Es gibt wahrlich keinen Mangel an Teenager-Vampirserien. Wie wir spätestens seit "Buffy the Vampire Slayer" und "Twilight" wissen, taugt das Genre durchaus für romantische Verwicklungen. Schwierig, den Durst nach Blut und die romantische Anziehung unter einen Hut zu bringen. Wen darf man jetzt aussaugen, wen darf man küssen? Das musste Spike in "Buffy" erst lernen.

Bei Netflix hat man sich gedacht, dass das Serien-Genre "romantisch gesinnte Vampirjägerin sucht artigen Blutsauger" durchaus ein neues Kapitel brauchen könnte. Doch nicht irgendeines, man greift gleich tief in die Kiste der Weltliteratur und bedient sich bei Shakespeares "Romeo und Julia", das ja schon als Muster für so manches herhalten musste. Und so geht es auch bei "First Kill" (acht Folgen der ersten Staffel ab Freitag auf Netflix) um eine Liebe, die nicht sein darf. Warum nicht? So halt!

Juliette, der Name ist Programm

Die Handlung ist rasch erklärt: Als die Vampir-Teenagerin Juliette (Sarah Catherine Hook) ihr erstes Opfer töten soll, um ihren Platz in ihrer mächtigen Vampirfamilie einzunehmen, wählt sie sich als Zielobjekt Calliope (Imani Lewis) aus, die praktischer Weise neu in der Stadt und auf der High School ist. Zu Juliettes großer Überraschung ist Calliope jedoch kein x-beliebiges High-School-Mädchen, sondern eine Vampirjägerin aus einer berühmten Vampirjägerfamilie. Beide finden nicht nur heraus, dass sie sich gegenseitig nur schwer töten können, sondern auch, dass sie einander extrem anziehend finden.

So weit, so einfach. Denn das haben wir doch schon x-fach gesehen von "The Grim" bis "True Blood". Aber "First Kill" ist dennoch ein Upgrade. Alleine, wie liebevoll das Werkzeug Calliopes gearbeitet ist. Schnöder, geschnitzter Holzpflock wie bei "Buffy" ist out. Hier wird der Griffteil in edles Rindsleder gekleidet und mit Chromnieten verstärkt. Wenn schon Vampire zu Staub machen (auch hier gab es ein optisch ansprechendes Upgrade), dann bitte mit Style.

Wieder einmal "woke"?

Wie der Genre Klassiker "True Blood" wurde auch "First Kill" in Georgia gedreht. Sarah Catherine Hook, die die Juliette spielt, konnte schon in "Conjuring 3" und in der Serie "Monsterland" einschlägige Erfahrung sammeln. Auch Monsterjägerin Imani Lewis (22) konnte sich schon in "Vampires vs. the Bronx" einschlägig betätigen.

Wer jetzt moniert, dass Netflix natürlich ganz im Sinne seines "woke" Programms eine lesbische Beziehung mit einbauen musste, sei an den Präzedenzfall "Buffy the Vampire Slayer" erinnert, wo es schon in den Neunzigern eine lesbische Beziehung zweiter Hauptfiguren, Willow (Alison Hannigan) und Tara (Amber Benson) gab, die auch on air offen gezeigt wurde. Was umso mehr erstaunlicher war, da die Serie ja auf einem der als konservativ geltenden Fox-Sender aus dem Reich des nicht gerade progressiven Rupert Murdoch lief.

Die Vorlage zu "First Kill" stammt von der Bestsellerautorin der New York Times, Victoria "V. E." Schwabs, die 2020 eine gleichnamige Kurzgeschichte veröffentlichte. "First Kill", ist eine Liebesgeschichte, die allerdings wesentlich komplexer ist als die meisten Vorlagen. Schwabs ist am bekanntesten für den Roman "Vicious" aus dem Jahr 2013, die der "Guardian" als brillant einstufte, die "Shades of Magic"-Reihe, "The Invisible Life of Addie LaRue" und ihre Kinder- und Jugendbücher, die unter dem Namen Victoria Schwab veröffentlicht wurden.