Die italienische Fotoreporterin und Fotografin Letizia Battaglia ist am Dienstagabend in Palermo im Alter von 85 Jahren gestorben. Die gebürtige Sizilianerin, die jahrelang für die Tageszeitung "L'Ora" über die Mafia berichtete, wurde in ihrer langen Karriere mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet und hat mit den weltweit führenden Nachrichtenagenturen zusammengearbeitet. Zwischen Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre war sie auch in der Politik tätig.

Battaglia dokumentierte als Chronistin der Mafia deren blutigste Taten, etwa die Ermordung des Bruders des heutigen Staatspräsidenten Sergio Mattarella im Jahr 1980. Battaglias Schwarz-Weiß-Fotos sind Dokumente der Mafia-Verbrechen, sie wurden oft unmittelbar nach einem Mord aufgenommen. Die Bilder aus Palermo spiegelten den Teufelskreis von Armut und Verbrechen wider, ebenso wie das Eindringen der Mafia in die Zivilgesellschaft. Dabei lieferte sie internationalen Medien repräsentative Bilder der Mafia-Gewalttaten, die inzwischen weltbekannt geworden sind.

Die Sizilianerin engagierte sich auch als Menschenrechts- und Umweltaktivistin, Verlegerin und Stadträtin in ihrer Heimatstadt Palermo. Ihre Zivilcourage verband sie mit Sinn für Ästhetik und Kreativität. Ihrer einmaligen Laufbahn widmete das MAXXI, das Museum für zeitgenössische Kunst in Rom, 2017 eine Retrospektive mit dem Titel "Per pura passione" ("Aus purer Leidenschaft"), bei der 200 der beeindruckendsten Bilder aus Battaglias Sammlung zu sehen waren.

Battaglias Geburtsort war Palermo, sie lebte aber bis zum achten Lebensjahr in Triest. Die Rückkehr in die sizilianische Hauptstadt war für sie ein Kulturschock, da ihr Vater sie nachmittags nach der Klosterschule im Haus einsperrte. Nach damaliger Tradition durften Mädchen in Palermo nicht im Freien spielen. Um alldem zu entkommen, heiratete Battaglia bereits mit 16 Jahren. Ihr Ehemann war Erbe einer regionalen Kaffeeröster-Fabrikantenfamilie. Sie brachte drei Töchter zur Welt. Der Wunsch zu studieren wurde ihr verwehrt.

Begann als Kulturkorrespondentin

Entsprechend ihrem kämpferischen Familiennamen - Battaglia bedeutet Kampf - gab sie nicht nach. Ende der 1960er Jahre zog sie nach Mailand und begann dort zunächst als Kulturkorrespondentin für die linke Tageszeitung "L'Ora" zu schreiben. Zum Fotografieren kam sie, weil auch Fotos gefordert wurden. 1971 wurde sie geschieden. Zu dieser Zeit traf sie den deutlich jüngeren Franco Zecchin, der in den folgenden 19 Jahren sowohl ihr Arbeits- als auch Lebenspartner wurde. Drei Jahre später kehrte sie als Chef-Fotografin und Reporterin für "L'Ora" mit Zecchin nach Palermo zurück.

Von 1974 bis 1990 widmete sich Battaglia ganz dem Fotojournalismus. Weltberühmt sind ihre Fotos von dem ermordeten Mafia-Jäger Giovanni Falcone. Battaglia schoss auch ein Foto von der Festnahme des Mafia-Bosses Leoluca Bagarella. "Letizia war immer die erste am Tatort, wenn es um Mafia-Morde ging. Auch beim Anschlag auf Falcone auf der Autobahn Palermo-Punta Raisi zählte Battaglia zu den ersten Fotoreportern am Schauplatz", erinnerte sich der angesehene sizilianische Journalist und Mafia-Experte Attilio Bolzoni. Auch der Bürgermeister von Palermo kondolierte der Familie Battaglia zum Tod der engagierten Fotografin. (apa)