Diesen Samstag feiert Wolfgang Ambros seinen 70. Geburtstag. Aber wer ist dieser Wolfgang Ambros? Eine Legende? Der Godfather of Austropop? Ein Fall der Kategorie "Weltberühmt in Österreich"? Oder gar ein Vorreiter, ohne den die Nachkommenden nie so weit gekommen wären? Was ist sein Werk und wie wird es im Heute, von österreichischen Pop-Künstlern interpretiert? Diesen Fragen geht die neue ORFIII-Dokumentation "Alles andere zählt net mehr - 70 Jahre Wolfgang Ambros" nach, die am Freitag um 21.05 in ORFIII Premiere feiert und am Wochenende mehrfach wiederholt wird.

Die Autoren und Regisseure der Dokumentation sind in dieser Zeitung keine Unbekannten: Walter Gröbchen, Musikverleger und Technikjournalist, schreibt jede Woche seine "Maschinenraum"-Kolumne und Fotograf und Autor Manfred Klimek schreib regelmäßig für das Feuilleton der "Wiener Zeitung". Für die Doku spüren sie dem Umfeld von Wolfgang Ambros Anfängen in Favoriten nach und bitten Wegbegleiter und Beobachter seines Höhenfluges vor die Kamera.

Ambros steht seit fünfzig Jahren auf der Bühne. Das ist, wie die Doku zeigt, einzigartig. Niemand sonst in diesem Land - kein Falco, keine Marianne Mendt, keine EAV, nicht Opus oder STS - hatten und haben eine derart lange, erfolgreiche Karriere vorzuweisen. So ist dieser Film auch als Würdigung angelegt. Denn noch niemand hat bisher ausführlich erklärt, warum Ambros so wichtig war für das Popschaffen dieses Landes, und auch für das Erwachen einer autonomen, kritischen Popkultur. Wichtig für die Musikszene Österreichs und unser aller Selbstverständnis.

Es kommen ausgewählte Wegbegleiter, Bühnenpartnerinnen und Mitmusiker, Freunde und Experten zu Wort: von Joesi Prokopetz (der viele legendäre Texte für Ambros-Songs verfasste) bis Birgit Denk, von Herbert Prohaska bis Wolfgang Kos, von Peter Rapp über Nicholas Ofczarek und Rudi Klausnitzer bis Christian Kolonovits. Und mit Franz Adrian Wenzl alias Austrofred und dem Nino aus Wien steuern zwei Vertreter der heutigen Szene wesentliche, aber launig-subjektive Anmerkungen bei.

Schmerzensmann

Was sich daraus und einer Vielzahl von zum Teil nie zuvor gezeigten Bildern aus dem ORF-Archiv ergibt, ist eine Hommage an den Menschen und Künstler Wolfgang Ambros. Eine filmische Collage, die dem nicht selten spröden, verschlossenen und widersprüchlichen Objekt der Betrachtung möglichst gerecht zu werden versucht.

Doch auch andere Seiten werden beleuchtet. Das Leben des Musikers war in den vergangenen zehn Jahren auch ein Leidensweg. Eine schwere Rückenerkrankung, die 2019 mit einer radikalen Operation stabilisiert werden musste, schränkte ihn stark in seiner Bewegungsfreiheit ein. Der Wolferl, der auf der Bühne zu "Skifoan" hüpft und springt, ist Geschichte. Aber der Ausnahmemusiker ließ sich nicht unterkriegen. Und bewies, dass man auch mit einer hochgradigen Behinderung, mit der sich so mancher in den Ruhestand vertschüsst hätte, noch seiner Berufung nachkommen kann. 

Den 70. Geburtstag von Wolfgang Ambros können seine Fans auch mit zwei neuen Tonträgern feiern: Bei Sony Music erscheint die Hitkopplung "Für immer jung" auf CD und Doppelalbum. Universal bringt die limitierte goldene Vinyl-Platte "Zusammen" mit Duetten heraus. Am Wochenende läuft im ORF zudem ein umfassender TV-Schwerpunkt im ORF mit Konzerten, Magazinporträts, Dokumentationen und Talkformaten.