Wer war der beste Captain im "Star Trek"-Universum? Der Haudrauf James T. Kirk? Der Retter des Alpha-Quadranten, Benjamin Sisko? Janeway auf der "Voyager"? Oder gar Captain Pike, von dem wir noch bald mehr hören werden? Oder war es Jean Luc Picard, der die "Enterprise" mit dem Gestus eines Philosophen und der Langmütigkeit eines Zen-Buddhisten durch die Weiten des Weltalls führte? So sehr man Kirk mag, aber allzu oft muss die Antwort wohl Picard lauten - war er doch für etliche junge Männer in den Neunzigerjahren die weise und zugleich mutige Vaterfigur, die sie nie hatten.

Und so sagt der mittlerweile zum Admiral gereifte Jean-Luc Picard zu Beginn der zweiten Staffel seiner Reprisen-Serie "Star Trek Picard" jede Menge kluge Sätze. Darunter: "Nicht der Raum ist die finale Grenze. Vielmehr ist es die Zeit. Und die tendiert nicht dazu, zweite Chancen zu geben." Und er sagt das nicht nur so dahin. Denn er wird beim Wort genommen, wie wir im Verlauf sehen werden.

Da müssen wieder die Profis ran. Picard wird erneut aus der Pension geholt. Denn die Borg haben - sagen wir einmal - Gesprächsbedarf. Ob das gut geht? 
- © Amazon Prime

Da müssen wieder die Profis ran. Picard wird erneut aus der Pension geholt. Denn die Borg haben - sagen wir einmal - Gesprächsbedarf. Ob das gut geht?

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Doch davor wird noch schnell alles in die Waagschale geworfen, was wir an "Star Trek Next Generation" Ende der Achtziger so geliebt haben. Denn natürlich machen die Borg wieder Ärger. Und nicht irgendein Borg - gleich die Königin (Hach!). Das neue Schiff wird gleich mal geschrottet (auch das eine schöne Tradition), doch davor darf sich der alt gewordene Admiral (wie immer grandios: Patrick Stewart) mit Guinan (Whoopi Goldberg) einen hinter die Lampe gießen. Und dann kumuliert alles zu einem großen Knall. Und er taucht auf - "Q" (John de Lancie). Und dann bekommt sie "Mon Capitan" doch: die zweite Chance.

Und wieder einmal die Borg

Man muss es den Machern lassen: Einen gelungeneren Auftakt zur zweiten Staffel hätte man sich kaum wünschen können. Nach der ersten Staffel, die doch zum Teil mit gemischten Gefühlen rezipiert wurde, nimmt die zweite Staffel schnell Fahrt auf. Und Picard ist wieder in der Rolle zu sehen, die er am besten kann: am Steuer eines Schiffes. Und nicht irgendeines - der "Stargazer", seinem ersten Kommando (apropos zweite Chancen!). Und Seven of Nine (Jeri Ryan) spielt auch wieder eine im wahrsten Sinne schlagfertige Rolle, was bei einem Borg-Encounter ja Sinn macht.

Wöchentlich immer freitags werden die neuen Folgen veröffentlicht, deren Produktion voll von der Corona-Pandemie getroffen wurde. Eine dritte Staffel ist übrigens bereits seit dem Herbst in Produktion. Das könnte es aber dann gewesen sein, denn eine vierte Staffel soll es dem Vernehmen nach wohl nicht mehr geben.

Da "Star Trek"-Produzent Alex Kurtzman seinen Auftrag, das Universum weiter auszubauen, durchaus sehr ernst nimmt, erwarten uns auch nach dem Ende von "Picard" noch viele weitere "Star Trek"-Serien. Wie bald "Star Trek: Strange New Worlds" mit Captain Pike. Von der bei den Fans durchaus sehr beliebten und witzigen Comic-Serie "Lower Decks" ist ebenso bereits eine neue Staffel in Produktion. Da CBS es in einem Anfall von Wahnsinn unterlassen hat, die vierte Staffel von "Discovery" in Europa zu veröffentlichen (sie soll dann irgendwann auf dem neuen eigenen Streaming-Dienst kommen), müssen sich die europäischen Fans noch gedulden, sofern sie sich das Material nicht anderweitig beschafft haben.

Topfit mit 81 Jahren

Legende Patrick Stewart wurde übrigens im letzten Sommer 81 Jahre alt. Und er zeigt in Picard, dass man nicht zum alten Eisen gehören muss. Seine berühmteste Rolle war für Patrick Stewart zugleich Segen und Fluch. Als erster britischer Schauspieler war er Teil einer "Star Trek"-Crew. Sein Captain Jean-Luc machte das Mitglied der Royal Shakespeare Company weltberühmt, was dazu geführt hat, dass ihm jede Menge SciFi-Rollen angeboten wurden. Ab 2000 vergrößerte Stewart mit der Marvel-Comic-Verfilmung "X-Men" seine Fangemeinde als Professor Charles Xavier, den er auch in drei Fortsetzungen und drei daran anknüpfenden "Wolverine"-Filmen spielte. Mit "Logan" verabschiedete er sich 2017 von Professor X. Ein Comeback sollte man nicht endgültig ausschließen.

Dass er in "Star Trek Picard" die Rolle grimmiger und auch düsterer anlegte, erklärte Stewart in einem Interview mit der allgemeinen Situation zum Drehstart 2017. "Das war meine Antwort auf die Welt von Brexit und Trump." Na dann: Make it so!