Mit dem nächsten Kinofilm Ende April in den Startlöchern beweist "Downton Abbey" auch noch zwölf Jahre später, dass es nichts von seiner Faszination und seinem Glamour verloren hat. Einen Gutteil des Serienerfolgs wird man wohl der unterhaltsamen Schreibweise Julian Fellowes’ zuschreiben müssen. Der Brite, der bereits 2001 mit "Gosford Park" sein Gefühl für historisches Material bewies, fängt diese vergangenen Welten auf eine Art und Weise ein, die einerseits zeitlos wirkt und sich dabei aber keines gesellschaftlichen Anachronismus bedient.

Seine neue Serie heißt "The Gilded Age": Das "vergoldete Zeitalter" bezeichnet jene 20, 30 Jahre vor der letzten Jahrhundertwende, die von Aufschwung und Fortschritt geprägt waren. Eisenbahn, Öl und Stahl brachten eine Dekadenz mit sich, die sich in den Bau von pompösen Villen und Kulturzentren ergoss. Dass es Fellowes nun nach New York verschlägt, hat er einer Institution jener Zeit, Alva Vanderbilt, zu verdanken. "Ich las ein Buch über sie und ihre Tochter Consuelo," erinnert er sich im Interview. "Irgendwann erkannte ich, dass da eine Serie drinnen steckte."

Altes Geld, neues Geld

Fellowes’ Protagonisten sind die fiktive Alte-Geld-Familie von Agnes van Rhijn (Christine Baranski) und die ebenfalls erfundene Neue-Geld-Familie von Bertha Russell (Carrie Coon). Agnes hält nicht viel von den sich ändernden Zeiten, und noch weniger von Emporkömmlingen. Ihre Sorgen gelten der unverheirateten Schwester Ada Brooks (Cynthia Nixon), die sie finanzieren muss, sowie der in der Nichte und Waise Marian (Louisa Jacobson).

Geldsorgen mögen die Russells nicht haben. Aber ein Image-Problem. Bertha will unbedingt der New Yorker Elite angehören. Sie und ihr Mann George (Morgan Spector) haben mit der Eisenbahn viel Geld verdient, aber keinen Platz bei den "oberen 400". Das schicke neue Haus am Central Park ist da erstmals ein Statement. "Jetzt wissen sie, dass wir da sind", so Bertha. "Es ist ihnen egal, dass wir da sind", erwidert ihr viel pragmatischerer Ehemann.

Damit dieser New Yorker Jahrmarkt der Eitelkeiten aber nicht nur wie müdes Geplänkel der Reichen und Schönen wirkt, fügt Fellowes wie schon in "Downton Abbey" seinem "Upstairs" wieder ein "Downstairs" hinzu. Hier muss sich das Personal nicht nur mit Formalitäten herumschlagen, ob der Tisch britisch oder amerikanisch gedeckt werden soll. Auch Geldschulden oder Existenzängste werden abgehandelt.

Eine weitere Angestellte im Haus der van Rhijns, so wie ein seltener Blick auf ein anderes Amerika, ist die afro-amerikanische Sekretärin und Autorin Peggy Scott (Denée Benton). Peggy bewegt sich innerhalb dieser weißen Elite - doch statt hier Revisionismus wie etwa in den Serien "Hollywood" oder "Bridgerton" zu betreiben, bleibt stets klar, dass sie in der Mehrheitsgesellschaft eine Außenseiterin bleibt. "Ich lebe in einem anderen Land als du", wirft sie Marian entgegen, als diese in einer ignoranten Geste der Wohltätigkeit Peggys Mittelklassefamilie alte Schuhe schenken will.

Träume von Frauen

Agnes’ Sohn Oscar (Blake Ritson) hingegen, der seine Homosexualität verbergen muss, will als Trostpreis dafür zumindest die reichste ledige Dame, Berthas Tochter Gladys (Taissa Farmiga), heiraten. Es sind Momente wie diese, in denen man als Zuschauer daran erinnert wird, wie jung noch viele unserer modernen sozialen Errungenschaften sind.

Neben Berthas Wunsch, das starre Elitendenken zu durchbrechen, und Peggys Wunsch, als schwarze Frau eine Karriere starten zu können, bekommt auch Marians Streben gegen die Konventionen Raum. "Ich will auch richtig arbeiten", erklärt sie Peggy. "Für einen New Yorker ist alles möglich", antwortet diese. Amerika, Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Auch wenn von den prunkvollen Bauten nicht mehr viel übrig geblieben ist, so ist die Gilded Age für Fellowes eine Ära der US-Geschichte, die nachhängt. "Es war der Moment, in dem Amerika aufhörte, eine Art europäische Kopie zu sein. Diese Leute kamen in die Stadt und begannen Paläste zu bauen. Es war ein Trainingsplatz für das Jahrhundert, in dem sie das Selbstvertrauen fanden, die westliche Welt zu dominieren."