Am 23. November 1963 schrieb die britische BBC Fernsehgeschichte. An diesem Tag - einen Tag nach der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy, startete am 17.15 Uhr eine neue Serie namens "Doctor Who". Was damals wohl noch niemand ahnen konnte, es würde der Beginn der erfolgreichsten Fernsehserie aller Zeiten werden.

Da im kommenden Jahr das große 60-Jahre-Jubiläum ansteht, "Dr. Who" im deutschsprachigen Raum aber immer noch ein Nischendasein führt, ist es an der Zeit für einen Rück- und Ausblick. Wer Fan der Serie werden will, der hat einiges nachzuschauen. Das Wichtigste zuerst: Er heißt nicht Dr. und auch nicht Doctor Who sondern einfach Doctor. Denn der Titelheld ist kein Akademiker, sondern ein außerirdischer "Timelord" vom Planeten Gallifrey. Als Tarnung gibt er sich den Namen Doctor, was bei seinen Gegenübern immer die klassische Frage "Doctor wer?" auslöst. Sein Aussehen ist menschlich, bis auf seine zwei Herzen. Vor seinem Tod kann er sich in eine andere menschliche Gestalt "regenieren", deren Charakter er jeweils übernehmen muss. Nur sein Gedächtnis bleibt gleich. Der mindestens 900 Jahre alte Doctor reist durch Raum und Zeit, um das Universum vor dem Bösen zu bewahren. Wer durch die Zeit reist benötigt logischerweise auch eine Zeitreisemaschine - siehe Wissen - in diesem Fall ist die auf den Namen "Tardis" getauft und sollte sich eigentlich der jeweiligen Umgebung, in die der Doc gerade reist anpassen, durch einen Fehler hat sie aber seit Beginn der Serie die Gestalt einer englischen Police Box, einer Art Telefonzelle in der bekannten ikoischen, britischen Form, mit der Polizisten früher telefonisch Verstärkung anforderten.

Dass die Serie seit 60 Jahren läuft - mit einer Unterbrechung von 1989 bis 2005 -, ist einem dramaturgischen Kniff zu verdanken. Der Clou der Serie, der ihr dieses lange Leben bescherte, ist die Idee, den Titelheld verschiedene Reinkarnationen erleben zu lassen. So altert die Hauptfigur nie und wird gleichzeitig mit jedem Darsteller neu erfunden.

Der 14. Doctor startet

Bis jetzt gab es 13 offizielle Doktoren, vekörpert unter anderem von William Hartnell(dem allerersten Doctor) über Christopher Eccleston ("The Leftovers") und David Tennant ("Broadchurch"). Mit einem letzten Special geht diesen Herbst nun auch Jodie Whitakers Amtszeit als 13. Doctor in der britischen Kultserie zu Ende. Nachdem Jodie Whitaker zur ersten Frau in der Rolle des Timelords wurde und damit für reichlich Aufregung und leider auch sexistische Diskussionen in der Fangemeinde sorgte, übernimmt nun "Sex Education"-Darsteller Ncuti Gatwa als erster nicht-weißer Schauspieler als 14. Doktor die Hauptrolle der Serie. Sein Debüt in der Rolle wird er 2023 zum 60. Jubiläum der Serie feiern.

Der neue Dr. Who: Ncuti Gatwa, bekannt aus der Netflix-Serie "Sex Education". - © afp / Akmen
Der neue Dr. Who: Ncuti Gatwa, bekannt aus der Netflix-Serie "Sex Education". - © afp / Akmen

Ein Ende der Erfolgsgeschichte ist aber auch danach noch nicht abzusehen: Eigentlich sollte der Doctor nur 13 Regenerationen haben können, durch einen (weiteren) erzählerischen Trick haben die Macher seine Lebenszeit jedoch verlängert. Gemeinsam retten der Doctor und seine Gefährten also seit fast 60 Jahren immer wieder das Universum vor Feinden wie den Killerrobotern namens "Cybermen", den hasserfüllten "Daleks" oder dem bösen "Master", einem weiteren Timelord, der den Doctor schon seit seiner Kindheit kennt, sich nach seinem letzten Tod in einem Frauenkörper reinkarniert hat und sich seitdem "Missy" nennt.

Das Konzept der wechselnden Hauptdarsteller wurde ursprünglich aus der Not geboren: Als der Ur-Doctor Bill Hartnell krank wurde, und der Weiterbestand der Serie in Gefahr war, entwickelten die Macher den Trick mit der Reinkarnation. Dazu gibt es noch ein paar apokryphe Doctor-Darsteller, die nicht offiziell mitgezählt werden, so etwa Peter Cushing in zwei Kinofilmen, John Hurt oder Toby Jones. In einer Parodie im Jahr 1999 traten auch "Mr. Bean" Rowan Atkinson, Richard E. Grant und Jim Broadbent als inoffizielle Doctors auf. Da kann "Star Trek" einpacken. Mit einer Laufzeit von 1963 bis heute (allerdings mit der schon erwähnten Unterbrechung zwischen 1989 und 2005) hält "D. Who" den Rekord als langlebigste Science-Fiction-Serie. 2009 wurde die Show vom "Guinness Buch der Rekorde" zudem zur erfolgreichsten Sci-Fi-Serie aller Zeiten erklärt. Wer noch keine "Dr. Who"-Folgen gesehen hat: Nicht verzagen, ein Einstieg ist immer noch möglich. Die 26 Staffeln zwischen 1963 und 1989 gehören noch zur "klassischen" Serie, einige Episoden aus den Anfangsjahren gelten sogar als verschollen. 1996 gab es zudem einen Fernsehfilm. Das, was heute Millionen als "Doctor Who" kennen, begann erst, als 2005 die Serie von der BBC neu aufgelegt wurde, mit Christopher Eccleston als bereits neuntem Darsteller der Titelfigur.

Der perfekte Einstieg

Vorwissen aus der klassischen Serie ist nicht nötig, um mit der neuen Serie einzusteigen. Einige Episoden seien hier schnell erwähnt, damit man einen guten Einstieg in die "Dr. Who"-Welten bekommt: Aus der ersten Staffel der neuen Serie, also ab 2005, seien die Folgen "Rose" (Episode 1), "The Empty Child" (9) und "The Doctor Dances" (10) " "Bad Wolf" (12) und "The Parting of the Ways" (13) empfohlen. In der zweiten Staffel sollte man sich "The Girl in the Fireplace" (Episode 4), "The Impossible Planet" (8) "The Satan Pit" (9), "Army of Ghosts" (12) und "Doomsday" (13) anschauen. Und in der dritten Staffel gibt es mit "Blink" (Episode 10) jene Folge, die unter fast allen Fans als die beste "Doctor-Who"-Episode, die es je gab, gilt.

Die Zukunft aus Sicht des Jahres 1967. Die Mondmonster, genannt Cybermen, die im Jahr 2070 zu den großen Gegenspielern von Dr. Who werden. - © General / TopFoto / picturedesk.com
Die Zukunft aus Sicht des Jahres 1967. Die Mondmonster, genannt Cybermen, die im Jahr 2070 zu den großen Gegenspielern von Dr. Who werden. - © General / TopFoto / picturedesk.com

Und das, obwohl der Doctor selbst fast gar nicht darin vorkommt. Dafür aber die "weinenden Engel": Steinstatuen, die sich nur auf ihre Opfer zu bewegen können, wenn niemand hinsieht. Also, was auch immer Sie tun: Nicht blinzeln! Die erste, die erste wirklich unverzichtbar gute Episode mit Peter Capaldi als Doctor Nummer zwölf findet sich in der achten Staffel mit "Listen" (Episode 4). Weihnachstfolgen und Specials kann man sich auch immer wieder guten Gewissens zu Gemüte führen. Wer dann immer noch kein Fan der Serie ist, dem kann leider auch nicht mehr geholfen werden. Fest steht, dass unser Universum noch einige Male zu retten sein wird. Man darf gespannt sein, welche Neuerungen und Kniffe sich die Drehbuchautoren mit dem 14. Doctor Ncuti Gatwa einfallen lassen werden.

Zum Abschluss noch ein paar Kuriositäten aus der Rubrik unnützes Wissen: Die eingefleischten Fans der Serie, ungefähr mit den "Trekkies" (den Fans der "Star Trek"-Serie) vergleichbar, nennen sich "Whovians". Der neue Doctor-Darsteller wird in einer großen TV-Show zur besten Sendezeit verkündet. Da die BBC früher die Bänder in ihrem Archiv immer wieder überspielte, sind etliche alte Folgen verschollen. Mit den Worten des zehnten Doctors: Allons-y! Auf geht’s!