Nach mehreren prominent besetzten Personenkomitees, die von der Bundesregierung gefordert haben, das geplante Gesetz über die Zukunft der "Wiener Zeitung" zu überdenken und der gedruckten Tageszeitung 18 Monate Zeit für eine Neuaufstellung zu geben, fordert nun auch der Verband der Österreichischen Wirtschaftsakademiker (VÖWA) deren Fortbestand. Langjährige Mitglieder dieses 1927 gegründeten gemeinnützigen Vereins sind Wirtschaftsgrößen wie Hannes Androsch, Erhard Grossnigg, Erich Hampel, Helmut Hanusch, Klaus Liebscher, Ewald Nowotny, Ernst Pöcksteiner, Claus J. Raidl, Gerhard Randa, Kurt Rupp oder Georg Stumpf.

Mit Blick auf den "Qualitätsjournalismus ohne Fake-News", den die "Wiener Zeitung" biete und der für erfolgreiches Unternehmertum ebenso eine wesentliche Voraussetzung sei wie öffentlich geführte Verzeichnisse, empfiehlt der VÖWA dem Bundeskanzleramt, eben diesen zu erhalten und auszubauen und "vor einer endgültigen Beschlussfassung zur Abschaffung der ältesten Tageszeitung der Welt (beziehungsweise einem Downgrading der ‚Wiener Zeitung‘) die Option eines kompetenten unternehmerischen Engagements durch qualifizierte Interessentinnen oder Interessenten ergebnisoffen prüfen zu lassen". Das bedeute, "dass am Ende dieser Prüfung auch eine politische Willensentscheidung zur kompletten unternehmerischen Neuaufstellung der ‚Wiener Zeitung‘ als Möglichkeit ernsthaft in Betracht gezogen wird".

"Pausetaste drücken"

Denn "eine prosperierende Wirtschaft benötigt seriöse und fundierte Hintergrundinformationen und funktionierende öffentliche Verzeichnisse", erklärt VÖWA-Präsident Detlef Wimmer. Für beides biete die "Wiener Zeitung" entsprechende Strukturen. "Ihr Bestand ist deshalb auch für österreichische Unternehmen von Bedeutung." Er empfiehlt eine gesellschaftsrechtliche Weiterentwicklung der bisherigen Struktur. So könnte - im Hinblick auf modernes Governance im 21. Jahrhundert - unternehmerisches Engagement unter der Schirmherrschaft eines öffentlich-rechtlichen Eigentümers ermöglicht werden, um sicherzustellen, "dass nachhaltige Business Pläne realistisch entwickelt und der beste davon im Sinne der Eigentümer - das sind auch die österreichischen Wirtschaftstreibenden - verwirklicht werden kann".

Die Aufsichtsratsvorsitzende des VÖWA, Sabine M. Fischer verweist darauf, dass am Beginn der "Wiener Zeitung" das erste Private-Public-Partnership-Unternehmen in Österreich stand: "Damals wollte ein Kaiser, Leopold I., der Gerüchteküche in Wien Sachinformationen entgegensetzen. Bezeichnenderweise hat er dafür kein eigenes Geld und auch kein Staatsgeld in die Hand genommen, sondern huldvoll einem Mann das Verlegen und einem anderen das Verfassen des ‚Wiennerischen Diariums‘ erlaubt. Daran könnte man sich doch auch jetzt ein Beispiel nehmen, statt die älteste Tageszeitung der Welt downzusizen und Gerüchte, warum das passiert, wild wuchern zu lassen."

Der VÖWA als traditionsreichste Wirtschaftsvertretung in der Akademia plädiert dafür, "dem unternehmerischen Denken eine reelle Chance zu geben". Auf Basis seiner fast 100-jährigen Tradition - sein Jubiläum im Jahr 2027 sähe der VÖWA gern medial auch von der "Wiener Zeitung" begleitet - fordert der Verein, im laufenden Prozess "die Pausetaste zu drücken" und ernsthaft zu prüfen, "welche modernen unternehmerischen Konzepte die älteste Tageszeitung der Welt mit ihrem international bekannten Qualitätsjournalismus absichern können".

Fischer betont: "Dass Qualität einen Markt hat, zeigen nicht nur Luxusmarken im Modebusiness, sondern eben auch eine ‚Washington Post‘, eine ‚Süddeutsche Zeitung‘, oder eine ‚New York Times‘." Als Unternehmensberaterin hole sie sich selbst "viele Anregungen für meine beruflichen Tätigkeiten aus der Lektüre dieser Tageszeitungen - und auch aus den fundierten Artikeln der ‚Wiener Zeitung‘." Der VÖWA würde auch sehr gerne sein prominentes Business-Netzwerk einsetzen, "in dem es viele Finanz- und auch einige Medienfachleute gibt", um der Zeitung zu helfen.

Der Fortbestand der "Wiener Zeitung" sei auch für den Wirtschaftsstandort Österreich wichtig, stellt Fischer klar. "Für jedes Unternehmen, das auf internationaler Ebene arbeitet, wirkt das Image Österreichs als Kulturland wie ein zuverlässiger Business-Door-Opener. Deshalb erfüllen uns die Nachrichten über besorgtes Nachfragen in Brüssel oder in Washington über den Umgang mit der ältesten Tageszeitung der Welt in Österreich mit Sorge."