Selten lagen Strahlkraft und Schattenseite einer Technologie so eng beisammen, wie vor wenigen Tagen: Zum Thronjubiläum der britischen Queen bildeten Drohnen ein leuchtend buntes Bild eines Corgis, der Lieblingshunde der Monarchin, in den Abendhimmel, während am anderen Ende Europas die ferngesteuerten, unbemannten Flugobjekte zu Kriegszwecken eingesetzt wurden.

Im Ukraine-Krieg zeigt sich, wie der Einsatz von Drohnen die Kriegsführung verändert. Schon in den Kriegen der jüngeren Vergangenheit kamen die ferngesteuerten Waffensysteme zum Einsatz, aber noch nicht in dieser Breite. China, die Türkei und die USA sind hier als führende Herstellernationen und Exporteure zu nennen. Kürzlich erfolgte etwa die Taufe der "Zhu Hai Yun" in Guangzhou und setzt Peking damit an die Spitze der Entwicklungen in diesem Bereich. Das Schiff ist der erste reine Drohnenträger der Welt, der mehr als 50 autonome Luft-, Über- und Unterwasserdrohnen beherbergt. Auch die "Zhu Hai Yun" selbst arbeitet auf hoher See autonom und vollautomatisch, wird aber in belebten Gewässern und in Hafennähe ferngesteuert.

Vor allem die vollautomatischen, autonomen Killerdrohnen und Roboter sorgen nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes für Kopfzerbrechen, sie sind auch seit Jahren heftig umstritten. Dieses Kriegsgerät kann mittels künstlicher Intelligenz und Gesichtserkennung selbsttätig ihre Missionen ausführen, weshalb international ein Verbot dieser Waffengattungen gefordert wird. Zur Abwehr der Killerdrohnen werden wiederum Abwehrdrohnen benötigt und somit heizt sich die Spirale immer weiter an.

Ebenfalls erst vor wenigen Tagen vermeldete der Taser-Hersteller Axon Enterprise Inc., dass man ein Projekt zur Ausrüstung von Drohnen mit Elektroschockern zur Bekämpfung von Amokläufen stoppen werde.

Drohnen gegen Amokläufer

Die Idee kam dem Unternehmen kurz nach dem Schulmassaker in Uvalde, Texas. Man wolle eine Drohne schaffen, die Ersthelfer fernsteuern könnten, um einen Taser auf ein Ziel aus etwa 12 Meter abzufeuern. Dafür würden die Drohnen in den Gängen stationiert werden und durch spezielle Lüftungsöffnungen in Klassenzimmer gelangen. Die Umsetzung wird nun nicht erfolgen, da neun von 12 Mitgliedern des KI-Ethikausschusses des Unternehmens kündigten, weil sie befürchteten, dass die Drohnen mehr Schaden als Nutzen anrichten würden - etwa rassistische Ungerechtigkeiten verschärfen, die Privatsphäre durch Überwachung untergraben und tödlicher werden, wenn andere Waffen hinzugefügt würden. "Die Drohne lenkt die Gesellschaft von echten Lösungen für ein tragisches Problem ab", sagten ausscheidende Vorstandsmitglieder in einer Erklärung.

Doch ihren Durchbruch haben Drohnen schon längst erreicht, die Einsatzgebiete sind unglaublich vielfältig und immer neue Ideen zeigen den Nutzen der Technologie. Nicht nur im Krieg, in der Landwirtschaft, der Logistik, in Kunst und Kultur auch im Bereich von Umweltschutz und bei Rettungseinsätzen sind sie nicht mehr wegzudenken. In der Landwirtschaft werden Drohnen nicht mehr nur zur Ausbringung von Schädlingsbekämpfungsmitteln eingesetzt, sondern auch zur Suche nach Nützlingen aus der Luft oder aber als Bienenersatz zur Bestäubung.

Auch die Helfer des in der Seine in Frankreich herumirrenden Orcas haben bei ihrem Rettungseinsatz auf eine Drohne gesetzt. Zunächst hatte man versucht, den Orca mithilfe von Walgeräuschen Richtung Meer zu leiten. Auf den Drohnenbildern waren dann aber schon Geschwülste und ein fortgeschrittener Pilzbefall bei dem Tier festgestellt worden, was am Ende zur Entscheidung führte, den kranken Orca einzuschläfern. Dies allerdings nicht mittels Drohne.

Im urbanen Bereich wiederum werden Besiedelung und Versiegelung von Böden vermehrt mit den Flugkörpern untersucht. Auf das ferngesteuerte fliegende Auge setzt man vermehrt auch bei der Auffindung von Hitzeinseln in Städten, ebenso bei der Videoüberwachung aus der Luft, der Verfolgung von Flüchtigen oder in unwegsamen Gebiet Verirrten oder aber im Falle eines gefährlichen Feuerwehreinsatzes zur Erkundung der akuten Gefahrenlage. Auch die Logistikbranche steht vor einem großen Wandel. Gerade noch waren Zustelldienste oder besser gesagt ihre Boten während der Pandemie und den Lockdowns in aller Munde, schon zeichnet sich eine übermächtige maschinelle Konkurrenz zum Fahrradboten ab. In Texas, Arizona, Utah, Virginia, Arkansas und Florida können sich Kunden der Supermarkt-Kette Walmart ihre online bestellten Waren per Drohne nach Hause liefern lassen. Auch Amazon, der Google-Mutterkonzern Alphabet und der Logistik-Riese UPS wollen bald mit entsprechenden Angeboten starten. Wie es sich dann mit der leidigen Frage verhält, dass ein Zustellversuch unternommen wurde, aber niemand zuhause ist, muss auch noch geklärt werden. Der Himmel dürfte in Bälde - auf jeden Fall in manchen Ländern - mehr Drohnen als Vögel zu bieten haben. Auch hier, wie schon beim Thema Drohne als Kriegsgerät sind aber noch einige relevante Rechtsfragen zu klären, sowohl zum Datenschutz, wie auch zu Thema Überwachung und Drohnenverkehrsregeln in Städten.

Privatflüge und die Kunst

Der private Einsatz von Drohnen ist aktuell schon reglementiert, dennoch passieren, wie etwa vor wenigen Tagen in Venedig, immer wieder Zwischenfälle. Am Markusplatz musste die Feuerwehr eine abgestürzte Drohne vom Dogenpalast bergen. Sachschaden entstand zwar nicht, aber der Besitzer, nach dem immer noch gefahndet wird, hat mit einer empfindlichen Geldstrafe zu rechnen, da die Verwendung von Drohnen in Venedigs Altstadt streng verboten ist.

Auch als Sportgerät und bei Sportveranstaltungen sorgen Drohnen für spannende Wettflüge, aber auch atemberaubende Aufnahmen - sofern sie nicht einem Skifahrer fast auf den Kopf stürzen. Landschaftsaufnahmen, Flüge über unwegsame und unberührte Gebiete - all dies wäre ohne Drohnen kaum möglich und schon gar nicht leistbar. Auch die Filmindustrie setzt verstärkt auf Aufnahmen der fliegenden Kameras, die dank künstlicher Intelligenz den Schauspielern folgen und so spektakuläre Aufnahmen generieren können. Künstler beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit der Materie - kritisch in punkto Überwachung und Verlust der Privatsphäre, aber auch zur Erweiterung der fotografischen und filmischen Möglichkeiten und neuen Blickwinkeln auf die Welt und ihre Bewohner.

Schon vor rund sechs Jahren sorgten 100 Drohnen unter der technischen Leitung des Ars Eletronica Futurelabs in Linz für einen Weltrekordflug im Nachthimmel bei Hamburg. Der siebenminütige Flug schaffte es ins Guinness Buch der Rekorde. Schon 2012 glückte bei der Linzer Klangwolke der Versuch, mit 50 Drohnen ein riesiges Auge in den Himmel zeichnen zu lassen.

Womit sich der Kreis wieder schließt und der Buckingham-Palast im Jahr 2022 als eine Filmleinwand fungierte. Bilder der Queen werden auf die Fassade projiziert. Doch zum Schluss, als US-Soul-Ikone Diana Ross singt, ist auch der Palast nur noch Beiwerk. Im Himmel über dem Schloss malen Drohnen bewegliche Bilder in die Luft, Symbole der Queen: ein Corgi - ihre liebste Hunderasse, eine Handtasche, eine Teekanne, ein galoppierendes Pferd. Schließlich die Queen als Briefmarke. Was früher die hinter einem Flugzeug hergezogene Werbebotschaft war, sind nun animierte Drohnenflüge mit Schwarmintelligenz. Und dann sind Drohnen zudem auch noch Ersatz für ein Feuerwerk - eine klimaschonende, kreative Alternative mit Potenzial.

Man darf also sehr wohl gespannt sein, welche positiven Entwicklungen in der Welt der fliegenden Allzweckmaschinen das Leben der Menschen noch bereichern werden.