Es war alles angerichtet für ein freudiges, nostalgisches, blutrünstiges Gemetzel. Der Klassiker dieses Gaming-Genres sollte unter dem Namen "Diablo Immortal" ein Comeback geben. Die Fans der "Diablo"-Serie warteten vier Jahre gespannt auf die Umsetzung für Smartphones und PC - ein Aspekt, der später noch große Bedeutung haben wird -, und vor wenigen Tagen war es endlich so weit. Doch was dann geschah, damit hatte man wohl nicht gerechnet, am wenigsten beim Entwicklerstudio Blizzard. Denn trotz wunderschöner Grafik, stimmiger Musik und einer durchaus gelungenen Umsetzung wird das Spiel gerade in der Luft zerrissen. Und das wahrlich nicht zu Unrecht.

Es liegt auch nicht am Spiel selbst, es liegt an all den Faktoren dahinter. So lassen die Entwickler keine Gelegenheit aus, den Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen. In nahezu unverfrorener Frechheit. Alle negativen Aspekte, die man von den "kostenlosen" Free-to-Play-Spielen (Games, die gratis gespielt werden können, sich aber durch "freiwillige" Zusatzkäufe finanzieren) findet, werden hier auf die Spitze getrieben. Und dies nun auch auf dem Computer, weshalb sich auch die PC-Spieler lautstark im Internet über den Titel beschweren.

Teuer, fad und vorhersehbar

Als wäre dies nicht genug, zeigt das Spiel auch, wie langweilig, vorhersehbar und nur auf möglichst viel Profit in kurzer Zeit fokussiert die Spielewelt geworden ist. "Diablo Immortal" ist ein Sittenbild der aktuellen Gaming-Branche, die in einer Krise steckt - allen Verkaufs- und sonstigen Rekorden in Pandemiezeiten zum Trotz. Ein Gamer schreibt, er habe bereits 6.000 Euro - echte Währung! - ausgegeben, aber immer noch keinen einzigen der sündhaft teuren, schwer zu erlangenden und im Spiel wesentlichen Edelsteine gezogen.

"Bellular News" rechnete mittlerweile aus, dass Spieler für einen vollständig ausgerüsteten Endgame-Charakter rund 100.000 Euro in die Hand nehmen müssten. "Diablo Immortal" ist bei Weitem nicht einmal das schlimmste und schon gar nicht das schlechteste "kostenlose Smartphonespiel", es setzt bloß konsequent um, was die Menschen in den vergangenen Jahren gelernt haben: Dort ein paar Euro, hier ein paar mehr, und dann erhält man Extraleben.

Wer nicht zahlt, kann natürlich wirklich gratis spielen, aber das dauert ungleich länger mit noch geringeren Chancen, die wesentlichen Hürden zu schaffen oder begehrte Teile zu bekommen. Somit spielt es am Ende gar keine Rolle, ob jemand eine gute Spielerin ist, ein Held des flinken Controllerfingers oder lange übt und ausprobiert. Am Ende gewinnt der, der das meiste Geld investiert hat. Daher regt sich auch immer größerer Widerstand gegen entsprechende Schuldenfallen und Abkassiererei.

Zeit für Kreativität

Die Gaming-Industrie am Smartphone boomt weiterhin, den Spielern wird das Geld aus der Tasche gezogen, vor allem Kinder können den Wert nicht erfassen, und auch die Beschwerdefälle und Inkassoschreiben häufen sich. Doch das sind nicht die einzigen Themen: Es mangelt auch an Kreativität, an Witz und an Ideen. Keine neuen Titel, die begeistern, stattdessen die zwanzigste Auflage der ewig gleichen Erfolgsspiele. Nintendos Switch braucht ebenso eine Neuauflage, wie Sony endlich die Probleme bei der PlayStation 5 in den Griff bekommen muss. Microsoft macht hingegen mit seinem Abo-Modell einiges richtig, verfolgt aber damit auch den Weg des Mietens auf Zeit anstelle des Besitzes physischer Datenträger. Andere sprechen nur noch vom Cloud-Gaming - hier braucht es weder teure Hardware noch Datenträger. Ein Vorteil, der auf der Minusseite hat, dass man stets eine schnelle Internetverbindung benötigt, und sobald ein Dienst eingestellt wird, sind auch die gekauften Spiele weg.

Es wird sich in den nächsten Jahren zeigen, welchen Weg man in der Branche einschlagen will - den an den Spielern vorbei, noch mehr hin zum schnöden Mammon oder doch eine Renaissance all der Dinge, die Computerspiele einmal ausgemacht haben, als es noch ums Nachdenken, Abtauchen, Ausprobieren und Geschichtenerleben ging? Computerspiele sind ja selten realistisch - warum muss es dann aber so laufen, dass immer nur das große Geld am Ende gewinnt?