Denkt man an einsame Inseln, liegen sie in der Vorstellung meist irgendwo, wo es Palmen gibt. Trotz wirklich sehr, sehr viel Landschaft keine Palme weit und breit in Rúm, obwohl der Name dank Spirituosengleichklang tropisch klingt. Aber "einsame Insel" trifft es ganz gut hier auf den schottischen Hebriden, denn Rúm hat gerade einmal 32 Einwohner. Zumindest hatte es so viele/wenige, als Sarah Vianney angefangen hat, ihre Doku "Schottlands Rum-Insel" zu drehen.

Begonnen hat es mit einer pandemischen Kuriosität: "Die Community der Insel hatte vier Häuser gebaut für Menschen, die in Rúm etwas zur Gemeinschaft beitragen wollen. Und zu Beginn der Pandemie sind die Anträge für diese Häuser plötzlich sprunghaft ins Sechsstellige angestiegen. Für so viele war die Vorstellung sehr attraktiv und romantisch, in einer kleinen, aber eng verbundenen Gemeinschaft zu leben, die doch fernab der Welt ist, die so hässlich sein kann."

Sarah Vianney (links) beim stürmischen Dreh. - © Vianney / Brecht
Sarah Vianney (links) beim stürmischen Dreh. - © Vianney / Brecht

Diese Gemeinschaft, in der Nachbarschaftshilfe keine Nettigkeit, sondern Lebensnotwendigkeit ist, porträtiert Vianney in ihrem Film, der am 1. Mai um 20.15 Uhr auf Arte zu sehen ist. Dave Beaton zum Beispiel ist sehr typisch für die Einwohner von Rúm: Hier hat kaum jemand nur einen Job, jeder trägt auf verschiedene Weise zum Gelingen des Insellebens bei.

Zutat: Algen

Dave Beaton, der Bildhauer mit der Kettensäge. - © Vianney / Brecht
Dave Beaton, der Bildhauer mit der Kettensäge. - © Vianney / Brecht

Beaton hat zum einen die profane Aufgabe, Produkte von der Fähre zum einzigen Geschäft zu fahren - die Schlaglöcher sorgsam umfahrend, "Die Straße mag das auch nicht", sagt er. Und zum anderen hat er eine integrative Aufgabe: Er bringt die Leute beim Grillen zusammen, er singt selbstgeschriebene und -komponierte Lieder. Und er macht Kettensägenkunst. Nun ja, es bleibt eben eine einsame Insel, ein bisschen Sonderling darf man da schon sein.

Kim, die Köchin des Pubs, erzählt, dass nicht nur sie jedes Mal nervös ist, wenn sie mit der Fähre aufs Festland fährt - so eine starke Bindung hat man hier zur Insel, dass man die Abwesenheit von ihr in der Seele spürt. Die Besonderheit von Rúm versucht der jüngste Neuzugang Fergus in Flaschen einzufangen. Er macht das Naheliegende: Rum auf Rúm. Möglicherweise der einzige Rum der Welt, für dessen Herstellung man nach Algen tauchen muss.(cb)