekten ein immersives Spieleerlebnis ermöglichen. Wem das Spielen zu viel Stress bereitet, dem kann geholfen werden.

Entspannung einmal anders: Yukai Engineering Inc. stellte seinen "Amagami Ham Ham" vor. Das elektronische Kätzchen soll durch sanftes "Am-Finger-Saugen" entspannen. - © afp / Patrick T. Fallon
Entspannung einmal anders: Yukai Engineering Inc. stellte seinen "Amagami Ham Ham" vor. Das elektronische Kätzchen soll durch sanftes "Am-Finger-Saugen" entspannen. - © afp / Patrick T. Fallon
Die Rückkehr der Antistress-Bälle. In diesem Jahr ein großer Hit das Coronavirus zum Kneten. - © getty images / Alex Wong
Die Rückkehr der Antistress-Bälle. In diesem Jahr ein großer Hit das Coronavirus zum Kneten. - © getty images / Alex Wong

Das Chamäleon-Auto: Der BMW iX Flow kann dank E-Ink-Technologie seine Farbe wechseln - von Weiß auf Dunkelgrau und zurück. - © getty images / Alex Wong
Das Chamäleon-Auto: Der BMW iX Flow kann dank E-Ink-Technologie seine Farbe wechseln - von Weiß auf Dunkelgrau und zurück. - © getty images / Alex Wong

Der japanische Ausdruck "amagami" lässt sich ins Deutsche mit "süßes Beißen" übersetzen. "Wir finden das Gefühl sehr angenehm und möchten es in die Welt tragen", sagt der japanische Erfinder Shunsuke Aoki. Das schöne Gefühl gibt es in Form einer kleinen, batteriebetriebenen Plüschkatze, die dem Nutzer sanft am ausgestreckten Finger nuckelt. Auch junge Katzen und Hunde zeigen ihren Besitzern auf diese Weise ihre Zuneigung - laut Aoki eine Quelle der Entspannung für Menschen. Eine Kapselmaschine für Cocktails und allerlei alkoholische Mischgetränke, Staubsaugroboter in allen Versionen und Arten gab es ebenfalls zu bestaunen. Apropos Roboter: Im Mittelpunkt des Interesses stand heuer vor allem "Ameca". Der Humanoide aus dem Hause Engineered Arts wurde aufgrund seiner allzu menschlichen Mimik und Gestik bestaunt. Auch wenn sich die Wissenschaft noch nicht einig darüber ist, ob ein Roboter mehr oder weniger Angst macht, wenn er vermenschlicht wird, so dürfte "Ameca" immerhin der bisher bekanntesten Roboterfigur "Sophia", die die letzten Jahre durch die Messehallen dieser Welt tourte, den Rang ablaufen.

Die beste Autoshow

Durchaus überraschend war auch, dass sich die diesjährige CES als eine der besten und interessantesten Automessen der letzten Jahre präsentierte. So konnte man feststellen, dass Sony mit dem Einstieg ins Autogeschäft Ernst macht und nun bereits seinen zweiten Elektroauto-Prototypen vorgestellt. Der Wandel des Autogeschäfts hin zu elektrischen und vernetzten Fahrzeugen öffnet die Tür für Elektronik-Konzerne. Sie haben Kompetenzen bei Software und Bedienführung, kennen sich bei Chips und Batterietechnik aus. Die Frage ist noch, ob sie auf Kooperationen mit etablierten Autofirmen setzen oder ihnen selbst Konkurrenz machen. BMW hat ein Auto präsentiert, das die Farbe wechseln kann. Das auf den Modellnamen iX getaufte Elektrofahrzeug hat eine spezielle Ummantelung, die ähnlich wie das E-Ink-Display eines E-Book-Readers funktioniert. Dadurch kann es zwischen den Farben Weiß und Dunkelgrau changieren. Andere Farben wären technisch auch möglich, aber aufwendiger umzusetzen. Die CES 2022 war kleiner, aber bunter als zuvor.