Am 23. Oktober 2001 steht Apple-Chef Steve Jobs wieder einmal auf einer Bühne und will der Welt ein Produkt vorstellen, von dem sie bislang noch nicht wusste, dass sie es brauchen würde. Optisch wie immer - blaue Jeans und schwarzer Pulli -, spricht Jobs über die Entscheidung Apples, in den Musikmarkt einzusteigen, genauer gesagt in den Markt der portablen Musikplayer. Damals verwendeten Trendsetter "MiniDisc"-Player, portable CD-Player oder auch noch den Walkman für Kassetten und telefonierte mit Nokia-Handys.

Der "iPod", so der Name des Produkts, fülle jene Lücke, die es am Markt gäbe, nämlich ein kleines, leistungsfähiges Endgerät, das die eigene Musiksammlung in die Hosentasche brächte. Es folgt eine Aufzählung von Superlativen: Musik in CD-Qualität, abspielbar in den gängigen freien Musikformaten, 1.000 Lieder könnten auf der riesigen, fünf Gigabyte großen internen Festplatte abgespeichert werden. "Das ist ein Quantensprung", so Jobs. "1.000 Lieder, das sind mehr, als ein Mensch in seiner gesamten Musiksammlung überhaupt besitzt." Und all dies gäbe es nun in der Größe eines Spielkartendecks. Gesagt und schon zieht er aus seiner Jean den allerersten iPod heraus und hält ihn ins Publikum.

32 verschiedene Modelle

Der allererste iPod, vorgestellt 2001 von Steve Jobs höchstpersönlich. Ein ikonisches Design, inspiriert aus Dänemark. - © getty images / Apple
Der allererste iPod, vorgestellt 2001 von Steve Jobs höchstpersönlich. Ein ikonisches Design, inspiriert aus Dänemark. - © getty images / Apple

Zwanzig Jahre und 32 unterschiedliche Modelle später ist nun das Ende erreicht. Der iPod hat "ausgeshuffelt" und wird aufgrund des großen Erfolgs der "eierlegenden Wollmilchsau Smartphone" zu Grabe getragen. Der MP3-Player folgt damit den kleinen Digitalkameras nach, die ebenso durch die Handykameras abgelöst wurden. Es werden nur mehr die Lagerstände des aktuellen iPod Touch abverkauft, dann ist die Geschichte erledigt. Grund genug, einem der großen Helden des digitalen Musikgeschäfts einen würdigen Abschied zu bereiten.

Am Anfang der Erfolgsgeschichte stand, nachdem man entschieden hatte, dass es Bedarf und Geld im Bereich der Audiogeräte gibt, die Designfrage. Wie muss ein tragbarer MP3-Musikplayer aussehen und was muss er besser machen als die damals bereits am Markt befindliche Konkurrenz? Tony Fadell, er gilt als iPod-Erfinder, hat kürzlich berichtet, wie man bei Apple seinerzeit daraufgekommen ist, den iPod mit einem Klickrad auf den Markt zu bringen: Man wurde von einem dänischen DECT-Telefon inspiriert. So soll Apple-Marketing-Manager Phil Schiller ein Beocom 6000 von Bang & Olufsen mit zu einer Besprechung zum kommenden MP3-Player mit Steve Jobs mitgebracht haben. Der dänische Hersteller Bang & Olufsen verwendete damals ein Klickrad für die zentrale Steuerung des Geräts. Phil Schiller soll gesagt haben: "Das sollten wir auch machen." Mit dem Rad konnte beim Beocom 6000 schnell durch das Telefonbuch des Geräts geblättert werden, um auch bei vielen Kontakten zügig die gewünschte Person zu finden. Durch einen Klick auf das Drehrad konnte der entsprechende Kontakt angerufen werden. Außerdem konnten damit Anruflisten durchgeblättert werden. Damals war es Bang & Olufsen sehr wichtig, dass das Klickrad Geräusche macht, um Nutzern ein haptisches Gefühl zu liefern. Fadell berichtete zudem, dass ein erster iPhone-Prototyp ein Klickrad wie der iPod hatte. Außerdem gab es einen Drehmechanismus, um zwischen Klickrad und Handy-Tastatur wechseln zu können. Dieses Gerät ist so nie auf den Markt gekommen. Das große Feature des iPhone war ja bekanntlich dann ein berührungssensibler Bildschirm.

Der mittlerweile verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs mit dem allerersten iPod. - © apa / Justin Sullivan
Der mittlerweile verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs mit dem allerersten iPod. - © apa / Justin Sullivan

Zurück zum iPod. Dieser war der zweite Versuch von Apple, eine Produktfamilie außerhalb des klassischen PC-Geschäfts zu etablieren. Im August 1993 stellte der Computerkonzern den Taschencomputer "Newton" vor, dem ein Markterfolg allerdings versagt blieb. Der "Newton" wurde zwar von den Anwendern wegen seiner Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit geschätzt, doch bis 1997 konnte Apple nur rund 300.000 Exemplare davon absetzen. Im Zuge der Rückkehr von Steve Jobs zu Apple im Sommer 1997 wurde der "Newton" vom Markt genommen.

Die "U2"-Special-Edition aus dem Jahr 2004. - © apa / getty images / Mosenfelder
Die "U2"-Special-Edition aus dem Jahr 2004. - © apa / getty images / Mosenfelder

Erfolgsrezept

Dieses Schicksal soll dem iPod erspart bleiben. Durch den Start des Online-Musikservices "iTunes Music Store" im Jahr 2003 wurde nicht nur das iPod-Ökosystem nachhaltig gestärkt, Apple erkannte auch, dass sich mit Inhalten sehr viel Geld verdienen lässt. In einer der ersten Agenturmeldungen zum Start des ersten iPods stand Folgendes zu lesen: "Mit dem ‚iPod‘, der vorerst nur mit den Computern von Apple arbeitet, kann der Inhalt einer üblichen Audio-CD innerhalb von zehn Sekunden auf das Mobilgerät übertragen werden. Das Gerät wird in den USA für 399 Dollar (ohne Mehrwertsteuer) auf den Markt kommen. In Deutschland soll der 185 Gramm schwere Player für 520 Euro (7.155 S inkl. Mehrwertsteuer) zu haben sein." Jüngere Semester werden sich vielleicht fragen, wofür das "S" steht - für Schilling.

Die iPod-Familie kann nun auch Bild und Video. - © Apple
Die iPod-Familie kann nun auch Bild und Video. - © Apple

Nach den Anfangsjahren bis 2004 wurde der iPod stetig weiterentwickelt. Zunächst ging es um mehr Farbe, dann um ein kleineres Gerät, das mit der "iPod Nano"-Serie immer winziger wurde, später dann um einen Bildschirm, in weiterer Folge in Farbe und dann auch um einen Musikplayer, der Bilder und Videos abspielen kann. Ebenfalls 2004 erschien der "iPod photo", bald danach der erste Player, der auch Videos abspielen konnte. Auch Sondermodelle, etwa ein U2-iPod kamen im Lauf der Zeit auf den Markt. In diesen Jahren kontrollierte Apple schon 60 Prozent des weltweiten MP3-Marktes. Das Jahr 2007 war das Schicksalsjahr für den iPod. Denn im September dieses Jahres wurde der "iPod touch" erstmals vorgestellt und dessen Design war an das neue "iPhone" angelehnt, mit Touchscreen und Home-Button. Der iPod wurde in zwei kurzen Jahrzehnten von einem absoluten Must-have-Gerät zu einem im Grunde sinnlosen Gerät.

Auf die Größe kam es damals schon noch an. Bevor alles größer wurde, wurde es erst einmal winzig: der iPod shuffle. - © Apple
Auf die Größe kam es damals schon noch an. Bevor alles größer wurde, wurde es erst einmal winzig: der iPod shuffle. - © Apple

In vielerlei Hinsicht ist der iPod dafür verantwortlich, wie wir heute Musik konsumieren, und für den Boom beim Kauf digitaler Medien. Apple habe das Musikgeschäft gerettet, heißt es oft. Statt über illegale Tauschbörsen kauft man einzelne Lieder - Musikliebhabern ein Graus, Podcasts werden auch danach bestehen bleiben. Weg vom physischen Tonträger zum digitalen Download per Einzelkauf. Und dann zur Musik-Flatrate. Diese Innovationen ebneten den Weg für Streaming - und läuteten eine Ära ein, in der der iPod schließlich nicht mehr mithalten konnte.

Eine Familie vereint - das Portfolio Apples mit dem letzten iPod. - © Apple
Eine Familie vereint - das Portfolio Apples mit dem letzten iPod. - © Apple