Für seine erste Geisterbegegnung musste Alex Landau sein Haus nicht verlassen. Der Wiener wohnt mit seiner Familie in einem alten, aber schicken Reihenhaus in Hietzing. Eines Tages erzählte ihm seine Tochter von einer "Susi", die manchmal in der Nacht "auf Besuch kommt". Sehr lieb und freundlich sei sie, sagte seine Tochter. "Das ist ja beruhigend - aber wer ist Susi und wie kommt sie zu den Kindern ins Schlafzimmer?", fragte sich Alex besorgt. Es stellte sich heraus: Susi ist kein Mensch, sie war aber einmal einer. Nach einigen Nachforschungen erfuhr Alex, dass vor Jahrzehnten eine Frau namens Susi in diesem Haus gewohnt hatte. Was die nächtlichen Besuche nicht weniger gruselig macht, denn Susi ist, glaubt man Alex glaubwürdigen Schilderungen, schon lange nicht mehr am Leben.

Mehr Motivation war für Alex nicht nötig. Er las sich ins Thema ein, suchte sich das nötige technische Equipment zusammen und begab sich mit Freunden und Bekannten auf Geistersuche. Immer mit dabei: seine Kamera, mittlerweile mehrere. Denn die "Geisterjäger" von "Paranormal Signs Investigation (P.S.I)" nehmen ihre "Ermittlungen auf Video auf, schneiden sie zu Dokumentationen zusammen und laden sie hoch. Zu sehen sind sie neben ihrem eigenen YouTube-Channel vor allem auf Amazon prime. Auch auf dem Dienst "Ghostflix" (Eigenmotto: "Stream the Scream") kann man sie sehen, einer Art Netflix für die gepflegte Geistergeschichte.

Das "K2Meter", ein Magnetfeld-

detektor, gehört zur Grundausstattung der Geisterjäger. - © P.S.I.
Das "K2Meter", ein Magnetfeld-
detektor, gehört zur Grundausstattung der Geisterjäger. - © P.S.I.

War das alles in den ersten Staffeln noch einigermaßen holprig, steht nun schon die fünfte Staffel zur Publikation bereit. Die Sendungen mit den Geister-Ermittlungen aus Wien werden mittlerweile sogar auf Englisch untertitelt und sie so via Amazon Prime Video praktisch auf der ganzen Welt zu sehen. Ein erstaunlicher Erfolg für ein kleines Team, das das alles noch immer im hobbymäßigen Rahmen betreibt.

Wenn das Kreuz fällt

Es ist kein schnelles, modern geschnittenes Fernsehen, das man hier als "Geisterermittlung" erwarten kann. Ganz im Gegenteil. Die Sendungen dauern bis zu drei Stunden. Umfangreiches Equipment wird aufgebaut, Experimente als sogenannter "Trigger" werden aufgestellt. Etwa ein Kreuz, das von einer Kamera beobachtet wird. Und irgendwann einmal "wie von Geisterhand" umfällt. Dazu kommen handliche Messgeräte, mit denen das Team "Energiefelder" in den Räumen vermisst. Nimmt es solche wahr, blinkt das Gerät und schlägt aus. Eine "Spirit Box" wandelt Energien in Sprache um, diese soll es den herumirrenden Seelen leichter machen, mit den Ermittlern zu sprechen. Und so spuckt die Box gelegentlich Wörter wie "Aufhören!" oder "Dämon!" aus.

Es sind keine besonders angenehmen Orte, die Alex und sein Freund Jürgen, ebenso im Team aufsuchen. Verlassene Spitäler, der Friedhof der Namenlosen, Häuser, in denen Verbrechen oder unerklärliche Todesfälle stattgefunden haben. Es ist oft modrig, kalt und unheimlich. "Manchmal spürt man schon rein körperlich, dass hier irgendetwas nicht stimmt", berichtet Alex. Und schränkt gleich ehrlich ein, kein bedingungsloser Gläubiger zu sein: "Mir ist schon klar, dass wir Unterhaltungsfernsehen machen und keine Wissenschaft. Aber wenn man bei den Ermittlungen Dinge sieht, die wir einfach nicht erklären können, wird man schon nachdenklich", sagt Alex.

So ist man bei der bevorstehenden fünften Staffel besonders stolz auf ein Hexenbrett, mit dem man mit Geistern kommunizieren wollte. Doch das ging schief, oder gut - je nachdem, wie man das sehen will: Der zum Brett gehörige Zeiger blieb ohne ersichtlichen Grund stecken und ließ sich nicht mehr bewegen, als würde er von einer unsichtbaren Hand festgehalten. "Das war wie in einem Horrorfilm", versichert Alex.

Tonbandaufnahmen und Bilder einer Vollspektrumkamera, die nachher ausgewertet werden, sollen einen weiteren Blick in das Unerklärliche geben. Tatsächliche Bilder von Geistern, wie man sie etwa in Hollywood-Filmen wie "Ghostbusters" sehen kann, darf man sich da nicht erwarten. Mehr hier und da ein Nebel oder eine seltsame Reflexion: Interpretationssache also.

Die Rache der Namenlosen?

Oder auch Glaubenssache. Denn eine gar nicht so kleine Zuschauergruppe liebt die "Geisterermittlungen", ja diese sind sogar auf dem Weg zu einem eigenen Fernsehgenre, wie etwa die Serie "Geisterakten" aus Deutschland oder analoge britische Produktionen zeigen. Verlassene Ort üben eben eine gewissen Faszination aus, schon ganz von sich alleine. Wenn man sie nun auch noch nach Geistern absucht, hat das einen gewissen Reiz, auch wenn die Sendungen überlang sind und sich nicht immer auch tatsächlich besonders Spektakuläres tut. Ein gewisses Maß an Suggestion und Vorstellungskraft ist wohl dabei.

Und doch gibt es Orte, an die bringt auch das Team keine zehn Pferde mehr zurück. Zum Friedhof der Namenlosen am Alberner Hafen zum Beispiel, auf dem über Jahrzehnte die Leichen von Unbekannten aus der Donau bestattet wurden. Bei letzten Dreh erlebte Alex einen unerklärlichen Schwächeanfall. "Wie wenn plötzlich alle Energie aus dir draußen ist." Der Dreh musste sogar abgebrochen werden. Eine ärztliche Untersuchung fand im Nachhinein keine Ursache dafür. Ein neuer Dreh am Alberner Hafen steht nicht mehr an.