Pachinko ist ein in Japan extrem erfolgreiches Arcade-Spiel. Millionen Menschen pilgern jedes Wochenende in eigene Pachinko-Spielsalons. Ein Spieler kauft dabei hunderte bis tausende kleine Metallkugeln, füllt diese in das Gerät und kann mit einem Hebel bestimmen, wie schnell und wohin die Kugeln auf das Spielfeld geschossen werden. Der Strom der Kugeln fällt von oben durch ein Labyrinth aus Stiften, Kanälen und Klappen nach unten. Die meisten Kugeln verschwinden als Nieten, aber immer wieder fällt auch eine in eines der Speziallöcher - dann gibt es einen mehr oder weniger großen Gewinn.

Das Spiel ist für seine Täuschung des Spielers bekannt. Der hat zwar formal die Möglichkeit, den Kugelstrom zu steuern, in Wahrheit ist die Art und Weise, wie die Kugeln durch das Labyrinth jagen, jedoch zufällig und chaotisch. In Apples neuer Serie "Pachinko" und dem Roman aus 2017, auf dem sie basiert, ist das eine Metapher für das Leben. Wie die Kugeln des ewig knatternden Spielautomaten werden die Figuren durchs Leben geschossen, prallen hier ab und dort auf und landen dann doch ganz woanders als gedacht.

Die koreanisch-amerikanische Autorin Min Jin Lee schrieb den epischen Roman "Pachinko" in drei Teilen, die jeweils eine Generation der Familie beschreiben. Es geht um eine koreanische Familie, die allen Bedenken zum Trotz nach Japan einwandert. Das kann nur bedingt gutgehen, ist Japan doch für seinen Rassismus gegenüber Ausländern berüchtigt. Gerade das Verhältnis zwischen Koreanern und Japanern ist zudem historisch durch Kriegsverbrechen der japanischen Seite in Korea schwer belastet - auch heute noch. Immerhin dauerte es satte hundert Jahre, bis sich das offizielle Japan 2010 für die Annexion Koreas entschuldigte, was in Korea jedoch auf taube Ohren stieß.

Und so kommt es auch in "Pachinko", wie es kommen muss: Die charaktergetriebene Geschichte beschießt das Figuren-Ensemble mit Rassismus und Stereotypen, die in Japan zum Alltag gehört. Als historischer Roman spielen die realen geschichtlichen Ereignisse in "Pachinko" eine zentrale Rolle und beeinflussen die Entscheidungen der Charaktere, etwa den folgenschweren Umzug nach Japan.

Und so umspannt die Dramaserie "Pachinko" (ab Freitag auf Apple+) in der Tat ein ganzes Jahrhundert. Es geht in den acht Folgen der ersten Staffel von Korea über Japan bis nach Amerika. Wie das Buch springt die Serie zwischen den Zeiten hin und her. Das macht es nicht ganz einfach, den Handlungen zu folgen, da die Figuren in unterschiedlichen Altern von anderen Schauspielern gespielt werden.

Das Regieduo Justin Chon und Kogonada inszeniert in "Pachinko" eine Geschichte von Krieg und Frieden ebenso nach wie von Liebe und Verlust. In der titelgebenden Hauptrolle ist Youn Yuh-Jung zu erleben, die 2020 für ihre Leistung in "Minari - Wo wir Wurzeln schlagen" mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin geehrt wurde. Der Film sorgte schlagartig für ihre Bekanntheit. Das Melodram wurde auch beim Sundance Film Festival preisgekrönt und erhielt eine Auszeichnung der Los Angeles Film Critics Association.

Verschlungene Pfade

Wie immer ist die Suche nach einem besseren Leben die Triebfeder der Emigration. Doch auch hier ist das Spiel Pachinko ein Symbol für die Selbsttäuschung. Denn Geldgewinne sind in Japan verboten. Die Kugeln kann man nur in Sachpreise eintauschen. Uninteressant? Nicht ganz: Neben jeder Pachinko-Halle gibt es diskrete Kioske, die diese Sachpreise gegen Bargeld aufkaufen.