Es ist unbestritten eine der größeren Baustellen des ORF-Programms: Der ORF1-Vorabend, bisher ein US-Serien-lastiges Sammelsurium, bekommt nun ein klares Profil. Das kündigte ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz am Dienstag an. Keine hundert Tage nach Amtsantritt geht die 45-jährige ORF-Managerin nun eines der dringendsten Problemfelder an. Wenngleich ihr das Wort "Baustelle" in diesem Zusammenhang grundsätzlich missfällt: "Das wird der Leistung der sehr engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht gerecht."

Grundsätzlich ist sie mit der Performance des ORF in den letzten Monaten zufrieden. "Die Primetime-Performance von ORF1 ist stabil." Dennoch gelte es "in die anderen Zeitzonen zu investieren", wolle man nicht in eine Austauschbarkeit kommen. Und so nimmt man vor allem den Vorabend in den Fokus, der künftig - ab Ende April - mit Eigenproduktionen bestückt werden soll. Diese "Kernzone" soll abgesichert werden, so Groiss-Horowitz.

Der neue Vorabend beginnt um 17.35 Uhr mit einem eigenproduzierten Quiz, dessen Name noch geheim ist. "Hell, flott und mit Daytime-Feeling" soll es sein und zu ORF1 passen. Danach bleibt das schon bisher gesendete Quiz "Q1", das dann direkt bis zur ZiB1 läuft. Diese bleibt nach wie vor durchgeschaltet. Nach dem Sport erlebt das ZiB-Magazin ein Comeback zwischen 20.00 und 20.15 Uhr. Das ZiB Magazin war ursprünglich für den Vorabend konzipiert, wurde aber mangels Interesse eingestellt. Groiss-Horowitz geht davon aus, dass das auch am Sendeplatz lag, und hofft, dass der Sendeplatz direkt im Anschluss an die ZiB1 der bessere ist.

Eine Leiste für den Feierabend

In Summe ergibt sich so eine "ORF1-Feierabend-Leiste", die jeden Montag bis Freitag fix bleiben soll. "Verlässlich österreichische Unterhaltung und Information" ist hier das Motto. In einem zweiten Schritt könnte die Leiste dann noch bis 17 Uhr erweitert werden. Details zum neuen Quiz will Groiss-Horowitz noch keine nennen.

Neu ist auch das Format "ORF1-Spezial", das tagesaktuell bei Bedarf ins Programm gehievt werden kann und Vitalität versprühen soll. "Wir legen das als sehr serviceorientiertes Gefäß an", so die Programmdirektorin. Noch jünger ist die Zielgruppe der reanimierten "Mini-ZiB", die fallweise am Vormittag Begrifflichkeiten aus dem Nachrichtengeschehen für die Kleinen erklären soll. Am anderen Tagesende ist indes die "ZiB-Nacht" als Label Geschichte und wird durch die "ZiB3" ersetzt, die länger wird und mehr Eigenanteil aufweisen soll.

Aber auch im fiktionalen Bereich will man punkten. "Perspektivisch versuchen wir, den Montag zu dem Tag zu machen, an dem man verlässlich österreichische Serien oder auch Filme zu sehen bekommt", so die Programmchefin. Dazu zählt etwa die sechsteilige Blackout-Serie "Alles finster", die in Doppelfolgen ausgestrahlt wird. Im Herbst soll dann die Koproduktion "Tage, die es nicht gab" folgen. "Da wird unser Publikum sehen, auf welchem Netflix-Niveau der ORF Serien anbieten kann", so Groiss-Horowitz. Beim "Vorstadtweiber"-Nachfolger "Biester" müssen sich Serienfans noch bis 2023 gedulden.

Zu den weiteren Höhepunkten der kommenden Monate soll überdies die Berichterstattung rund um den Song Contest in Turin im Mai gehören und nicht zuletzt die Frauen-Fußball-EM im Juli. "Die wollen wir ähnlich emotional angehen wie eine Männer-WM", verspricht Groiss-Horowitz, das Event breit im Programm mit Eigenproduktionen zu flankieren.(bau)