Puppen haben etwas Unheimliches. Die erstarrten Gesichtszüge, die Bewegungslosigkeit. Die erkaltete Mimik. Dazu die Haptik des leblosen Kunststoffs. Wie ein kleines Kind sehen sie aus, nur eben ohne Leben in sich. Aber wehe, wenn so eine Puppe dann doch plötzlich zum Leben erwacht, das geht, wie wir wissen, so gut wie nie gut aus. Spätestens als 1988 in der Horror-Komödien-Reihe "Chucky" die Puppe zum ersten Mal das Messer in die unbeholfenen Hände bekam, gerieten die Puppen schnell in Verruf.

Das "Chucky"-Narrativ ist rasch erklärt: Die Puppe war an sich harmlos, auch wenn sie nicht so aussieht. Doch dann transferiert der psychopathische Serienmörder Charles Lee Ray seine Seele mittels Voodoo-Magie in die Puppe. Er wollte so dem Tod ein Schnippchen schlagen und weitermetzeln, auch wenn sein biologischer Körper längst unter der Erde liegt. Keine dumme Idee: Das ist wohl die perfekte Tarnung für einen Mörder.

In der Rolle des Killers brillierte seit dem Start der Reihe der Oscar-nominierte Brad Dourif. Er leiht der Puppe in allen sieben Teilen seine markante, tiefe Stimme und verkörpert in einigen Teilen auch das menschliche Ich von Chucky. Mitverantwortlich für das weltweite, kollektive Puppen-Trauma ist Don Mancini, der zu allen Teilen das Drehbuch schrieb und beim fünften und sechsten Teil auch die Regie übernahm.

Nun darf Chucky, die fiese Mörderpuppe, in einer neuen Serie auf Sky munter weitermetzeln. Darin kauft der schwule Teenager Jake (Zackary Arthur) auf einem Garagen-Flohmarkt die Chucky-Puppe. Und wie es das Gesetz der Serie will, kommt es in der beschaulichen Kleinstadt Hackensack alsbald zu einer Serie grausamer Morde, hat die Puppe doch auch gleich ein Messer mitgehen lassen. Wie sich herausstellt, ist der vermeintlich idyllische Ort auch Charles Lee Rays Geburtsstadt. So was! Zufälle gibt’s, die glaubt man gar nicht!

Und wie es eben so ist: Ein Mord ist im Fernsehen nie Selbstzweck, sondern treibt die Handlung voran. So kommen tief verwurzelte Heucheleien und verborgene Geheimnisse ans Licht bei der "World Series of Slaughter", wie Chucky selbst sagt. In der Zwischenzeit schleichen sich alte Freunde und Feinde aus Chuckys Vergangenheit in seine neue Welt und drohen, die Wahrheit hinter Chuckys mysteriöser Herkunft als scheinbar normales Kind, das zu einem berüchtigten Monster wurde, aufzudecken.

Schöpfer Mancini wieder an Bord

Mit "Child’s Play", der 2019 gelaufenen Neuinterpretation der Reihe, hatte Schöpfer Don Mancini übrigens nichts am Hut. Sein Gruselgeschöpf hatte sich da kurz selbständig gemacht. In der Fernsehserie, die als Fortsetzung der Originalreihe zu verstehen ist, ist er wieder mit an Bord.

Die "Chucky"-Filme neigen zu einer gewissen genremäßigen Inkonsequenz. "Chucky" ist so gesehen nicht immer "Chucky": Ist vor allem der erste Teil noch sattsam mit allen möglichen Elementen der Horror-Ecke gespickt, gleitet der vierte und fünfte Teil stark ins komödiantische Fach ab. Diese Tradition ist nicht ganz neu, man kennt das auch aus "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" oder "Scream".

Doch der Genre-Wechsel gefiel nicht allen: Die Chucky-Fangemeinde reagierte entrüstet und übte heftige Kritik. Im sechsten Teil, "Curse of Chucky", in dem an der Hintergrund-Story des umtriebigen Mörders gearbeitet wird, kehrte man wieder ins Horror-Fach zurück. Hier setzt die Serie nun nahtlos an, das Gebotene ist durchaus ernst gemeint. Es dürfen also die Messer gewetzt werden.