So muss die Hölle für Handwerker aussehen. Da der große Rockstar, der alle fünf Minuten seine Meinung ändert, da der Tischler, der ein Bett baut, während sich das Paar des Hauses einen Stock höher lautstark vergnügt. Dann kommt er runter, noch im Tanga, und will mal eben das soeben fix verbaute Bett in die andere Ecke montiert haben. Schließlich soll das Liebesnest perfekt sein.

Die Liebenden, die die Disney+-Serie hier so innig zeigt, sind bei weitem keine Unbekannten: Es handelt sich um TV-Starlet Pamela Anderson und ihren Kurzzeit-Gatten Rockstar Tommy Lee, Drummer der Metalband Mötley Crüe. Es ist die Mitte der Neunziger und Pam ist am Höhepunkt ihres Ruhmes. Wenn da nicht die Bad Boys wären, denen sie zunächst wortreich abschwört. So lange bis ihr Tommy zur Begrüßung im Club die Wange ableckt.

Wie also konnte es so weit kommen, dass das 1995 privat mitgeschnittene Sex-Tape von "Baywatch"-Nixe Pamela Anderson und Tommy Lee zum Pornohit und ersten viralen Sextape des noch weitgehend jungfräulichen Internets wurde? Das zeichnet die Miniserie "Pam & Tommy" nach.

Die Protagonisten: Pamela Anderson, "Playboy"-Covergirl, das zum Fernsehstar wurde und vor allem dafür bekannt war, C.J. Parker in der beliebten Serie "Baywatch" zu spielen. Tommy Lee ist - nun ja Tommy Lee. Die beiden lernten sich 1995 kennen und heirateten innerhalb von vier Tagen. Aus den ersten Wochen stammt das von Tommy laienhaft mitgeschnittene "Homemade"-Video.

Die Serie stellt aber Rand Gauthier in den Mittelpunkt. Er ist der gefrustete Handwerker mit Vokuhila, der für Tommy Lee das ultimative Liebesnest in seiner Villa bauen soll. Seth Rogen (auch Produzent) gibt einen Arbeiter, der sich die herablassende Art und die Allüren des Stars zunächst gefallen lässt (ein Stapel unbezahlter Rechnungen wartet schließlich auf das Geld dieses Auftrages). Aber Mr. Tommy "Money is no issue" Lee zahlt nicht. Im Gegenteil. Erst meckert er an der Qualität, dann bezichtigt er den Handwerker unberechtigt, seine Frau zu beobachten, und wirft ihn mit geladener Waffe aus dem Haus. Die Werkzeuge behält er.

Gauthier, so der Früchte seiner Arbeit beraubt, sinnt auf Rache und stiehlt Tommys Safe samt Video. Er zeigt es Pornofilmer "Onkel Miltie" (Nick Offerman), der einen Haufen Geld wittert. Der Rest ist Geschichte, die sich so abgespielt haben könnte, aber wohl nicht hat, dazu ist zu viel künstlerische Freiheit eingebaut. So wird der Safe gestohlen, als das Paar auf Reisen ist, in der Serie schleicht sich Gauthier mitten durchs Schlafzimmer.

Die Serie zeigt auch, wie die Verbreitung des Videos die Stars unterschiedlich beeinflusst. Für Tommy Lee, gespielt von Sebastian Stan, ist es keine große Sache. Zu sehen ist ein Frauenheld, der eine weitere Trophäe abgestaubt hat. Die Schauspielerin hat schon eher unter dem Ruf zu leiden.

"Pam and Tommy" hat ein alles überragendes Plus: Schauspielerin Lily James gibt eine wunderbar verknallte Pam, die dem nächstbesten Bad Boy verfällt und das Video mitmacht. Sie malt ein sympathisches Porträt von Anderson als einer Frau, die sich danach sehnt, mehr als ein Sexsymbol zu sein, und die verzweifelt versucht, ein paar Zeilen mehr Text bei "Baywatch" zu bekommen. Vergeblich. Stereotypen zu überwinden, dafür ist das Fernsehen noch nicht bereit.(bau)