Es ist schon ein bisschen länger her, aber manche werden sich vielleicht erinnern: Als Tine Wittler im deutschen Privatfernsehen in die Haushalte von Hodenhagen bis Geilenkirchen eindrang und das Thema "Innenarchitekur" mit "Hier ziehen wir eine MDF-Wand ein" und "Hier stell ich ein Teelicht-Ensemble zur Deko her" gleichsetzte. Mittlerweile gibt es Myriaden solcher Sendungen, sie konzentrieren sich längst nicht mehr nur auf ein Zimmer.

Bei "Fixer & Upper" - läuft in Dauerschleife auf dem Sender Sixx - zum Beispiel werden ganze Häuser renoviert und umgestaltet. Und bei dem Ableger der beliebten Mode-Dokusoap "Shopping Queen" (Vox) wird das Dekorieren an die Kandidaten delegiert: Wer am schönsten ein Zimmer nach einem Motto wie "Trendige Farbwelt" bestückt, gewinnt 1.000 Euro. Wer da nur mit einem Teelicht-Ensemble um die Ecke kommt, hat eher schlechte Karten. In Anbetracht der Fülle - und unterschiedlicher Qualität, von Relevanz gar nicht zu reden - solcher Home-Styling-Shows erschien die Ankündigung von "How To Build A Sex Room" von Netflix ein bisschen wie eine Satire. Allein, sie ist ganz und gar ernst gemeint. Also nicht übertrieben ernst - und das macht sie sehr charmant. Melanie Rose, eine ehemalige britische Bühnenschauspielerin, ist nun in Los Angeles als Innenarchitektin tätig. Ihre Spezialität: eigene Räume, in denen man seinen erotischen Vorlieben in aller Ruhe nachgehen kann. In der neuen Sendung wird sie nun dabei begleitet, wie sie verschiedenen Paaren zu so einer Kammer verhilft. Das muss übrigens nicht immer eine strenge sein, aber es darf. Taylor und Ayjay zum Beispiel wünschen sich einen "Rock’n’Roll-Kerker" von Melanie. Dafür haben sie auch das passende, nicht leicht zu findende Zimmer: hinter einer Geheimtür, unter einer Falltür, im Keller. Melanie Rose lackiert den Betonboden mit kess schillerndem Epoxi, hängt Kussmünder aus Neon an die Wand und bestellt eins ihrer liebsten Möbelstücke: ein Andreaskreuz. Für die richtige Bedienung dieser SM-Halterung bekommen die beiden einen Kurs, in dem eine stattliche Anzahl an Peitschen beteiligt ist.

Aber auch Paaren, die gar nicht so kinky Bedürfnisse haben, hilft Rose. Zum Beispiel Wesley und Hannah, deren Sexleben auf der Strecke bleibt, seit sie ein Kind haben. Auch sie haben in ihrem Haus aber einen Riesenraum übrig, der nun einen neuen Geheimzugang bekommt. Drinnen ist Rose vor allem auf die speziellen Anforderungen eines Paares mit trefflichem Größenunterschied eingegangen: Unter anderem hat sie, damit es auch endlich in der Nasszelle zur Sache gehen kann, eine Riesenduschkabine installieren lassen. Ein Andreaskreuz durfte auch hier aber nicht fehlen. Man weiß ja nie, ob man nicht auf den Geschmack kommt.

Melanie Roses Sidekick ist der Tischler und Mann für alles, Mike. Und zwar wirklich für alles: Irgendeiner muss ja testen, ob die Handfesseln in der richtigen Länge angebracht sind. Wirklich lustig ist, wenn dann auch noch Mikes erwachsener Sohn perplex beim neckenden Spiel der beiden zugegen ist. Wenn der nicht aufpasst, bekommt er in Kürze seinen eigenen Sex Room, weil er zu verspannt ist.