Schon seit längerem war von einem Veränderungsprozess bei FM4 die Rede. Es geht in Richtung Verjüngung des Publikums, zumindest war von derartigen Vorgaben zu hören. Radiodirektorin Ingrid Thurnher wurde am Wochenende mit dem Satz eines "jüngeren Ö3" zitiert, das FM4 werden solle - da wurde jedoch umgehend zurückgerudert.

Das neue Sendeschema, das am Montag in Kraft trat, zeigt da noch etwas Unentschlossenheit. Herzstück ist jedenfalls Comedy. Täglich zwischen 13 und 14 Uhr läuft die "Passt Show". "Comedy, Quiz, Dating und Satire: Eine Stunde feinster Unterhaltung mit Roland Gratzer und Hannes Duscher" soll die Sendung bringen. In der ersten Ausgabe präsentierte man sich als klassische "Late Night Show". Mit einer Art "Stand up"-Teil vorweg, danach ging es in eine Call-in-Show mit dem Publikum. Duscher und Gratzer sind eine sichere Bank. Comedy in bester FM4-Tradition, bei der in alle Richtungen geschossen wird. Man nahm sogar die eigene Direktorin aufs Korn und moderierte ein wenig im Stil eines "jungen Ö3" an - gruselig!

Neu ist weiters die Sendung "OKFM4" täglich von 17 bis 19 Uhr. Eigenbeschreibung: "News, Stories & the flavour of the day". Hier verabschiedete sich FM4 zumindest in dieser Ausgabe völlig von der englischsprachigen Moderation. Zwei junge, deutsche Stimmen, absolut nicht unsympathisch, die Auswahl der Themen allerdings hat mit einem Radio, das zumindest etwas intellektuellen Anspruch hat, so viel zu tun wie Radio Burgenland mit Hip-Hop. Wenn etwa Kochrezepte, die Billie Eilish auf den sozialen Medien postet, "News of the day" sind, darf man sich schon wundern, wohin da die Reise geht.

Immer montags um 21 Uhr wird es auf FM4 dafür ernst. Hier hat der Podcast "Der Wolf und der Professor" Platz gefunden. Hier erklären ZiB2-Anchor Armin Wolf und Politik-Analytiker Peter Filzmaier Basics aus der österreichischen Politik. Thema der ersten Sendung: Der Bundespräsident und was er darf und nicht darf. Immerhin durchaus aktuell angesichts der BP-Wahl am Sonntag. Auch von diesen beiden genannten Herren weiß man, was man bekommt. Sehr seriös - aber nicht unbedingt leichte Kost. Nun ist es freilich durchaus verdienstvoll, dem Bildungsauftrag so direkt nachzukommen, ob sich bei solch eher spröden Themen das Jungvolk vor den Empfangsgeräten drängen wird, darf bezweifelt werden.

Auch weitere "Podcasts" finden sich nun neu im FM4-Programm: "Anfang 20" etwa, Sonntag 20 Uhr. "Anfang 20 porträtiert junge Menschen auf ihren spannenden Lebenswegen und in ihren besonderen Berufen. Wie wird man beispielsweise Köchin in einem Sterne-Restaurant? Wie erreicht man 300k Follower auf Tiktok? Wie sieht der Alltag einer Hochzeitsplanerin aus?", so die Sendungsbeschreibung. In "Wer hören will, muss fühlen - der FM4 Musikpodcast" (Do, 21 Uhr) empfängt Christoph Sepin Gäste aus der Popwelt. Es geht um "neue Musik, große Trends, Popnews und natürlich über Gefühle für Musik".

Proteste gegen Sparpläne

Die Änderungen bei FM4 werden begleitet von Protesten aus der Kulturszene, die sich gegen Einsparungspläne auf Ö1 richten. Österreichs Musik- und Kulturszene machte in einem offenen Brief geschlossen Front gegen das für Ö1 geplante "Streichkonzert", das "575 Stunden zeitgenössischen Musikschaffen" betrifft. Zu den Unterzeichnern des Schreibens gehören die Salzburger Festspiele, die Bundestheater, der Wiener Musikverein oder das Konzerthaus. Der ORF schicke sich an, ganze Sendereihen aus dem Ö1-Programm zu nehmen wie etwa die "Ö1 Jazz Nacht", die "Lange Nacht der Neuen Musik" oder das "Kunstradio", heißt es darin: "Es droht ein Kahlschlag mit einem nie dagewesenen Schaden für die heimische Musikszene und der damit verbundenen wirtschaftlichen Wertschöpfungskette."