Microsoft wird nach Bill Gates’ Worten auch in Zukunft als Anbieter eines "Internet Online Service" den Zugang zum globalen Computernetzwerk vermarkten und seinen Kunden einen "Internet-Zugriff auf Knopfdruck" ermöglichen. Die Produktlinie von Microsoft umfasst unter anderem ein verbessertes Internet-Programm, mit dem die Seiten des World Wide Webs (WWW), des multimedialen Teils des Internets, dargestellt werden. Um die Dominanz des WWW-Programms "Navigator" von Netscape zu brechen, wird Microsoft seinen neuen "Internet Explorer" kostenlos verteilen und auch konkurrierenden Onlinediensten wie Compuserve anbieten. Zudem stellte Microsoft eine Erweiterung seines Betriebssystems Windows NT vor, mit der man selbst WWW-Seiten in das Computernetz bringen und elektronischen Handel abgesichert abwickeln kann. Auch in diesem Bereich konkurriert Microsoft mit Netscape.

So lautete die Agenturmeldung vom 8. Dezember 1995. Es war der Anfang einer großen Erfolgsgeschichte - mit Höhen und Tiefen, die nun endgültig zu Ende geht. Der Internet Explorer ist nicht mehr. Microsoft setzt auf seinen anderen Browser "Edge", der schneller und sicherer sei, so das Unternehmen. Mehr als ein Jahrzehnt lang war der Explorer die beliebteste Anwendung für die Internetnutzung. Heutzutage verwenden 65 Prozent aller Internet-Nutzer das Konkurrenzprodukt Google Chrome als Hauptbrowser, das seit 2008 verfügbar ist. Microsoft bietet seit 2015 den Browser Edge an, der mit Chrome und dem Apple-Browser Safari konkurrieren soll und zurzeit einen Marktanteil von drei Prozent hat. Zum Abschied nun ein Rückblick in der WWW-Historie, mit einigen bekannten Namen, die einige Nutzer vielleicht schon wieder vergessen haben.

Ohne Erotik

Der erste Browser der Geschichte erblickte 1991 das Licht der Welt. Zwei Jahre nach der Entwicklung des World Wide Web und hörte auf den Namen "WorldWideWeb"; kein Scherz. Erfinder beider Technologien war der britische Wissenschafter Tim Berners-Lee. Es war der erste leicht verfügbare Zugang zur Online-Welt - das in erster Linie aus dem CERN gehörenden Informationen bestand und ohne Erotik-Seiten auskam. Später wurde das Tool in Nexus umbenannt, damit der Unterschied zum World Wide Web klarer ersichtlich wurde. Der nächste Meilenstein wurde 1993 erreicht, als mit dem "Mosaic"-Browser erstmals Text und Bilder zusammen angezeigt werden konnten. Es war auch der erste Browser, der vergleichsweise problemlos auf Windows-Computern lief.

In der Geschichte der Browser zeigt sich häufiger, dass eine Abspaltung von Entwicklern zu neuen, spannenden Lösungen führt, so auch Mitte der 1990er Jahre, als Marc Andreessen, Entwickler bei Mosaic, seine eigene Firma gründete - Netscape. Der Netscape Navigator machte das Internet zu einer bunten und lebendigen Stadt. Er unterstützte das Laden der Seite direkt beim Aufruf und machte auch Webseiten abseits universitärer Anbindung über ein DFÜ-Modem mit 14,4 kbit/s Übertragungsgeschwindigkeit verfügbar. Mitte der 1990er Jahre hatte das Unternehmen einen Marktanteil von bis zu 85 Prozent. Der Netscape-Börsengang im Jahr 1995 gilt als der Startpunkt der New-Economy-Euphorie, die zum Beginn dieses Jahrzehnts im Platzen der Internet-Blase mündete. Aus Netscape ging wiederum die offene Browser-Software Firefox hervor, die lange Zeit der stärkste Konkurrent von Microsofts Internet Explorer war.

Napster über Nacht

Es war die Zeit von Tools wie dem legendären Messenger ICQ, den nützlichen Tools WinRar, WinZip und dem Mediaplayer Winamp. Man nutzte Napster, ließ dabei die illegalen Musikdownloads über Nacht laufen, weil es so lange dauerte, bis ein einzelner Titel endlich auf der Festplatte war, und brannte sich dann seine Mix-Scheiben zusammen. Viele User verwendete den AOL-Client, um ins Internet zu gelangen, in Österreich machte Libro mit lion.cc auf sich aufmerksam. CDs als Beigaben zu Magazinen boomten, sofern sie Software, meist egal welche, darauf hatten, denn einen Download hätte man weder zeitlich und finanziell über das Internet geschafft.

Der Internet Explorer war es dann, der das Ende des Navigators einläutete und sich selbst auf Platz 1 der Rangliste der Webbrowser katapultierte, um dann seinerseits wieder von Googles Chrome verdrängt zu werden. Anfang der 2000er Jahre waren die Programme übrigens wöchentlich im Zentrum von Sicherheitswarnungen, die zu Hackerangriffen führten.

Jahrelang stand der Internet Explorer beziehungsweise dessen enge Integration an das Betriebssystem Windows im Fokus eines Wettbewerbsstreits. Erst 2010 war es dann möglich, bei der Installation von Microsoft Windows den Browser frei zu wählen - neben dem hauseigenen Internet Explorer wurden elf weitere Webbrowser als Alternativen angeboten, so etwa Mozilla Firefox, Google Chrome, Apple Safari oder Opera. Und nun wird sich erst weisen, ob Microsoft mit seinem Edge wieder zu Google aufschließen kann.

Ende mit Schrecken

In Japan führt das Ende des Internet Explorers, obwohl seit geraumer Zeit bekannt, zu massiven Beeinträchtigungen. Experten rechnen damit, dass es nun monatelang Probleme geben wird. Viele Unternehmen und Regierungsbehörden in Japan, die bis zur letzten Minute mit der Aktualisierung ihrer Websites warteten, scheinen von Panik erfasst. Aktuelle Meldungen zeigen, dass noch immer viel zu viele Webseiten auf den Explorer optimiert waren und derzeit immer noch große Probleme beim Umstieg auftreten - sofern ein solcher überhaupt schon angegangen wurde.

Eine andere Überraschung erlebte hingegen ein Mann aus Südkorea. Der Software-Entwickler Jung Ki-young erlebte mit der Entscheidung Microsofts, den Internet Explorer einzustellen, das Ende einer Hassliebe, die seit einem Vierteljahrhundert andauert. Um das Ende des Browsers entsprechend zu feiern, entwarf und bestellte er einen Grabstein mit dem markanten "e"-Logo des Explorers und der englischen Grabinschrift: "Er war ein gutes Werkzeug zum Herunterladen anderer Browser."

Nachdem das Denkmal in einem von seinem Bruder betriebenen Café in der südlichen Stadt Gyeongju ausgestellt wurde, ging ein Foto des Grabsteins viral. "Er war eine Nervensäge, aber ich würde es auch als Hassliebe bezeichnen, weil der Explorer selbst einst eine Ära dominierte", sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: Er habe länger gebraucht, um sicherzustellen, dass seine Websites und Online-Anwendungen mit dem Explorer funktionierten, als mit anderen Browsern. Aber seine Kunden baten ihn immer wieder, dafür zu sorgen, dass ihre Websites im Explorer gut aussehen, der in südkoreanischen Regierungsstellen und vielen Banken jahrelang der Standardbrowser blieb. Nun denn, ruhe in Frieden.