Das 4Gamechangers-Festival ist am Donnerstag (30. Juni) mit einem Medien- und Datenschwerpunkt in den ersten und zugleich letzten Tag vor Publikum gestartet. In der Marx Halle in Wien skizzierte dabei Gerhard Zeiler, President International bei Warner Bros. Discovery, die Zukunft des Fernsehens. Der Streamingboom setze sich fort, aber lineares Fernsehen sei nicht tot, prognostizierte er.

Entscheidend für ein Medienunternehmen sei, ob es sich rasch an die Wünsche des Publikums anpassen könne. Denn: "Der Konsument entscheidet, der Konsument ist König", sagte Zeiler. Dabei habe man im Bewegtbildbereich mit immer mehr Konkurrenz zu tun. Längerfristig werde der Markt jedoch unter einigen wenigen Anbietern aufgeteilt werden - alleine schon aus finanziellen Gründen. "Größe zählt", meinte der österreichische Medienmanager.

Verschiedene Bezahlmodelle

Um bestehen zu können und die produzierten Inhalte auch refinanzieren zu können, müsse man sich auf die eigene Marke konzentrieren und den Nutzerinnen und Nutzern etwas bieten, das sonst niemand im Angebot habe. Auch sei es von Vorteil möglichst breit aufgestellt zu sein und verschiedene Bezahlmodelle zu etablieren: neben Abonnements auch billigere Modelle mit Werbung oder auch reine Werbefinanzierung.

APA-Geschäftsführer Clemens Pig strich in einer Keynote die "Schlüsselrolle" von Nachrichtenagenturen für den Nachrichtenmarkt hervor. Sie seien zwar vielen in der Bevölkerung nicht bekannt, verantworten aber bis zu zwei Drittel der täglich an die Öffentlichkeit gelieferten Informationen. "Bedrückend" sei, dass lediglich 20 von 140 Nachrichtenagenturen weltweit staatlich unabhängig agieren und diese mit schrumpfenden Ressourcen konfrontiert seien.

Europäische Medien-Genossenschaft

Um weiter unabhängig arbeiten zu können, müsse man aktiv werden. "Lasst uns eine europäische Technologie-Genossenschaft im Eigentum der freien Nachrichtenagenturen und Medien gründen", schlug der APA-Chef vor. Mit dieser könnte in einer europäischen Digitalökonomie kooperativ gewirtschaftet werden - ein echter "Gamechanger" wäre das, so Pig, der auch Präsident der europäischen Nachrichtenagentur-Allianz EANA ist.

Am Vormittag widmete sich ein kleiner Schwerpunkt dem Umgang mit Daten. Brittany Kaiser, Mitbegründerin der "OwnYourData"-Foundation und Cambridge-Analytica-Whistleblowerin, meinte in ihrer Keynote, dass Daten mittlerweile das wertvollste Gut weltweit geworden seien. In einer perfekten Welt könnten Daten viele der größten Probleme unserer Zeit wie Krieg oder auch Hungerkrisen lösen, zeigte sie sich überzeugt. Dazu müsste man aber schaffen, mit Daten sicher umzugehen. Derzeit sei das Datenrecht aber noch einer der am schwächsten entwickelten Gesetzesbereiche, gab die Whistleblowerin zu Bedenken.

Digitalisierungsstaatssekretär Florian Tursky (ÖVP) hielt fest, dass mit zunehmender Digitalisierung auch die Verantwortung des Staates wachse, sicher mit Daten umzugehen und etwa Vorfälle wie Datenleaks zu verhindern. Hier sollte verstärkt im europäischen Kontext gedacht werden, meinte er. Auch sprach er ein gewisses Misstrauen gegenüber E-Government-Anwendungen an: "Wir müssen das Vertrauen in digitale Lösungen des Staates massiv steigern."(apa)