Rowan Atkinson ist wahrlich ein Comedian der Extraklassen. Seine Sitcoms wie "Blackadder", "Mr. Bean" oder sein Agent Johnny English sind unbestritten und haben längst Kult-Status. Nun hat der 67-jährige Brite für Netflix eine neunteilige Serie entwickelt, die den berühmten Mr. Bean-Humor aufnimmt, aber ihn sanft ins Heute gleiten lässt.

In "Man vs. Bee" geht es um Trevor, gespielt natürlich von Atkinson selbst. Trevor hat nach längerer Arbeitslosigkeit einen neuen Job gefunden. Er ist bei einer House-Sitter-Firma untergekommen, die reichen Menschen ein gutes Gefühl während ihres Urlaubs gibt, indem ein Mensch das Haus bewacht. Doch die Villa, die Trevor bewachen soll, ist ein High-Tech-Schuppen, von oben bis unten vollgestellt mit Kunstwerken von Monet bis Kandinsky. Teure Kunst! Und Unikate wie eine hunderte Jahre alte Bibelhandschrift. Und da ist ein Hund namens Cupcake, der wahnsinnig gerne einmal so richtig in dem modernen Museum toben würde. Alles geht hier elektronisch. Ein Handbuch soll Trevor über alles Wichtige informieren. Aber das Handbuch ist aus Holz und der Herd ist schwierig zu steuern.

Der Hummel Herr werden

Zusammen mit Trevor zieht jedoch noch ein weiterer Hausgast ein, eine Hummel (im englischen "Bee)" und die erweist sich als Endgegner für den einfachen Mann. Bei dem Versuch, dem Insekt Herr zu werden, führt eines zum anderen und man beginnt, mit dem armen Mann mitzufühlen, wenn eine Katastrophe nach der anderen passiert. Es ist die erste größere Atkinson-Premiere seit längerem, die für das Fernsehen gedacht ist. Und tatsächlich scheint die Figur des Trevor, in Jeanshose und Karohemd, einem gealterten Comedian wie auf dem Leib geschneidert.

Atkinson, der auch als Produzent und Showrunner agiert, sagt über die Entscheidung, keinen weiteren Mr. Bean zu machen: "Mr. Bean ist sehr lustig, aber er ist auch ein Weirdo, eine kindische Figur, die sehr auf sich selbst bezogen ist. Ich wollte eine Figur, die einen breiteren Horizont hat, etwas milder und netter, in Summe einfach auch mehr identifizierbar."

Wie so oft kommen die neun kurzen Episoden nahezu ohne Dialoge aus. Lediglich am Anfang gibt es Interaktion, wenn die Familie in aller Eile das Haus an Trevor übergibt. Jing Lusi gibt dabei eine herrlich affektierte Hausbesitzerin namens Nina Kolstad-Bergenbatten, so liebenswürdig wie ihr Doppelname, der schon Böses schwant, als Trevor ihr sagt, dass das sein erster Einsatz ist. Aber der übliche Housesitter hat abgesagt und das Auto wartet, also bleibt nur, das beste zu hoffen.

Lasst die Hoffnung fahren

Es bleibt bei der Hoffnung. Eine Herausforderung war auch die Animation der "Bee", die eigentlich eine Hummel ist und in den Netflix-Unterlagen glatt zur "Fliege" mutiert. Es ist gelungen, der Hummel soetwas wie Mimik zu geben. Man merkt, das Flugtier hat es auf den armen Trevor abgesehen und nimmt den Kampf durchaus persönlich. Dabei ging es um reine Suggestion. Minimale Bewegungen, etwa, wenn sie ihre Füße aneinander reibt, kann man als Reaktion auf Atkinsons Schauspiel sehen. Sehr subtil und doch humorvoll.

Lange Recherchen auf YouTube ergaben, dass Flüge, die wie ein "S" geformt sind, als am Natürlichsten wahrgenommen werden. Technisch orientierte man sich am vor kurzen erschienenen Film "Dumbledores Secret" und setzt auf eine Mischung aus Puppenspiel und Theatertechnik. In Summe eine auf Atkinson zugeschnittene Hochglanz-Comedy mit Mitleids-Momenten. Eine Bereicherung für das zuletzt ausgedünnte Netflix-Ensemble.