"Die Wiener Zeitung darf nicht zugrunde gerichtet werden" - mit diesem dramatischen Appell wenden sich die österreichischen Autorinnen und Autoren an die Bundesregierung. Mit der Abschaffung der Pflichtveröffentlichung im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" wird dieser die Finanzierungsgrundlage entzogen, weshalb die Bundesregierung die Druckausgabe einstellen und durch eine Online-Version und ein Monatsheft ersetzen will.

Die Verbände reagieren entsetzt: "Die Lösung, die die Regierung für die ‚Wiener Zeitung‘ jetzt vorlegt, aus ihr eine zehnmal im Jahr erscheinende Monatszeitschrift und eine Online-Plattform zu machen, ist nichts anderes als ihr Tod auf Raten. Die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt und eine weltweit einzigartige Publikations- und Publizistikgeschichte werden von der Regierung leichtfertig zu Grabe getragen. Das ist keine Lösung, das ist eine medienpolitische Bankrotterklärung." Damit erfolge ein weiterer großer Schritt des Abbaus von Medienqualität und gehe ein weiteres wichtiges Stück Öffentlichkeit dem literarischen Leben in Österreich verloren.

Die unterzeichnenden Verbände (IG Autorinnen Autoren, Österreichischer Schriftsteller/innenverband, Grazer Autorinnen Autorenversammlung, Österreichischer PEN-Club, Podium - Schriftstellervereinigung) erklären, sie seien mit der "Wiener Zeitung" seit Jahrzehnten aufs Engste verbunden. Sie erfülle nicht nur alle Kriterien einer Qualitätszeitung, sie sei auch ein Maßstab dafür. "An der Literatur und am Qualitätsjournalismus in Österreich wird ein nicht wiedergutzumachender Schaden angerichtet."