Es gibt Menschen, bei denen erkennt man die dunkle Seite nicht so schnell, oder man kann gar nicht glauben, dass sie überhaupt eine haben. Der kanadische Schauspieler Keanu Reeves ist so ein Fall. Natürlich kann man sagen, dass er als "John Wick" weniger auf Kommunikation denn auf Konfrontation setzt, aber mit seinem aktuellen Werk wird eine neue Form von blutrünstiger Unterhaltung geboten.

In "BRZRKR" (ausgesprochen: "Berserker") erzählen Keanu Reeves und Matt Kindt die Geschichte des alterslosen Söldners "B", der seit Jahrtausenden ein Leben voller Gewalt führt. Als die US-Regierung an den unsterblichen Krieger, der Keanu wie aus dem Gesicht geschnitten ist, herantritt, geht er einen Handel mit dem Teufel ein. Im Austausch für seine brutalen Dienste wird ihm Uncle Sam seinen größten Wunsch erfüllen - endlich sterben zu können.

Ein einfacher Plot mit Twist

. . . und Keanu Reeves, sein Schöpfer und auch der Schauspieler, der die Hauptfigur spielen wird. - © getty / Cross Cult / Boom
. . . und Keanu Reeves, sein Schöpfer und auch der Schauspieler, der die Hauptfigur spielen wird. - © getty / Cross Cult / Boom

Die Geschichte selbst ist schnell erzählt: Die Hauptperson "B", ist ein Halbgott mit Gedächtnislücken, der seit 80.000 Jahren in unterschiedlichen Schlachten kämpft und nun auf der Erde mit der US-Regierung zusammenarbeitet. Der Wunsch, endlich ein gewaltloses Leben führen zu können und sterben zu dürfen ("Ich will nicht sterben, ich will nur sterben können"), ist die Basis für die nicht ganz freiwillige und definitiv nicht unkomplizierte Kollaboration mit den US-Behörden. Von diesen wird "B" nämlich als Tötungsmaschine in jenen Gebieten eingesetzt, in denen es für den durchschnittlichen Soldaten keinerlei Überlebenschance gäbe.

Nach jeder Schlacht wird der schwer verletzte "B" wieder zusammengeflickt und neu programmiert. Zwischendurch tauchen immer wieder kurze Erinnerungsfetzen aus seiner Kindheit und seinem Leben auf. Auch diese nicht minder brutal - ermordete Mutter, göttliche Geburt, Ausnutzen seiner Kräfte durch den Vater und die stete Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz.

Netflix verfilmt den Stoff

"Comics sind großartig!", antwortet Keanu Reeves auf die Frage, warum er sich nach der erfolgreichen Eroberung Hollywoods und einem Abstecher ins Game-Business ("Cyberpunk 2077") nun dem Comicmedium zuwendet. Für den US-Verlag Boom hat Keanu Reeves zusammen mit Starautor Matt Kindt und Zeichner Ron Garney "BRZRKR" als 12-teilige Miniserie entwickelt und quasi im Alleingang mitten im Pandemiejahr 2020 den US-Comicmarkt vitalisiert. Allein Heft 1 wurde über 650.000 Mal verkauft. In den USA erschien gerade Band 8 .

Das Projekt wurde im Vorfeld von einer Kickstarter-Kampagne beworben und finanziert, die mit knapp 1,5 Millionen US-Dollar und rund 15.000 Unterstützern zu den erfolgreichsten Comic-Kampagnen aller Zeiten zählt. Die Rechte für den deutschsprachigen Raum sicherte sich das süddeutsche Comic-Label Cross Cult, das "BRZRKR" in drei Sammelbänden herausbringen wird. Band 1 erschien im April, Band 2 kommt am 15. August und das große Finale erscheint am 5. Dezember 2022.

Der Streaming-Dienst Netflix hat die Rechte an einer Verfilmung gekauft und wird mit Keanu Reeves in der Hauptrolle nicht nur einen Spielfilm, sondern auch ein Anime-Spin-off produzieren. Darin wird Reeves der Hauptfigur seine Stimme leihen. Für den "BRZRKR"-Film wurde bereits Mattson Tomlin als Drehbuchautor engagiert, einer der Schreiber hinter dem aktuellen "The Batman"-Film. Ein genaues Veröffentlichungsdatum steht jedoch noch aus.