Die Gesetzespläne der Bundesregierung zur Neuordnung der Medienförderung weisen für den Präsidenten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Heinz Faßmann, eine gravierende Lücke auf: die Aufnahme ausgewiesener Wissenschaftsberichterstattung in die Förderkriterien. Das sagte Faßmann der Tageszeitung "Die Presse" (Donnerstag-Ausgabe). Dass dieses Kriterium in den Entwürfen fehlt, sei "nicht einsichtig" und "sollte verändert werden".

Die ÖAW wünsche sich "eine stärkere Berücksichtigung von Wissenschaft und Forschung" in den Medien. Es sei nicht nachvollziehbar, das im Gegensatz zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur oder Sport der Wissenschaftsjournalismus als Fördervoraussetzung ausgespart bleiben soll, sagte Faßmann. Angesichts der hierzulande stark ausgeprägten Wissenschaftsskepsis brauche es konkrete Maßnahmen. Den "Übersetzungsprozess" dazu, wie Wissenschaft funktioniert, "können nur Medien leisten, deshalb setzen wir uns dafür ein". Das Fördergesetz sei ein wichtiger Ansatzpunkt für die Stärkung des Bereiches, zeigte sich der ÖAW-Chef überzeugt.

"Wissenschaftsskepsis ist ein Problem"

Faßmann folgt in seiner Argumentation u.a. einer langjährigen Forderung des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen. Dieser kritisierte zuletzt auch scharf, dass der Gesetzestext die Idee, das Vorhandensein einer Wissenschaftsredaktion mit angestellten Fachredakteuren zum Förderkriterium für die Presseförderung zu machen, nicht aufgreift. Prominente Unterstützung erhielt das Ansinnen auch von Physik-Nobelpreisträger Anton Zeilinger. Er hatte bei einem Auftritt in der "Zeit im Bild 2" die "Wissenschaftsskepsis als Problem" bezeichnet, das auch darin begründet sei, "dass der Wissenschaftsjournalismus reduziert wurde. Es gibt viel weniger Wissenschaftsjournalisten und das ist nicht gut."

Zeilingers Nachfolger als ÖAW-Präsident, Heinz Faßmann, sieht in dem Zusammenhang aber auch den Wissenschaftsbetrieb selbst gefordert. Die derzeit großteils auf Basis von Eigeninitiative der Forscher geleistete Medienarbeit könne künftig zum "Faktor in der Leistungsbewertung" von Wissenschaftern werden. Bei der Ausarbeitung eines Bewertungsschemas stehe man aber erst am Anfang. (apa/nt/cig)