Vielleicht sollte Neil Patrick Harris bei einer seiner anderen Figuren Rat suchen. Denn als sprücheklopfender Aufreißer Barney Stinson war er in der Sitcom "How I Met Your Mother" nicht nur ein Fanliebling, sondern auch nie um einen Dating-Ratschlag verlegen. Nun findet sich der naturgemäß leicht gealterte US-Schauspieler in einer ähnlichen Rolle wieder, allerdings unter veränderten Vorzeichen: In "Uncoupled" gibt er den Mittvierziger Michael Lawson, der eines Tages von seinem Ehemann verlassen wird. 17 Jahre glücklicher Beziehung sind plötzlich zu Ende - und Michael muss als Single in New York einen Neuanfang wagen.

Und das ist alles andere als einfach, wie Michael rasch herausfindet. Gerade hat er noch eine Überraschungsparty für seinen Mann geschmissen, schon muss er sich mit der wohl endgültigen Zurückweisung abfinden. Und das ist hart, zumal der Ex auf eine Strategie des eisernen Schweigens setzt. Auch eine Paartherapie führt zu nichts. Dabei ist Michael ein erfolgreicher Immobilienmakler in New York City mit einer fantastischen Karriere, einer Familie, die hinter ihm steht, einem engen Freundeskreis, den wir nach und nach kennenlernen. Dass Partner Colin zu feige war, die Gründe für seinen Auszug zu nennen, stößt Michael völlig vor den Kopf. Plötzlich muss er sich mit zwei Albträumen auseinandersetzen: Seinen angeblichen Seelenverwandten zu verlieren und ein schwuler Single Mitte 40 in New York zu sein, denn "wir sind unsichtbar", sagt ihm ein wohlmeinender Freund bei einer Party, der für seine junge Begleitung lieber zahlt.

Liebeskummer und Heilung

"Uncoupled" von den preisgekrönten Co-Serienschöpfern Darren Star und Jeffrey Richman ist eine Geschichte über Liebeskummer und Heilung und all den Humor, den wir daraus ziehen können. In den weiteren Rollen sind Tisha Campbell als Michaels chaotische Geschäftspartnerin und Freundin, Brooks Ashmanskas als TV-Wettermann und Hobby-Beziehungscoach sowie Marcia Gay Harden als ebenso reiche wie schwierige Kundin Michaels zu sehen, die auch gerade von ihrem Mann verlassen wurde und nun "einen Arsch voll Geld" für ihr 400-Quadratmeter-Apartment in Manhattan will.

"Uncoupled" zeigt uns eine andere Facette des Serienstars Harris, der nie um einen Spruch verlegen zu sein scheint. Er legt die Figur des Michael nachdenklicher, reifer und dabei doch nicht weniger sympathisch an. Dass man dabei auf die typische klischeehafte Zeichnung nahezu aller vorkommenden homosexuellen Figuren nicht verzichten wollte, mag aus dem Blickwinkel einer Comedy zwar verständlich sein, es trägt aber nicht dazu bei, dem Thema mehr Tiefe zu geben. Auch die Dialoge scheinen nahezu zwanghaft auf eine sexualisierte Sprache hingeschrieben - "zielstrebig" würde es Michael formulieren.

Dennoch ist "Uncoupled" ein erfrischender Neuzugang im doch stets an sehr jungen Darstellern orientierten Ensemble auf Netflix. Dass es natürlich ganz hervorragend zur woken Grundhaltung des Streamingdienstes passt, erübrigt sich, extra zu erwähnen. Ob das für eine zweite Staffel reicht, entscheiden wie immer die Zuschauer selbst. Bei Netflix zählen bekanntlich harte Zahlen.