In der wundersamen Welt der Sozialen Netzwerke kam in den letzten Tagen einige Bewegung. Von Snapchat über TikTok bis zu WhatsApp und Signal gibt es neue Funktionen zu vermelden, aber auch einiges Negatives zu berichten. Die Krise hat nun auch das Silicon Valley und damit die Sozialen Netzwerke erreicht, und somit zuerst zu den negativen Entwicklungen in der Branche. Der einbrechende Werbemarkt macht den Konzernen zu schaffen.

Weniger neue Jobs

Von Apple bis hin zu Google, Meta und TikTok wird berichtet, dass es entweder zu Entlassungen beim Personal oder zumindest zu keinen Neuanstellungen in absehbarer Zeit kommen wird. Es handelt sich dabei um die erste große Stagnation in der IT-Branche seit zehn Jahren: Die Google-Mutter Alphabet stellte seit 2012 mehr als 100.000 Menschen an, der Facebook-Konzern Meta wuchs in dieser Zeit von 5000 auf 70.000 Beschäftigte an. Auch Apple, Snap, Spotify und Microsoft werden weniger Personal suchen und TikTok soll auch Entlassungen planen. Bei Twitter läuft derzeit ohnehin alles drunter und drüber. Nun droht auch noch ein langer Rechtsstreit mit Elon Musk, nachdem dieser von seinem Kaufvertrag zurücktreten will. Das Thema Datenschutz ist und bleibt bei den Anbietern der Netzwerke ein großes: TikTok wird dabei zum Spielball der politischen Diskussion zwischen China und den USA. Es geht dabei um die Frage, wer Zugriff auf die Daten habe und ob dies etwa von Seiten chinesischer Behörden der Fall wäre.

Die TikTok-Mutter Bytedance versichert, dass der Datenzugriff streng reglementiert und kontrolliert würde. Auch europäische Nutzerdaten sind aktuell nicht in Europa gespeichert - eine entsprechende europäische Server-Infrastruktur soll es erst 2023 geben. Facebook wiederum kann über die Hälfte der Surf-Aktivitäten aller Webnutzer technisch nachvollziehen, Informationen daraus zu Profilen verdichten und etwa für gezielte Werbung nutzen. Dies bezieht sich auch auf Internetuser, die kein Konto bei dem Sozialen Netzwerk direkt oder bei den anderen zum Mutterkonzern Meta gehörenden Diensten WhatsApp und Instagram haben, so das Ergebnis einer Untersuchung von Forschern des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in Kooperation mit Kollegen der Universitäten Zürich, Lausanne und Yale.

Neue Gesetze und neue Tools

Nach EU-Kommission und Parlament hat auch der EU-Ministerrat dem Digital Markets Act zugestimmt. Damit ist endgültig klar, dass in der EU bald neue Gesetze für Gatekeeper im Netz gelten. Wer Gatekeeper ist, soll dabei von der Größe und der Nutzerzahl abhängen, aber schon jetzt laufen zahlreiche IT-Konzerne dagegen Sturm. Da die irische Datenschutzbehörde Meta verbieten möchte, dass Daten von EU-Nutzern in die USA geschickt werden, droht der Konzern einmal mehr damit, seine Dienste in der EU abzustellen. Hintergrund ist eine Entscheidung des EuGH, der das Datenabkommen Privacy Shield im Jahr 2020 gekippt hatte. Apropos Facebook - und damit zu den Innovationen: Der Konzern scheint es seinen Nutzern ermöglichen zu wollen, bis zu fünf Profile im Sozialen Netzwerk anlegen zu können. Es dürfen dann auch wieder Pseudonyme gewählt werden.

Snapchat hat nun den Sprung auf den PC geschafft und kann auch im Browser genutzt werden, allerdings nur für zahlende Abonnenten von Snapchat+ und noch nur in ausgewählten Regionen. Zeitgleich muss das Unternehmen eine Talfahrt der Aktienkurse miterleben. Analysten sehen dies als Vorboten schwacher Ergebnisse von Rivalen wie TikTok, Instagram oder YouTube.

Bei WhatsApp soll es nun auch endlich möglich sein, bei einem Handywechsel von Android auf iPhone den gesamten Chatverlauf und alle Medieninhalte von Android zu iOS mitnehmen. Auch scheint es bald möglich, den eigenen Online-Status gezielt nur für die eigenen Kontakte, bestimmte Personen oder für niemanden anzeigen zu lassen. Bei Signal sollen nun auch bald Storys Einzug halten. Die Anbieter werden also weiterhin gegenseitig Funktionalitäten kopieren und damit immer austauschbarer. Allerdings ist der Erfolg bei einem Strategiewechsel oft überschaubar und selten ein großer.

Ach ja, Clubhouse ist auch immer noch nicht tot, aber das Interesse ist deutlich abgeflaut. Man wird sehen, ob sich dieses Netzwerk in absehbarer Zeit wieder etwas erholt.