Seit Elon Musks Twitter-Übernahme suchen viele irritierte Nutzer nach einer Alternative zu der beliebten Plattform.

Immer wieder ist dabei die Rede von Mastodon. Die Plattform ist nach einem Tier benannt, das einem Mammut ähnelt. Ob Musks Pläne tatsächlich das Ende von Twitter bedeuten, wird sich erst zeigen. Fest steht allerdings, dass mit der Übernahme Probleme offenkundig werden, die bereits lange bekannt sind. Wie auch die anderen großen Plattformen - Instagram, Facebook oder TikTok - wird bei Twitter sehr viel Macht in der Hand eines Unternehmens zentralisiert. Wenige Personen haben damit die Entscheidungsgewalt über sehr viele Nutzer und deren Daten. Sie allein dürfen die Regeln festlegen: Wer darf dabei sein und wer nicht? Wer darf was sagen? Oder die Daten an Unternehmen zu Werbezwecken weiterverkaufen?

Der neue Spieler am Platz unterscheidet sich grundsätzlich von diesem Modell. Mastodon ist ein Soziales Netzwerk, das nicht auf den Servern eines einzelnen Unternehmens läuft. Im Gegenteil: Grundsätzlich kann jeder einen Mastodon-Server betreiben, solange er ihn selbst finanziert. Das Soziale Netzwerk setzt sich aus vielen einzelnen Server-Gemeinschaften zusammen - in Wien
etwa eine mit dem Beinamen "wien.rocks" -, die ihre Regeln selbst festlegen dürfen, beispielsweise ob und wie eine Moderation der Inhalte erfolgt.

Was kann Mastodon?

Mastodon ist ein Open-Source-Netzwerk. Das heißt, dass der Softwarecode gratis ist und ihn jeder verwenden darf. Vom Funktionsumfang her unterscheidet sich Mastodon nicht wesentlich von Twitter. Nutzer können Nachrichten, Videos oder Bilder posten, die dann von anderen gesehen werden. Auch die Benutzeroberfläche der Plattform erinnert an Twitter. Einzelne Nutzer erstellen kostenlos ein Profil, dem andere folgen können.

Ein paar Unterschiede zu Twitter gibt es aber. Während bei Twitter einzelne Posts auf 280 Zeichen begrenzt sind, dürfen die Texte hier bis zu 500 Buchstaben lang sein. Die Posts heißen hier "Toots" (Tröts) anstatt "Tweets" (Getzwischere). Die Reihenfolge, in der die Beiträge erscheinen, wird bei Mastodon nicht von einem Algorithmus gesteuert. Stattdessen erscheinen die Posts chronologisch nach dem Veröffentlichungszeitpunkt. Im Unterschied zu Twitter wird die Verifizierung von einzelnen Accounts kostenfrei bleiben. Dafür muss lediglich eine Website im eigenen Profil angegeben werden.

Ein Kritikpunkt an der Plattform ist, dass ihre Benutzerfreundlichkeit etwas zu wünschen übrig lässt. Dabei wurde bereits Twitter im Vergleich zu anderen Plattformen eine weniger intuitive Verwendung nachgesagt.

Weil hinter dem Open-Source-Projekt Mastodon keine einzelne Person oder ein Unternehmen stehen, kann das Soziale Netzwerk auch nicht verkauft oder von Regierungen blockiert werden. Die meisten bestehenden Einheiten des Sozialen Netzwerks, sogenannte "Instanzen", werden derzeit über Crowd-Funding finanziert. Genau darin liegt aber auch ein Problem von Open Source: Die Betreibung eines Servers ist sehr teuer, während wir uns an Gratis-Plattformen gewöhnt haben.

Europäische Werte

Gerade auf EU-Ebene wird häufig eine größere digitale Souveränität gefordert: Wie können wir in Europa unabhängiger von den großen Technologienationen USA und China werden? Und dabei europäische Werte schützen? Vor diesem Hintergrund sprach sich der deutsche Innovationsexperte Knut Blind in einem Interview mit netzpolitik.org für mehr staatliche Finanzierung von Open-Source-Projekten aus.

Ein Studentenprojekt

Mastodon ist nicht nur gut mit den europäischen Werten vereinbar, sondern kommt aus Europa. Sein Erfinder ist ein junger Deutscher mit russischen Wurzeln. Eugen Rochko entwickelte die Software als Freizeitprojekt neben seinem Studium in Jena. 2016 wurde es veröffentlicht. Finanziert wurde es dann mittels Crowdfunding über die Plattformen Patreon und OpenCollective. Zudem erhielt er Finanzierungsmittel vom Technologieunternehmen Samsung. Ein erklärtes Ziel war die Schaffung einer nicht-kommerziellen Plattform, die eine stärkere Einbindung der Communitys bieten sollte. Seit 2021 ist das Unternehmen eine Nonprofit-Organisation.