Auch der zweite und letzte Tag der Österreichischen Medientage widmete sich am Donnerstag der Medienpolitik, in die nun Bewegung kommt. Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) sah in ihrem Auftritt den Reformprozess in Sachen Medienpolitik "in der Zielgerade". Sie werde die Ergebnisse der Überlegungen in den kommenden Wochen vorstellen. Wichtig sei gewesen, Lösungen mit den Beteiligten zu finden.

Bei der weiteren Finanzierung der "Wiener Zeitung" etwa sei man "gefordert", so Raab. Sie gab ein klares Bekenntnis zur "Wiener Zeitung" als "journalistisches Medium mit einer unabhängigen Redaktion" ab. Es sind Modelle entwickelt worden, die ein Weiterbestehen als öffentlich-rechtliches Medium auch bei einem eventuellen Wegfall der Pflichtveröffentlichungen möglich machen.

In Sachen ORF-Digitalnovelle betonte Raab, dass es vernünftig sei, dem ORF "den Weg ins digitale Zeitalter zu ebnen". Es brauche aber einen Ausgleich zwischen dem ORF und den Privaten. An den "Feinheiten" werde gearbeitet. Zu einer Haushaltsabgabe statt der GIS-Gebühr zeigte sich Raab skeptisch, es gebe auch andere Möglichkeiten, die gerade diskutiert werden. Zu den hohen Papierpreisen und Energiepreisen verwies Raab darauf, dass dies ein generelles Problem sei. Man arbeite bereits an Wirtschaftshilfen. Eine eigene, gesonderte, Medienhilfe wird es nicht geben.

ORF geht auf Verlage zu

ORF-Generaldirektor Roland Weißmann unterbreitete den Verlagen im Anschluss sozusagen eine Kompromissangebot. Die "blaue Seite" von orf.at, die den Verlagen wegen ihrem "Zeitungscharakter" ein Dorn im Auge ist, werde vom ORF inhaltlich halbiert. Man wolle die Anzahl der Meldungen halbieren und generell mehr in Richtung Bewegtbild gehen. Auch eine Reduktion der Radiowerbung des ORF wird offenbar gerade verhandelt, war dem Talk zu entnehmen. Der ORF kommt damit Verlegern entgegen, die das seit langem einfordern. In den Verhandlungen zu einer ORF-Digitalnovelle nahm diese Thematik viel Raum ein.

Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), betonte, dass die Reduktion des Textanteils auf orf.at "wichtig" sei, damit private Marktteilnehmer ihr Geschäftsmodell in die digitale Welt übertragen könnten. Denn keines der Zeitungshäuser wolle von Förderungen abhängig sein. Auch sei der Kernbereich des ORF die Veranstaltung von Rundfunk und Streaming. Dort könne er sich ausbreiten.

Ein Log-In für alle Medien

Einen Schritt zur Kooperation der heimischen Medien stellte die APA vor: eine gemeinsame Log-in-Lösung für Bezahl-Webseiten. Mit einer E-Mail-Adresse und einem Passwort können Userinnen und User dort auf die registrierungspflichtigen Inhalte der teilnehmenden Medien zugreifen. Auch ist es möglich, über unterschiedliche Endgeräte hinweg Inhalte zu personalisieren, Artikelarchive anzulegen und Kommentare in Foren abzugeben. Beteiligt sind unter anderem der ORF sowie etliche private Verlage wie VN, TT und OÖN. Als Start wurde bereits der Oktober 2022 genannt. Name des Projekts: Mediakey.

Einen Pep-Talk für die Branche lieferte Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der deutschen Funke-Mediengruppe ("WAZ"). Der Medienbranche fehle es an Mut und Konsequenz, konstatierte Becker. Um guten Journalismus in die Zukunft zu führen, brauche es nun einen klaren strategischen Fokus auf digitale Produkte, ohne gedruckte Zeitungen zu vernachlässigen. Gleichzeitig müsse man in die klügsten Köpfe und damit Qualität investieren und auf die beste Technik setzen. (bau)