Das menschliche Zusammenleben hat sich mit Corona deutlich verändert - vor allem und gerade wenn es um soziale Kontakte und gemeinsame Aktivitäten geht. Die großen, prognostizierten Digitalisierungssprünge im Endeffekt nur Kleinkinderkrabbler blieben, mussten vor allem Jugendliche einen Umgang mit den "drei Ks", Krieg, Klimakrise und Kuscheldefiziten mit Gleichaltrigen finden.

Die neuen Apps kommen

Und so wurde die Zeit reif für eine neue Welle von Apps, die den alteingessesenen Platzhirschen, sofern diese von neuen Besitzern nicht ohnehin selbst zerstört werden, Paroli bieten. Weg von der weichgezeichneten Scheinrealität, den von Firmen finanzierten Hochglanzreise und dem Leben in Blasen, hin zu jenen Dingen, die man in Coronazeiten vermisst hat. Jugendworte, die bislang untergingen - Ehrenmann/Ehrenfrau etwa, also Personen, die sich durch eine altruistische Geste (auch) in virtuellen Welten auszeichnen und Respekt sowie Lob und Anerkennung sind dieneuen Währungen.

Die Jugendlichen scheinen schneller als die älteren Semester einen Ausweg aus dem Teufelskreis der Aufmerksamkeitsökonomie gefunden zu haben. Der Ersatz für Dinge, die Angst machen oder die man ohnehin nicht mehr beeinflussen kann, findet sich somit in einem näheren Zusammenrücken, nicht nur in der Realität sondern auch in den Sozialen Medien. In den vergangenen Monaten schickten sich daher Apps, wie Hive, Bereal, Gas oder auch Slay an das Nutzerverhalten zu verändern.

Gute-Laune-Netzwerke

Slay wie auch Gas beschränken den Zugang auf Bildungseinrichtungen, um so Anwender zusammenzubringen. In der Eingabemaske lässt sich nach den Namen einer Schule suchen und man bekommt verschiedene Auswahlmöglichkeiten vorgeschlagen. Danach starten immer wieder neue Fragerunden, die die Nutzer zusammenbringen. Man begibt sich sozusagen zurück an die Anfangszeiten von Facebook und StudiVZ. Danach regieren Spaß und Komplimente, Lob und Respekt die digitalen Kanäle.

Die aus Frankreich stammende Social-App Bereal will mit Zufalls-Postings frischen Wind in die Sozialen Medien bringen. Die App ist sehr simpel: Sie fordert ihre Nutzenden jeden Tag zu einem zufälligen Zeitpunkt dazu auf, ein Foto mit der Vorder- und Rückkamera zu machen und unmittelbar zu posten. Weg vom Storytelling und Angebereien hin zu mehr Realität und Flexibilität.

Hive, das englische Wort für Bienenstock, möchte sich als eine möglichst ähnliche Alternative zu Twitter etablieren, während gleichzeitig einige Elemente verbessert werden. Die algorithmen-freie Kopie von Twitter setzt auch auf respektvollen Umgang untereinander.

Dennoch bleibt abzuwarten, ob die Algorithmen nicht auch bei den neuen Apps toxische sind, und ab welcher Nutzerzahl die Anwender auch nur mehr Datenlieferanten bleiben.