Es ist ein Biografie, die es heute kaum mehr gibt. Aufgewachsen im Austrofaschismus, als junger Mann mit Krieg und Gefangenschaft konfrontiert und danach auf der Suche nach einer Berufung. Der langjährige "Krone"-Kolumnist Richard Nimmerrichter, der unter dem Pseudonym "Staberl" über viele Jahrzehnte seine Texte verfasst hat, ist verstorben. Das teilte die "Kronen Zeitung" am Sonntag mit. Die "Stimme des Volkes" ("Krone") wurde 101 Jahre alt. Seine oft kontrovers diskutierten Kolumnen erschienen zwischen 1965 und 2001 in der "Krone", zu der er 2011 kurzzeitig zurückgekehrt war.

Richard Nimmerrichter sorgte immer wieder für Diskussionen. 
- © APA / Philipp Wilhelmer

Richard Nimmerrichter sorgte immer wieder für Diskussionen.

- © APA / Philipp Wilhelmer

Nimmerrichter war einer jener Männer der Gründungsgeneration der "Krone", die viele Jahrzehnte an der Seite des legendären Gründungs-Herausgebers Hans Dichand mehr oder weniger ungestört werkten. Loyal, ergeben, politisch im Sinne des Herausgebers, verlässlich und privat durch jahrzehntelange dank goldener Zeiten des Journalismus sehr gute Bezahlung extrem wohlhabend.

Den Ruf der Feder fürs Grobe hat sich Nimmerrichter, der am 31. Dezember 1920 geboren wurde, über Jahrzehnte lang verdient, mit seinen täglichen "Staberl"-Kolumnen polarisierte er die Öffentlichkeit. Immer wieder beschäftigte er den Presserat und musste als Dauergast vielfach vor Gericht erscheinen. Als ein Gericht 2004 der größten österreichischen Tageszeitung "antisemitische und rassistische Untertöne" attestierte, wurden für diesen Befund etliche "Staberl"-Kolumnen als Beleg angeführt.

Hitler und Gaskammern

Mehrfach wurde Nimmerrichter aufgrund der Inhalte der Kolumnen verurteilt. So hatte er 1992 über den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Paul Grosz, geschrieben: "Wer den Herrn Hitler überlebt hat, wird auch den Herrn Grosz überleben." Dies wurde vom Gericht als Beleidigung angesehen. Medien zählten zur Pensionierung erstaunliche 58 Verurteilungen.

Antisemitismus und Ausländerhass unterstellten ihm seine Gegner, nicht zuletzt anlässlich Behauptungen wie 1992, als er über den Holocaust und die "Methoden eines Massenmordes" räsonierte und dabei zu dem Schluss kam: "Nur verhältnismäßig wenige der jüdischen Opfer sind vergast worden."
Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek diente Nimmerrichter als Inspiration für ihr Stück "Stecken, Stab und Stangl", das in Reaktion auf einen rechtsextremen Bombenanschlag im Burgenland im Jahr 1995 entstand und in das sie zahlreiche "Staberl"-Zitate einbaute. Auch im Titel findet "Staberl" seinen Niederschlag. Nimmerrichter selbst wies Antisemitismus-Vorwürfe stets scharf zurück.

Rolle als Kunstsammler

Offen schrieb er zeit seines Berufslebens gegen alles Linke, Liberale und die Political Correctness an und trat gegen die Große Koalition und für den damaligen FPÖ-Chef Jörg Haider als Hecht im politischen Karpfenteich auf.
Weniger bekannt war seine Leidenschaft für Kunst. Er sammelte Aquarelle von Rudolf von Alt, die er der Landesgalerie Niederösterreich vermachte.