Irgendwie könnte man an Entenhausen denken. Es zählt zu den Absurditäten dieser Comics-Hauptstadt, dass der Pechvogel Donald Duck hier ebenso haust wie der g’schaftige Detektiv Micky Maus, sich die beiden und ihre Freundeskreise aber niemals über den Weg laufen. Oder, richtiger gesagt, nur in feierlichen Ausnahmen.

Etwas Ähnliches darf man nun auch von "How I Met Your Father" erwarten. Die Serie dockt, wie schon ihr Titel verdeutlicht, an die beliebte TV-Reihe "How I Met Your Mother" an, sie spielt ebenso in New York und streckenweise in einer wohlbekannten Wohnung. Die Neuauflage gönnt sich aber eine personelle Frischzellenkur. War es im Original der wuschelköpfige Ted, der mit seinem Dackelblick neun Staffeln lang "der Richtigen" nachjagte und dabei zwar verhaltensoriginelle, aber weitgehend inkompatible Frauen umbuhlte - von der süße Zoey mit dem markigen Gatten ("Der Captain") bis zu Natalie, der unverhofft schlagfertigen Schönheit (Krav Maga!) -, so fahndet nun im Serienaufguss eine gewisse Sophie (Hilary Duff) nach dem Mann für den Altar. Und natürlich: Auch sie erzählt diese Erlebnisse den eigenen Kindern als Rückblick aus einer fernen Zukunft. Ob Sophies Nachwuchs letztlich ebenso viele Schwänke zu hören bekommt wie jener von Ted, werden die Quoten weisen.

Mit den Waffen der Nostalgie: Francia Raisa, Hilary Duff und Tien Tran von "How I Met Your Father" (von links nach rechts) posieren vor zwei wohlbekannten Schwertern. - © apa / getty images / afp / Emma McIntyre
Mit den Waffen der Nostalgie: Francia Raisa, Hilary Duff und Tien Tran von "How I Met Your Father" (von links nach rechts) posieren vor zwei wohlbekannten Schwertern. - © apa / getty images / afp / Emma McIntyre

Die ersten zehn Folgen sind hierzulande jedenfalls ab 8. Juni über das Portal Disney+ abrufbar, und sie meinen es scheinbar gut mit der Protagonistin: Die leidet jedenfalls nicht an einem Mangel an Tinder-Dates. Doch auch Sophie muss erkennen, dass eine Bettsportplattform in der Regel nicht den Partner ausspuckt, den man sich für die Ehe wünscht - intelligent, schön, sinnlich, treu und sowieso das ewige Glück verheißend. Aber gut: Vielleicht wird es dafür ja der Feschak Chris Lowell, bekannt aus der Serienschmonzette "Private Practice". Er schlüpft hier in die Haut eines gewissen Jesse und haust - ein cleverer Zug der Serienmacher - in der einstigen Wohnung von Teds Freunden Lily und Marshall. Das beschert dem Publikum nicht nur ein Wiedersehen mit zwei Dekorschwertern mit bewegter Vergangenheit. Auch das nahe gelegenen MacLaren’s, Stammtreff von Teds Freundesrunde, erlebt sein Revival.

Wir erinnern uns: Das war die Bar, in der Ted dem Ehehafen zwar keinen Zentimeter näher kam. Dafür hatte sein Kumpel Barney, der Paganini unter den Aufreißern mit einer Vorliebe für das Wort "legen...där!" und knifflige Herausforderungen (etwa das Erobern einer Frau nur durch Babysprache), hier gewissermaßen seine ewigen Jagdgründe. Die burschikose Robin wiederum hat hier, zur allgemeinen Erheiterung, wiederholt nutzlos von ihrer Heimat Kanada geschwärmt, während der Knuddelbär Marshall zum Unbehagen seiner Lily etliche Kindereien angezettelt hat. Etwa die irrwitzige Suche nach dem besten Burgerlokal New Yorks: Marshall hatte dessen Adresse vergessen und stachelt die Kumpelrunde darum zu einer Parforcejagd durch die Stadt an - verständlich, denn das begehrte Gericht weckt in ihm ähnlich poetische Gefühle wie die blaue Blume zu Zeiten der deutschen Romantik. Das sei nicht einfach "ein Burger", sagt Marshall Eriksen. Nein: "Es ist Gott, der zu uns spricht. Durch Essen."

Ein Nostalgie-Kult

Kaum eine Episode hat die Magie von "How I Met Your Mother" womöglich besser auf den Punkt gebracht. Stimmt natürlich: Diese Serie lebte auch von einem frechen Wortwitz und von Charakteren, die ihre kindischen Neigungen mit der Selbstverständlichkeit von Operettenfiguren ausleben. Doch vor allem schöpfte "How I Met Your Mother", gedreht 2005 bis 2014, verschmitzt aus den Töpfen der Nostalgie.

Damit betrat die Serie zwar kein unbeackertes Land, denkt man an die "Wunderbaren Jahre" (1988-1993). Doch die Kindergeschichten des Kevin Arnold neigten zur Rührseligkeit, die New Yorker Saga dagegen punktete durch ihre hohe Pointendichte und ihre Lust am augenzwinkernden Rückblick - auch auf die jüngere Kulturgeschichte. Als diesbezügliches Highlight ist natürlich daran zu erinnern, dass sich die erwähnte Robin in ihrer kanadischen Jugend als Popstar verdingte - und Videos veröffentlichte, die, vom Umschnallkeyboard bis zum Miniroboter, nur so vor 80er-Bezügen strotzten (die vielleicht unterschätzteste Perle in diesem kanadischen Popkosmos: "Two Beavers Are Better Than One"). Überhaupt kamen die 80er wiederholt ins Spiel: Auftritte von "Karate Kid" Ralph Macchio und seines Kontrahenten William Zabka waren Nostalgie-Balsam für die Seele eines entsprechend sozialisierten TV-Publikums.

Es gelang "How I Met Your Mother" aber auch auf andere Art, Pointen aus einer Vergangenheitsseligkeit zu schlagen. Man denke da nur an die bizarren Bräuche der Figuren. Etwa an den Sieben-Schichten-Salat der Familie Eriksen, dessen Rezept von Frau zu Frau tradiert wird - und der kein Salatblatt enthält, dafür umso mehr Gummibären und Zwiebelringe. Oder an den berüchtigten "Bro-Code", eine Art Bruderschaftsbibel für Aufreißer, die angeblich ein Urahn Barneys (Barnabas Stinson) verfasst hat. Und nicht zu vergessen eine Wette mit epischer Laufzeit: Sie versetzte Marshall in die Lage, dem armen Barney über einen großzügigen Zeitraum insgesamt acht Watschen zu verpassen - was bei jedem Schlag mit Rückblicken in die Episoden-Vergangenheit einherging.

Kurz: Es hat noch kaum eine Serie derart genüsslich einen Erinnerungskult betrieben. Und sie war damit, mag man vermuten, vielleicht auch ein Kind ihrer Zeit: Erst der digitale Technologieschub rund um das Millennium hatte es ermöglicht, selbst läppischste Kleinigkeit billig für die Nachwelt festzuhalten. Die Euphorie darüber könnte auch eine TV-Reihe befeuert haben, deren Erzähler seine Flegeljahre bis ins allerletzte, haarkleine Detail wiedergibt.

Ob sich dieser Erfolg mit "How I Met Your Father" wiederholen lässt? Nun - falls nicht, bietet der Nachfolger zumindest eines: Erinnerungen an legendäre Erinnerungen.