Hier wird der Löffel nicht geschwungen, ganz im Gegenteil. Er ruht er auf einem schwarzen, mit Klavierlack überzogenen Brett und die Zutaten werden mit höchster Präzision auf dem weißen Porzellanteil drapiert. Hier noch ein Blättchen, dort ein ausgestochenes Kügelchen, dazu Jus aus der Spritzflasche. Hier ist Kochen kein Spaß, hier nimmt man das alles ernst. Sehr ernst. Denn "The Taste" ist nicht irgendeine Kochshow. Das hier ist die Königsklasse des deutschsprachigen Kochfernsehens, zumindest ist das das Selbstverständnis.

"The Taste" auf Sat1 geht soeben in seine zehnte Staffel. Es ist ein Jubiläum, das man auch feiern will. Nicht einmal in den Wirren der Corona-Pandemie ist eine Staffel ausgefallen, und so wird schon zum zehnten Mal, wie gewohnt am Mittwoch im Hauptabendprogramm, auf dem Löffel angerichtet, der dann von einer Jury verkostet und bewertet wird. Auch diesmal sitzen keine kleinen Kaliber in der Jury: Alexander Herrmann, Frank Rosin, Tim Raue und aus Österreich Alexander Kumptner, der als jugendlich wirkender Moderator der ORF-Kinderkochshow "Schmatzo" erst von den erfolgsverwöhnten Sterneköchen belächelt wurde - bis sein Team 2020 gewannt. Jetzt hat es sich ausgelächelt und Raue und Co legen härtere Bandagen an. Denn bei "The Taste" coacht jeder der vier Juroren sein eigenes Team. Gemein dabei: Beim Verkosten weiß man nicht, welcher Löffel aus dem eigenen Team kommt und so hat schon mancher den Fehler begangen, unabsichtlich den eigenen Kandidaten abzuwählen.

Kochshows im Dauerboom

"The Taste" ist eine von mittlerweile rund 25 Kochshows im deutschsprachigen Fernsehen. Denn Kochen ist nach wie vor "in", wie die Quoten zeigen. Kracher wie "Kitchen Impossible" mit Tim Mälzer bringen seinem Sender Vox regelmäßig Spitzenquoten und schlagen mitunter durchaus sogar den Marktführer aus dem eigenen Sendervebund, RTL. Bei "Kitchen" tritt ein Koch gegen Tim Mälzer an. Dabei wird das Essen eines Restaurants in einer schwarzen Box serviert und muss ohne weitere Informationen an der Original-Location nachgekocht werden. Waren vor Corona noch Locations auf allen Kontinenten mit dabei, gab es während der Pandemie aufgrund der Reisebeschränkungen eine Zeit lang nur Lokale im deutschsprachigen Raum zu sehen. Nun darf aber wieder gereist werden und die achte Staffel ist gerade in Produktionen. Die Sendung gewann bisher je zweimal den Grimme-Preis und den Fernsehpreis.

Rund um "Kitchen Impossible" hat sich ein Biotop mit einer ganzen Reihe von Kochshows unterschiedlicher Konstellationen, aber mit immer demselben Pool aus Gastköchen, entwickelt. So treten etwa im "Knife Fight Club" und bei "Ready to beef" jeweils zwei Köche bzw. deren Teams gegeneinander an. Mit dabei sind neben Tim Mälzer und Tim Raue etwa Max Strohe, Vicky Fuchs, Alexander Herrmann, Roland Trettl oder die Österreicher Lukas Mraz, Max Stiegl und Sepp Schellhorn. Überhaupt nimmt die Österreicher-Fraktion in diesen Kochshows immer mehr zu.

Unerschöpflicher Talente-Pool

Aus diesem Pool an Gast-Köchen werden zuletzt immer mehr neue Formate gezimmert. So hat Vox die ebenso erfolgreiche Show "Mälzer und Henssler liefern ab", einer Art Lieferdienst um die Wette, kürzlich mit einer Pilotfolge mit Vicky Fuchs und Max Strohe als "Fuchs und Strohe liefern ab" erweitert. Gelernter Termin für all diese Sendungen: Sonntagabend mit Vorpremiere auf dem eigenen Pay-Streamingdienst RTL+, für den sich der Erfolg der Kochshows durchaus als Zugpferd erwiesen hat. Nicht wenige Zuseher haben ihr RTL+-Abonnement nicht wegen der Fiction-Eigenproduktionen, sondern vor allem, um Sendungen wie "Kitchen Impossible" nicht nur zwei Tage vorab, sondern vor allem ohne Werbung sehen zu können. Diese bläst die Dauer der Sendung um fast eine Stunde auf - erfreulich freilich für den Sender, aber etwas nervig für das Publikum. Nicht jeder kann Sonntagabend bis nahezu Mitternacht fernsehen.

Knöcheltief im Koriander

Selbiges gilt freilich für Steffen Henssler, Star von "Grill den Henssler", einer Sendung, in der jeweils drei prominente Hobbyköche gegen "den Meister" antreten. Mehr als 125 Folgen in 16 Staffeln und zahlreichen Specials hat Vox bereits produziert. Im Sommer füllt man damit regelmäßig die Seebühne in Magdeburg mit mehreren tausend Plätzen. Auch diese Show performt in der Regel deutlich über dem Senderschnitt von Vox.

Wenn also diesen Mittwoch ghanesischer Kakao, Alb-Safran und Pumpernickel zur Geschmacksbombe verkocht werden müssen, freut sich vor allem der Sender. Kochen ist eines der wenigen Zugpferde, die das lineare Fernsehen noch hat. Möge der Koriander niemals ausgehen.