Es war eine durchwegs logische Wahl: Keine der Figuren im Star-Wars-Universum vereint einerseits Sympathie und andererseits die Mystik der Macht so wie Obi-Wan Kenobi. Spielte er doch bereits im allerersten Film aus 1977 genauso eine tragende Rolle wie in allen drei Prequels. Und da klafft, mit Verlaub, eine gewisse Lücke, die Disney nun mit der neuen Serie "Obi-Wan Kenobi" zu füllen gedenkt. Die ersten beiden Episoden sind seit Freitagmorgen endlich abrufbar.

Die Eckpunkte sind bekannt: Nach der Übernahme der absoluten Herrschaft durch den Imperator lässt dieser die "Order 66" ausführen. Die
Jedi werden von Elitekriegern der Republik zu Gejagten des Imperiums. So gut wie alle kommen um. Nur Obi-Wan gelingt es, als einem von wenigen, zu entkommen. Wo er steckt, wissen wir schon aus Episode IV vom 1977: Auf Tatooine, wo er der Macht abschwört und versucht, ein ganz normales Leben als Arbeiter zu führen. Ganz in der Nähe von Luke Skywalker, der auf der Farm seines Onkels Owen ein Leben abseits der Macht zu führen scheint. Nur eine Aufgabe lässt sich Obi-Wan nicht nehmen. Er wacht aus der Ferne heimlich über den Buben, den der Jedi-Meister lieber früher als später beibringen möchte, die Macht zu nutzen. Doch Onkel Owen ist dagegen, er will von den Jedi nichts wissen. Denn Luke soll die Farm übernehmen.

Rupert Friend als Großinquisitor. - © Disney
Rupert Friend als Großinquisitor. - © Disney

Ewan McGregor legt seinen etwas gereiften Obi-Wan als zerrissenen, tief unglücklichen Menschen an, der sich dem Schicksal ergeben zu haben scheint. Er hat die Hatz auf die Jedi nur deshalb zehn Jahre überlebt, weil er sein Lichtschwert (wie auch jenes von Anakin) in der Wüste vergraben hat und die Macht konsequent nicht mehr einsetzt. Denn die Inquisitoren (allen voran der von Rupert Friend gespielte Großinquisitor) sind den verbliebenen Jedi noch immer auf der Spur. Ihr Gelübde ist es, das sie verrät. Und Obi-Wan weiß das. Wenn sie die Macht einsetzen, werden die Inquisitoren das erfahren. Doch dann kommt es zur Katastrophe. Eine ihm nahestehende Person wird entführt, und Obi-Wan muss doch eingreifen. Wird es ihn den Inquisitoren in die Arme treiben? Die von Obi-Wan nahezu besessene dritte Schwester (herrlich maliziös: Moses Ingram) könnte ihm eine Falle gestellt haben.

Eine Lücke wird gefüllt

Ganze 17 Jahre ist es her, dass Ewan McGregor zuletzt die Jedi-Kutte trug. Der düstere dritte Film der Prequel-Trilogie, "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith", endete 2005 dramatisch. Nachdem sich sein Schüler Anakin Skywalker (Hayden Christensen) gegen ihn gewandt hatte, kam es zum Duell auf Leben und Tod zwischen den einstigen Freunden. Schwer verletzt und verbrannt, blieb Skywalker an einer Lavaquelle liegen, wo ihn Obi-Wan seinem Schicksal überließ.

Die neue Serie spielt zehn Jahre nach diesen Ereignissen. "Er ist auf jeden Fall an einem anderen Punkt, als wir ihn zuletzt in den drei Filmen gesehen haben, in denen ich ihn gespielt habe", sagte Ewan McGregor in einem Interview, "aber es knüpft direkt an die vierte Episode an, in der ihn Alex Guinness spielt." Der Film, den McGregor meint, kam ursprünglich 1977 als "Krieg der Sterne" in die Kinos, heißt inzwischen allerdings "Star Wars: Episode IV - Eine neue Hoffnung". Guinness spielte Obi-Wan darin als alten Grantler.

Die Serie "Obi-Wan Kenobi" füllt die Lücke zwischen dem ersten Klassiker und dem dritten Prequel. "Er ist kein Jedi mehr, er benutzt auch nicht die Macht", erzählt McGregor. "Er hat seinen Glauben verloren und all seine Freunde, er lebt ein sehr einsames Leben. Aber er ist immer noch Obi-Wan!" Und Anakin ist bekanntlich nicht gestorben. Imperator Palpatine rettete ihn und verpasste ihm den schwarzen Helm und den schwarzen Anzug. So wurde aus Anakin Skywalker schließlich der berühmte Schurke Darth Vader, der jetzt auf Rache sinnt. Auch er spielt in "Obi-Wan" eine Rolle. Und es ist wohl der Auftritt, dieser besonders markanten Figur, dem Star-Wars-Fans besonders entgegenfiebern.

Disney lebt von Star Wars

Die ersten beiden Folgen der insgesamt sechs Episoden langen ersten Staffel sind bereits online, die anderen folgen im Wochenrhythmus. Eine zweite Staffel ist zudem bereits fix. Kein Wunder, ist es doch vor allem der Star-Wars- und Marvel-Content, der besonders viele Abonnenten an die Streamingplattform bindet. Während Netflix immer mehr unter Druck kommt, wächst Disney kontinuierlich. Wenn da mal nicht die Macht ihre Finger im Spiel hat!