Als man den Mann zum ersten Mal in seine Uhr sprechen gesehen hat, die ihn mit seinem Auto verbunden hat, das auch (!) sprechen konnte, da konnte man es wirklich nicht ahnen. Dass dieser David Hasselhoff, der am Sonntag 70 wird, es irgendwie schaffen würde, sich in den Weltgeschichtslauf einzuschreiben. "Was hat David Hasselhoff mit dem Mauerfall zu tun?" ist eine Suchanfrage, die einem Google bereitwillig vorschlägt - weil es offenbar nicht wenige gibt, die darüber grübeln.

Die Annahme, der US-Schauspieler und Sänger habe die Berliner Mauer damals im Alleingang zu Fall gebracht, ist zwar keine Mehrheitsmeinung. Aber irgendwie ist sein Name mit diesem historischen Ereignis doch auf so eigentümliche Weise verquickt, dass zumindest ein Funken an Zweifel besteht, dass es nicht so ist. Wie genau es passiert ist, dass ein Auftritt (ausgerechnet mit dem Song "Looking For Freedom") bei der Silvesterparty 1989 vor dem Brandenburger Tor, also der "bezwungenen" Mauer, sich zu einer kuriosen Unterart der Urban Legend entwickeln konnte, ist nicht klar. Aber es wäre ja nicht der erste Scherz, den einer ernstgenommen hat und ihn als unverrückbaren Fakt weitererzählt hat. Und es gibt ja nach wie vor Ostdeutsche, die "The Hoff" nur so halb unernst als "Befreier" bezeichnen.

Das weiß David Hasselhoff natürlich. Und so kam es dazu, dass er vor neun Jahren auch antrat, um die einst zu Fall gebrachte Mauer nun wieder zu retten: Er protestierte energisch mit bei einer Demonstration gegen eine Immobilie, die an der East Side Gallery am ehemaligen Todesstreifen errichtet werden sollte (und auch errichtet wurde). Die Dichte an ironischen David-Hasselhoff-Souvenirs in Berlin war zwar schon mal höher, aber trotzdem hat er 2019, also zum 30. Jubiläum des Mauerfalls, einen Hörbuchkrimi veröffentlicht, der diese Mystifizierung noch mal einzementiert. In "Up Against The Wall" wird der Schauspieler mit einem CIA-Agenten verwechselt, was dann passiert, kann sich jeder ausmalen. Und KITT tritt auch auf.

Ja also KITT. KITT war der "Kumpel" von David Hasselhoff in der Serie, die ihn - als Michael Knight - in den 80er Jahren berühmt gemacht hat. Noch Jahrzehnte später murmeln manche andächtig beim Anblick des smarten Lockenkopfs in Lederjacke vor schnittigem Auto: "Knight Rider - Ein Mann und sein Auto kämpfen gegen das Unrecht."

Kumpel KITT

Ja, KITT war ein Auto. Aber man muss nicht mitleidig seufzen, dass der arme Kerl nur ein Auto zum Freund hatte. Denn KITT war ja nicht irgendein Auto. Er konnte nicht nur sprechen, er hatte die besten Gags des gesamten "Knight Rider"-Ensembles. Er konnte auch - unter anderem! - mit seinem rot hin und her wandernden Scanner um die Ecke sehen, er konnte in die Navigation anderer Fahrzeuge eingreifen, er konnte aus dem Heck Rauch versprühen, um Verfolger abzuhängen, er konnte sein Motorengeräusch in "Stumm-Modus" schalten, um sich anzuschleichen, er hatte einen Schleudersitz, ein Kennzeichen, das sich eigenständig wechselte, und einen eingebauten Bankomaten. Er konnte über Wasser fahren und, mit seiner spektakulärsten Eigenheit, dem "Turbo Boost", sogar fliegen. Also nicht weit. Aber immerhin.

Kurz: KITT ist das, was rauskommt, wenn eine Gruppe Achtjähriger ihre Matchbox-Sammlung zusammenlegt und ins Fantasieren kommt, was das ultimativ Geilste an einem Auto sein könnte. Und dann kommt noch die kleine Schwester von einem dazu und sagt: Man müsste auch mit ihm aus der Ferne sprechen können, nämlich über eine hübsche Armbanduhr. Man merkt schon: "Knight Rider" hat seine Fans nicht wegen des stupenden Schauspieltalents von David Hasselhof gesammelt. Obwohl: Die völlig seriöse Lachhaftigkeit, die er in der Doppelrolle des bösen Zwillings Garthe Knight an den Tag legt - mit schmalem Pornoschnäuzer und Gehstock mit integrierter Waffe - hat natürlich gerade deswegen Kultstatus.

Wogende Busen

Die meisten Schauspieler schaffen nur eine Kultserie pro Karriere. Hasselhoff hat zwei. Drei Jahre nach dem Ende von "Knight Rider" zog er sich eine rote Badehose an und zog sie erst zwölf Jahre später wieder aus. "Baywatch", eine Rettungsschwimmerserie, deren Konzept im Grunde aus schönen Menschen in Badeanzügen bestand, floppte in den USA gleich mit der ersten Staffel kapital. Aber Hasselhoff produzierte sie selbst weiter und so wurden wogende Busen in roten Badeanzügen in Zeitlupe zum Welterfolg: Hasselhoff steht im Guinness Buch der Rekorde als "Der Mann, der von den meisten Menschen im Fernsehen gesehen wird", weil "Baywatch" in Spitzenzeiten mehr als eine Milliarde Zuseher in 240 Ländern hatte.

Die charakteristische Zeitlupe entstand übrigens ursprünglich aus Geldmangel: "Die Staffel war noch nicht fertig, das Geld aber schon aus. Also haben wir die Folgen ausgedehnt mit den Zeitlupenszenen. Und dann haben wir bemerkt, dass das dem Publikum ganz gut gefällt", hat er einmal erzählt. Er sollte seine Rolle als Mitch Buchannon übrigens Jahre später noch einmal in einem Film mit einem sprechenden Schwamm wiederholen. Der Gastauftritt im "Spongebob Film" machte eine Geheimwaffe des späten Hasselhoff deutlich: Diese ihm eigene Form der Selbstironie, die er mit inbrünstigem Ernst versieht.

Das hat ihm wohl auch geholfen, sich nach seinem größten Absturz wieder zurückzukämpfen. Denn nach wie vor ist eines der würdelosesten Videos auf Youtube eines, das ausgerechnet seine Tochter von ihm gemacht hat. Sturzbetrunken, lallend, nicht in der Lage, einen Burger zu essen. Es hat ihm das Leben gerettet, weil er nur so seine Abhängigkeit in den Griff bekommen konnte.

Hoffismus

Wenn Hasselhoff eines kann, dann Comeback. Obwohl er selbst mitunter fast so überrascht darüber scheint wie der Rest der Welt. Manchmal muss er auch gar nichts tun. Etwa damals als in Australien unter ein paar Sekretärinnen der Wettbewerb kursierte, wer das originellste Wortspiel mit dem Spitznamen Hoff kreieren kann: "Some Like It Hoff" oder the "Wizard of Hoff" - sogenannte Hoffismen. Hasselhoff selbst war ahnungslos, wurde aber in einer Talkshow darauf angesprochen und rief in Richtung der Ladys: "Don’t hassle the Hoff!" - etwa "Leg dich nicht mit dem Hoff an. Und schon war ein T-shirttauglicher Slogan zur Hoff-Vermarktung geboren.

Der wahrscheinlich abwegigste Part von Hasselhoffs Karriere ist bizarrerweise der nachhaltigste: die Musik. Erst im Vorjahr veröffentlichte er ein neues Album mit deutschen Schlagern, nächstes Jahr ist er auf Tournee damit. Österreich spielt hier übrigens eine erstaunliche Multiplikatorenrolle. Denn in den USA machte Hasselhoff keine Meter mit seinen Songs. Dann gewann eine Österreicherin ein Mittagessen mit ihm und erzählte ihm, sein "Night Rocker" sei Nummer eins in den Charts (damals: Hitparade) ihrer Heimat. Hasselhoff: "Sicher? ‚Night Rocker? Night Rocker hat sieben Stück verkauft und ich hab sechs davon.‘ Dann fragte ich: ,Wo ist Österreich?‘" Es folgte eine Tour nach Europa, wo der deutsche Musikproduzent Jack White sich seiner annahm. Und dann: "Looking For Freedom". Und dann: Mauerfall. Wow.